Gefunden: Wortbild für vielfältige Gottes+bilder

Nach der Buko 2022 (30.03. – 03.04.) konnten wir feststellen: Die KjG hat sich auf die Suche nach Gottes+bezeichnungen gemacht, die mehr umfassen, als die männlich weiße Vorstellung von Gott+. Künftig drückt der Verband seine Vorstellung vielfältiger Gottes+bilder als KjG mit einem + aus. So transportiert die KjG die Vielfältigkeit Gottes+ in ihrem Wortbild, in Schriften und Aktionen des Verbandes.  Wie wir von Gott+ sprechen, prägt auch unser Menschenbild. Die Vorstellung von Gott+ als altem, weißem Mann mit Bart greift theologisch zu kurz und erschwert vielen jungen Menschen den Zugang zu Gott+.

Die Verbindlichkeit der Nutzung von Gott+ gilt zwar nicht für die einzelnen Diözesanverbände, diese
greifen das Thema jedoch im Rahmen ihrer je eigenen Möglichkeiten auf, befassen
sich in individuell passenden Formen und Formaten damit und überprüfen auch ihre
Glaubenskommunikation in dieser Hinsicht.

Die Debatte dazu war auf Bundesebene auf dem Herbstbundesrat 2021 eröffnet worden. Die KjG hatte Bundesebene hatte aber keinen Beschluss gefasst. Am 24.10.2021 eine Abschluss-Pressemitteilung herausgegeben zum Stand der Debatte um den Antrag zu vielfältigen Gottesbildern hieß es dort:

Diskutiert: „Gott*“ Engagiert und mit Sorgfalt ist die KjG auf der Suche nach Gottesbezeichnungen, die mehr umfassen als die männlich weiße Vorstellung von Gott. Hierbei bezieht sie alle Ebenen des Verbandes ein. Die KjG vertritt den Standpunkt, dass die Möglichkeiten der Gottesbilder vielfältig sind. Wie wir von Gott sprechen, prägt auch unser Menschenbild. Diese Erkenntnisse sind nicht neu. Neu ist aber, dass immer mehr Gläubige von der Vorstellung eines männlich patriarchalen, weißen Gottesbildes befremdet sind und das auch laut sagen. Die männlich weiße Vorstellung von Gott greift theologisch zu kurz und erschwert vielen jungen Menschen den Zugang zu Gott. Andererseits ist für viele Katholik*innen mit der Verwendung des Gottesbegriffs im tradierten Sinne religiöse Heimat verbunden. Die Einführung von „Gott*“ wird daher innerhalb des Verbandes sensibel vorbereitet.

Sowohl die kirchlichen wie auch die weltlichen Medien fanden die Beschäftigung der KjG mit dem Thema und den Input der KjG in den kirchlichen/gesellschaftlichen Diskurs bemerkenswert.
Innerhalb der Reihen der Bischöfe gab es offene als auch ablehnende Reaktionen. Theolog*innen haben sich zum Thema ebenfalls sowohl dafür als auch dagegen geäußert (Stichwort heilsame Irritation) geäußert.
In den SocialMedia gab es eine lebhafte Diskussion. Menschen schrieben Mails und Briefe an die Bundesstelle.

KjG-Beschlüsse zu Gott* bzw. Gott+

2021-03 Frühjahrs BuRa Beschluss Beschäftigung mit Gottesbildern im Verband
2021-10 Herbst BuRa Beschluss zu Beschäftigung mit Gott*
2022-04 BuKo Beschluss Vielfältige Gottesbilder – Gott+

Reaktionen der Öffentlichkeit Frühjahr 2022

Die KjG erweckte internationales Interesse, es gab Interviewanfragen aus Großbritannien, Österreich und der Schweiz

Presse-Reaktionen:

Radio/TV-Interviews:

Bundesleiterin Julia Niedermayer bei Bayern 3, 8.4.2022
Bundesleiterin Julia Niedermayer bei Radio Ton, 11.4.2022 (Teil 1)
Bundesleiterin Julia Niedermayer bei Radio Ton, 11.4.2022 (Teil 2)
Bundesleiterin Julia Niedermayer bei ntv, 8.4.2022

Reaktionen der Öffentlichkeit Herbst 2021

An dem Thema der Debatte gab es ein starkes Medieninteresse, sowohl von kirchlichen wie auch von weltlichen Medien. Das Interesse kam von deutschen und internationalen Medienanbietern. Beide großen deutschen weltlichen Presseagenturen, dpa und Reuters, fanden den Input der KjG in die kirchliche/gesellschaftliche Debatte bemerkenswert und nahmen die Meldung auf. .

Auch aus der Reihen der Bischöfe gab es Reaktionen, beispielsweise durch den Jugendbischof Johannes Wübbe, der die Diskussion begrüßte. Der BDKJ äußerte sich positiv zur Debatte und hob hervor, dass dank der KjG in der Öffentlichkeit wieder über Glaubensinhalte gesprochen werde.

Gesprochen wird über die verbandsinterne Debatte in vielen Formen, auch als Beiträge von Blogger*innen/Kabarettist*innen – mal pro, mal contra.
Ein Autor hat sich gemeldet, er hatte ein Buch „Miss God“ geschrieben.

Auszug aus verschiedenen Radio-Interviews

Bundesleiterin Julia Niedermayer bei Domradio, 25.10.2021
Geistliche Bundesleiterin Rebekka Biesenbach bei BBC 4, 14.11.2021 (Teil einer Diskussionssendung über Gottesbilder)

Auszug aus Print- & Online-Medien (alphabetisch)

Auszug aus TV- & Online-Videos (alphabetisch)

Offener Brief an die Teilnehmer*innen der dritten Synodalversammlung, Frankfurt/Düsseldorf, 03.02.2022.

Sehr geehrte Teilnehmer*innen der Synodalversammlung,

zur letzten Synodalversammlung Ende September 2021 haben wir Ihnen unseren Zuspruch in Form von „Nur-Mut!“-Nüssen zukommen lassen. Wir wollen auch weiterhin unsere Unterstützung für das anstrengende, mutige und zukunftsgewandte Ringen ausdrücken und Ihnen als KjG sinnbildlich den Nussknacker reichen.

Die „harten Nüsse“ sind noch immer zu knacken und der Tisch liegt voll mit vielen wichtigen Reformen. Zugleich macht jedes weitere veröffentlichte Gutachten die Enttäuschung und die Dringlichkeit größer, die in der MHG Studie benannten Faktoren schnellstmöglich und konsequent anzugehen. Sätze wie „Viele Menschen in Deutschland verlieren zunehmend das Vertrauen in ihre Kirche und wenden sich von ihr ab.“ sind aktuell und gewinnen zunehmend an Dramatik. Es würde so vielen Menschen, gerade jungen Menschen, helfen, wenn sie zur Abwechslung Gutes über ihre Kirche sagen könnten. Wenn die Überschrift in der Zeitung „Die Katholische Kirche in Deutschland beschließt umfangreiche, strukturelle Änderungen und will sie ab sofort umsetzen“ wäre. Einfach gesagt, wenn die katholische Kirche in Deutschland jungen Menschen einen Grund geben würde, sich nicht dafür rechtfertigen zu müssen noch immer katholisch und engagiert zu sein. Wenn Angebote für Kinder und Jugendliche nicht auch immer die Frage: „Sind meine Kinder in dieser Organisation sicher?“ mit sich bringen würde, da nach außen klar wird – die Risikofaktoren sind bekannt und werden konsequent ausgemerzt. Worte allein helfen nicht mehr.

Wir als KjG glauben daran, dass Sie die Möglichkeit für zukunftsfähige Veränderung haben. Wir bitten Sie inständig: Gehen Sie echte Reformen an! Lassen Sie die Erkenntnisse der letzten Jahrzehnte Kirche eine Mahnung sein. Wenden Sie sich gegen ausgemachte Risikofaktoren: Setzen Sie sich für Kinder- und Menschenrechte in Lehre und Kirche ein, schaffen sie veraltete moralisch aufgeladen Erwartungen wie den Zölibat ab, brechen Sie mutig bestehende Machtstrukturen auf. Diskriminierung lässt sich nicht mit unserem Glauben vereinbaren, denken Sie weiterhin groß und setzen Sie sich dadurch für eine vielfältige, gerechte Kirche für alle Menschen ein. Die Umsetzung von Menschen- und Kinderrechten sollte selbstverständlich sein und für solch grundlegend wichtige Themen in der Versammlung zu bleiben erst recht. Es ist groß von allen, die sich für uns in den Diskurs geben und um solche Selbstverständlichkeiten, wie die Wahrung von Kinder- und Menschenrechten, in der Synodalversammlung streiten. Ihnen wollen wir weiterhin sagen “Nur Mut! Die KjG steht hinter Ihnen!“. Sie wirken für uns und Ihr Engagement wird gesehen und geschätzt.

In den Entscheidungen der Synodalversammlung sollte Barmherzigkeit und Nächstenliebe im Vordergrund stehen, ganz nach dem Vorbild Jesu. Unsere Kirche muss nah an der Lebensrealität der Menschen sein und ihnen einen sicheren Ort für ihren Glauben bieten. Unsere Kirche lebt davon, dass sie ein breites Spektrum von Meinungen zulässt und anerkennt. Menschenrechte und Diskriminierungsfreiheit müssen dabei unbedingt geachtet werden.

Der Synodale Weg hat durch die MHG-Studie den klaren Auftrag bekommen, den unzureichenden Umgang von Missbrauchsfällen zu ändern. Die Kirche in Deutschland muss jetzt alles umsetzen, was bereits kirchenrechtlich möglich ist, um systemisch unterstützten Missbrauch zu verhindern. Wir sehen darüber hinaus auch die Dringlichkeit, sich mit aller Kraft in der Weltkirche dafür einzusetzen, strukturelle und systemische Ursachen von Missbrauch zu beheben.

Nehmen Sie all diese sprichwörtlichen harten Nüsse auf und seien Sie sich gewiss: wir kriegen diese Nüsse geknackt. Als katholischer Kinder- und Jugendverband unterstützen wir Sie im Namen von Kindern und Jugendlichen darin, an einer Kirche als zukunftsgewandten, sinnstiftenden und sicheren Ort zu wirken.

In bestärkender Verbundenheit – Nur Mut!

Sag uns, was du denkst!

Derzeit arbeiten wir in der KjG mit verschiedenen Schwerpunktthemen. Gemeinsam beschlossen wurden die auf der Bundeskonferenz 2018 mit vielen KjGler*innen. Nun wollen wir überprüfen, ob die Schwerpunktthemen noch zeitgemäß sind – oder ob es andere wichtige Themen gibt, die in unserer Verbandsarbeit mehr Platz erhalten sollen.

Deswegen haben wir eine Umfrage entwickelt. Sie richtet sich an alle Kinder, Jugendliche und jungen Erwachsene, die sich mit der KjG verbunden fühlen. Bis zum 31.12.2021 ist eine Teilnahme daran möglich. Mitmachen und ausfüllen dauert ca. 10 Minuten. Hier geht’s zur Umfrage!

Mit dir mehr KjGler*innen erreichen

Unser Ziel ist es natürlich, möglichst viele Stimmen aus allen Ebenen unseres Verbandes zu erreichen. Das geht nur mit eurer Unterstützung! Deswegen bitten wir dich, die Umfrage in deiner Ebene weiter bekannt zu machen und anderen KjGler*innen, die du kennst, zukommen zu lassen. In unserer Cloud findest du deshalb viele Materialien zum Teilen der Umfrage. Unter anderem kannst du das von uns erstellte Sharepic nutzen.

Außerdem gibt es eine Plakatvorlage zum Ausdrucken, die du auf euren Veranstaltungen einfach aufhängen kannst. Zusätzlich haben wir eine Vorlage für eine Messenger-Nachricht erstellt, die du (z.B. in Kombination mit dem Sharepic) deinen KjG-Freund*innen zukommen lassen kannst. Um die Umfrage mit Kindern, z.B. in Gruppenstunden, näher zu bearbeiten, gibt es eine kleine Zusammenstellung mit Begleitmaterial zu den Themen der Umfrage.

Mach mit und teil die Umfrage in deiner KjG Gruppe!

Vom 22.10. – 24.10.2021 trafen sich über 40 Delegierte aus ganz Deutschland in Mannheim zum Herbstbundesrat der KjG. Als Kinder- und Jugendverband, der für Geschlechtergerechtigkeit und eine vielfältige Gesellschaft einsteht, diskutierte der Bundesrat „Gott*“. Beschlossen wurden Maßnahmen zu Inklusion im Bundesverband und Spenden an UNICEF sowie die Non-Profit Organisation UVIKANJO. Fahrt aufgenommen hat die Vorbereitung zur Großveranstaltung „MachMal!“ 2022.

Diskutiert: „Gott*“ Engagiert und mit Sorgfalt ist die KjG auf der Suche nach Gottesbezeichnungen, die mehr umfassen als die männlich weiße Vorstellung von Gott. Hierbei bezieht sie alle Ebenen des Verbandes ein. Die KjG vertritt den Standpunkt, dass die Möglichkeiten der Gottesbilder vielfältig sind. Wie wir von Gott sprechen, prägt auch unser Menschenbild. Diese Erkenntnisse sind nicht neu. Neu ist aber, dass immer mehr Gläubige von der Vorstellung eines männlich patriarchalen, weißen Gottesbildes befremdet sind und das auch laut sagen. Die männlich weiße Vorstellung von Gott greift theologisch zu kurz und erschwert vielen jungen Menschen den Zugang zu Gott. Andererseits ist für viele Katholik*innen mit der Verwendung des Gottesbegriffs im tradierten Sinne religiöse Heimat verbunden. Die Einführung von „Gott*“ wird daher innerhalb des Verbandes sensibel vorbereitet.

Beschlossen: „KjG für alle – Maßnahmen zur Inklusion“ Anliegen der KjG ist es, dass Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in Kirche und Gesellschaft ihre Persönlichkeit entfalten können. Förderbedarf, sexuelle Orientierung, sozialer Hintergrund dürfen dabei keine Rolle spielen. Der Mensch steht bei der KjG im Mittelpunkt, mit all seinen Fähigkeiten und Bedürfnissen. Darum hat der Bundesrat Maßnahmen zur Förderung von Inklusion auf KjG-Bundesebene beschlossen. Diese Maßnahmen tragen dem innerverbandlichen Inklusionskonzept Rechnung. Inhalt der Maßnahmen ist auch die Vernetzung in Sachen Inklusion mit anderen Verbänden.

Geteilt: Die KjG teilt mit UNICEF und der Non-Profit Organisation UVIKANJO aus dem Klimaschutz. Die KjG spendet einen Betrag in Höhe von 0,7% ihrer staatlichen Zuschüsse an UNICEF, für Impfungen gegen COVID weltweit. Die KjG fördert dadurch Maßnahmen im Bereich Entwicklungspolitik. Außerdem fließt ein Betrag in Höhe von 0,3% ihrer im Jahr 2020 erhaltenen staatlichen Zuschüsse an das Klimaschutzprojekt Baumpflanzaktionen (Kieferplantagen) der UVIKANJO, einer Partnerorganisation der KjG im Bistum Würzburg, im Bistum Njombe (Tansania). Bereits 1975 hatte sich Deutschland gemeinsam mit den Ländern der Vereinten Nationen dazu verpflichtet, staatliche Mittel in Höhe von 0,7% des Bruttonationaleinkommens (die sogenannte ODA-Quote, Official Development Assistance) für die Entwicklungszusammenarbeit und die humanitäre Hilfe bereitzustellen. In den letzten 41 Jahren hat die deutsche Bundesregierung es erst einmal umgesetzt, mit ihrem vollen Beitrag von 0,7% des Bruttonationaleinkommens zur offiziellen Entwicklungszusammenarbeit beizutragen.
Die KjG möchte als politischer Kinder- und Jugendverband mit ihrer Spende für die Entwicklungszusammenarbeit ein Zeichen setzen und die Politiker*innen wiederholt daran erinnern, ihre Vereinbarungen auch weiterhin einzuhalten.

Fahrt aufgenommen: „MachMal!“ KjG-Großveranstaltung. Endlich wieder zusammen sein! 2022 werden KjGler*innen sich in Horb auf den Neckarwiesen treffen, um zu diskutieren, zu feiern und gemeinsam zu beten. „MachMal!“ setzt den Fokus auf die Schwerpunktthemen Nachhaltigkeit und Ökologie sowie Engagement für Demokratie und Menschenwürde.

2021 KjG Herbstbundesrat Abschluss
KjG-Herbstbundesrat-Delegation 2021

Düsseldorf/Frankfurt, 29.09.2021

Nur Mut! – Stellungnahme der KjG-Bundesleitung zur zweiten Synodalversammlung

Die KjG fordert Synodalteilnehmer*innen auf: Nur Mut! Wir brauchen dringend zukunftsgewandte Veränderungen für eine glaubwürdige Katholische Kirche!

In einem offenen Brief an alle Teilnehmer*innen der Synodalversammlung fordert die Bundesleitung der Katholischen jungen Gemeinde diese auf, mutige Wege zu gehen und gemeinsam an einer zukunftsfähigen Kirche zu wirken.

Insbesondere das Engagement um sichere Räume für Kinder und Jugendliche ist der KjG ein großes Anliegen. „Wir müssen Aufarbeitung konsequent anpacken und auf allen Ebenen ernst nehmen, wenn wir Kirche als einen sicheren und geschützten Ort für alle Menschen beschreiben!“, sagt Julia Niedermayer, Bundesleiterin der KjG. Kirche zeige aktuell weder in Deutschland noch weltweit, dass Aufarbeitung konsequent angegangen wird, meint Niedermayer in Hinblick auf die kürzlich in Rom getroffenen Entscheidungen bezügliche der Bischöfe Heße, Wölki, Schwaderlapp und Puff. „Es ist für junge Menschen nicht nachvollziehbar, dass die missbräuchliche Instanz eigenständig darüber richtet, ob Vertuschung von Missbrauchstaten ohne Absicht geschieht und insbesondere Geweihte dadurch keine weitreichenden Konsequenzen erfahren.“

Außerdem fordert die KjG die Synodalteilnehmer*innen auf, sich für eine gleichberechtigte Kirche einzusetzen, die in allen Belangen bei den Menschen ist. „Es geht darum, Menschen in all ihrer Würde anzunehmen und sie als gleichberechtigte Kinder Gottes in unserer Kirche vorkommen zu lassen. Gleichgeschlechtlich liebende Menschen und ihre gleichberechtigt und verantwortungsvoll geführten Beziehungen müssen als Geschenk anerkannt und genauso gewürdigt werden wie die Verbindung zwischen Mann und Frau!“, so Niedermayer weiter.

Der Standpunkt der KjG: Es braucht eine Neubewertung der kirchlichen Sexualmoral im positiven Sinne. Diese muss sich auch auf die Gestaltung der Priesterausbildung auswirken: sie muss lebensnah und den Menschen zugewandt von statten gehen. Außerdem ist es für die KjG unerlässlich, den Zugang von Frauen zu allen kirchlichen Diensten und Ämtern zu ermöglichen, um dem gemeinsamen durch die Taufe gegebenen Sendungsauftrag gerecht zu werden. Nur so kann im Sinne der Menschenrechte und der Gott gegebenen Würde aller Menschen agiert werden.

In ihrem offenen Brief unterstützt die KjG die Synodalteilnehmer*innen mit dem Zuspruch „Nur

Mut!“. Die sinnbildlichen harten Nüsse sind nicht einfach zu knacken, aber die KjG ist davon überzeugt, sie können konstruktiv geöffnet werden. In ihrem offenen Brief bietet die KjG den sinnbildlichen Nussknacker an und bestärkt so die Synodalen: Als Kinder- und Jugendverband unterstützen wir das mutige Ringen um eine Kirche, die sicherer und lebenswerter Ort für alle Menschen ist.

Walnüsse und Schriftzug Nur Mut! Für eine zukunftsfähige Kirche!

Gerne teilen:
Das Bild zum Statement „Nur Mut! Für eine zukunftsfähige Kirche!

PDF: Nur Mut! – Stellungnahme der KjG-Bundesleitung zur zweiten Synodalversammlung

PDF: Offenen Brief KjG an alle Teilnehmer*innen der Synodalversammlung

Die KjG ist empört über das Vorhaben von Frauen- und Familienministerin Lambrecht, in Texten der Ministerien und Bundesbehörden auf das Gendern zu verzichten. Zukunftsgerichtete Kinder-, Jugend- und Frauenpolitik sieht anders aus!

Unsere Gesellschaft ist bunt und wird von allen gemeinsam getragen. Jede*r hat das gleiche Recht auf Respekt und darauf, in unserer Sprache vorzukommen. Darum ist gendersensible Sprache zwingend notwendig! Die Anerkennung aller Geschlechter in unsere Sprache ist zukunftsweisend. Sprache schafft Wirklichkeit.

Seit 2014 beschäftigt uns das Thema geschlechtersensible Sprache. Mehr dazu unter dem Themenbereich Geschlechtervielfalt

Seit 1996 gibt es die U18 Wahl, die auch in diesem Jahr vor der Bundestagswahl wieder stattgefunden hat. Ziel ist es, dass mit der U18-Wahl auch Kinder und Jugendliche eine Stimme abgeben dürfen, obwohl sie in unserem politischen System kein Wahlrecht innehaben und somit ihre Stimme nicht offiziell abgeben können. Mit einer Kampagne hat die KjG die U18-Wahl unterstützt. Mit Erfolg! Yu ist in der Bundesleitung zuständig für die Projekt-Koordination der U18-Wahlen wie auch für den gesamten Themenbereich Partizipation und Teilhabe von Kindern und Jugendlichen.

Wir haben uns vor der U18 Bundestagswahl getroffen und gesagt: mal gucken, wie es ausgeht. Nun ist das Ergebnis da … wie sieht es aus?

Yu: Das Ergebnis sieht so aus, dass bundesweit bei den Menschen unter 18, die ihre Stimme abgegeben haben, die Grünen mit gut 21 Prozent die Nase vorn haben. Relativ dicht gefolgt von der SPD mit 19 Prozent. Und an dritter Stelle folgt die CDU/CSU mit 6 und 10,9 Prozent. Das mal zu den drei Parteien, die Kanzler*innen Kandidat*innen stellen. Es folgen in größerem Abstand die FDP, die Linke, die AfD und die Tierschutzpartei und ein relativ großer Anteil verteilt sich unter den sonstigen Parteien mit 11,8 Prozent der Stimmen.

Wenn du sagst „diejenigen, die ihre Stimme abgegeben haben“, wie viele haben denn mitgemacht? Und gibt es eine Entwicklung, die man beobachten kann?

Yu: 261.210 Stimmen wurden abgegeben. Also, so viele Kinder unter 18 Jahren haben die Möglichkeit genutzt, ein U18 Wahllokal zu besuchen. Um die Zahl mal einordnen zu können: Bei der letzten Bundestagswahl, also 2017, waren es rund 220.000 Kinder und Jugendliche, die ihre Stimme im Rahmen der U18-Wahl abgegeben haben. Wir können also einen sehr guten Zuwachs an Kindern und Jugendlichen verzeichnen, die ihre Stimme im Rahmen dieser Wahlen genutzt haben. Das finde ich ein sehr ermutigendes Zeichen. Das zeigt, dass Kinder und Jugendliche mitnichten unpolitisch durch die Welt und ihr Leben gehen.

Könnte man sagen, die unterstützenden Erwachsenen waren dann da zu finden, wo die Wahllokale angeboten wurden?

Yu: Das Schöne ist ja tatsächlich, dadurch, dass nicht nur Städte, Schulen und Kommunen die U18-Wahl ermöglicht haben, haben wir hier nicht nur unterstützende Erwachsene, da waren Kinder und Jugendliche auch selbst in Wahllokalen unterstützend tätig. Ganz nach dem Prinzip der KjG, dem Prinzip der Kinder- und Jugendverbandsarbeit: Jugend für Jugend. Und auch da können wir mehr als tausend zusätzliche Wahllokale im Vergleich zur letzten Bundestagswahl verzeichnen. 2017 gab es gut 1.660 Wahllokale und jetzt 2.699. Das finde ich auch ein enorm starkes Zeichen. Das zeigt auch noch mal, dass es eben vielen Leuten ein großes Anliegen ist, nicht nur Menschen Politik anzuvertrauen, die 18 Jahre und älter sind, sondern dass viele Institutionen, Organisationen und Verbände einen guten Blick dafür haben, dass Kinder und Jugendliche Teil unserer Gesellschaft sind und das Recht haben, mitzugestalten.

Die Kinder und Jugendlichen haben ihre Chance dann auch genutzt, indem sie vermehrt teilgenommen haben. Welches Ziel ist denn aus Sicht des KjG Bundesverbandes erreicht worden?

Yu: Ich habe für unsere Kampagne als Ziel so grob benannt, dass das Thema breit in unseren Diözesanverbänden und weiteren Ortsebenen gesetzt wird. Das ist Dank der aktiven Verbandsarbeit gelungen. Mir sind viele Berichte in den Social Media und viele Eindrücke von Wahllokalen aus über den Weg gelaufen. Im Diözesanverband Köln beispielsweise gab es eine Kampagne, die hieß „Ich habe keine Wahl“, durch die die Stimmabgabe auch begleitet wurde. In dieser Kampagne hatten junge Menschen die Gelegenheit, zu sagen, was sie daran nervt, dass sie keine Stimme abgeben dürfen. Da wurden wirklich super politische O-Töne von Menschen unter 18 gesammelt, was Politik alles versemmelt, wenn sie ihnen nicht zuhört.

Von der Plattform der hohen Beteiligung aus. Was bedeutet das für uns als Bundesverband? Welchen Impuls gibt das für unsere Arbeit?

Yu: Ich fühle mich total bestärkt in unserem Bundesverband, weil wir seit unserer Gründung schon sehr klar haben: Wir sind ein Kinder- und Jugendverband und bei uns dürfen alle unabhängig ihres Alters mitreden, weil wir viel Vertrauen in junge Menschen haben und das sehr schätzen, was sie einzubringen haben und wie sie sich einbringen. Zum einen zeigt das Ergebnis eben, dass junge Menschen absolut nicht politik-unfähig sind, sondern dass sie ein hohes Bedürfnis danach haben, auch über Wahlen mitzugestalten. Das bedeutet für uns, dass wir sehr klar weiterhin politisch die Absenkung des Wahlalters einfordern. Wir als Bundesverband stehen ein für ein Wahlrecht ganz ohne Altersgrenze. Das können wir jetzt politisch wieder mit mehr Schlagkraft verfolgen. Auf der zweiten Ebene: Dadurch, dass es so viel mehr Wahllokale gab, zeigt sich auch, dass das Thema in Gesellschaft und Zivilgesellschaft Relevanz erlangt. So könnte der Bundesverband hoffentlich mehr Verbündete finden, wenn es um Wahlalterabsenkung geht. Wir sind eine Werkstatt der Demokratie als Kinder- und Jugendverband. Dass Kinder immer extremer wählen würden, dass Kinder einfach irgendwo ihr Kreuz setzen würden, die Behauptung sollte vom Tisch sein. Was mich noch ein bisschen bremst in aller Euphorie ist, dass wir an einem Punkt stehen, wo das größte und wichtigste Recht für Kinder und Jugendliche, nämlich mitzugestalten, immer noch von der Gunst der Erwachsenen abhängt. Und das ist der Grund für uns, weiterhin für die konsequente Aufnahme der Kinderrechte ins Grundgesetz zu kämpfen.

Wenn ich mir das mal angucke, das Ergebnis, dann ist das spezifische Wahlverhalten der Jugendlichen und Kinder, dass sie die Tierschutzpartei verstärkt wählen…

Yu: Ja, ich erkläre mir das tatsächlich so, dass das eine Partei ist, die ihr Profil sehr klar im Namen trägt, die Tierschutz einfordert. Wir wissen aus der Beschäftigung mit Kindern und Jugendlichen, aus der Begegnung mit Kindern und Jugendlichen und auch aufgrund von Werte-Studien, wie beispielsweise der Shell- oder der Sinus-Studie, dass Kindern und Jugendlichen der Tierschutz und auch der Umweltschutz immens wichtige Themen sind. Ich finde, das muss Auftrag an die etablierten Parteien sein, die Themen von Kindern und Jugendlichen aufzugreifen.

Was bedeutet das nun für uns als erwachsene KjGler*innen?

Yu: Ich finde, wir Wahlberechtigte müssen bei unserem Kreuzchen am 26. September die Anliegen der Kinder und Jugendlichen mitdenken und vertreten und so für eine nachhaltige und zukunftsgerechte Politik stimmen.

Die Bundestagswahl steht kurz bevor und die Möglichkeiten, sich mit den Wahlprogrammen der Parteien auseinanderzusetzen stehen vielfältig zur Verfügung. Am 26. September entscheiden Wahlberechtigte, ob die AfD mit ihren rechtsextremen Äußerungen und ihrer rechtspopulistischen Art erneut in den Bundestag einzieht.

Als Katholische junge Gemeinde stehen wir für Werte und Grundlagen, die bestimmte Wahlentscheidungen ausschließen. Allen voran schließen unser Selbstverständnis, unser christliches Menschenbild und unsere Grundlagen und Ziele aus, Parteien mit rechtsradikalen oder rechtspopulistischen Tendenzen zu wählen.

Insbesondere die rechtspopulistische Art der AfD, Politik zu machen, ist für uns als KjG unvereinbar mit unseren Werten. Sie steht für eine Haltung und Weltanschauung, die wir als KjGler*innen ablehnen und der wir uns entschieden entgegenstellen. Als katholischer Kinder- und Jugendverband setzen wir uns für eine vielfältige Gesellschaft ein. Wir stehen für einen Umgang mit Menschen ein, der ihre Würde und Rechte wahrt; unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Religion oder sozialer Stellung. Jede Form der Diskriminierung widerspricht allem, wofür wir als KjG stehen. Aus unserem Selbstverständnis heraus ist eine passive Haltung der AfD gegenüber nicht tragbar. Wir verstehen den Einsatz für eine vielfältige Gesellschaft als unsere katholische und demokratische Pflicht.

Wir machen daher deutlich: Für uns als KjGler*innen ist die AfD keine wählbare Alternative! Die Strategie, Menschenrechte zu missachten und bestimmte Menschengruppen herabzuwürdigen, verurteilen wir. Insbesondere für junge Menschen trägt dies dazu bei, dass sie weder als Individuen noch als Entscheidungsträger*innen ernst genommen werden.

Als KjG rufen wir dazu auf, die AfD bei der Bundestagswahl am 26.09. nicht zu wählen, um

  • einer menschenverachtenden Haltung keine politische Relevanz beizumessen.
  • populistischer und rechtsextremer Hetze eine klare Absage zu erteilen.
  • antisemitische und den Holocaust verharmlosende Äußerungen nicht gesellschaftsfähig erscheinen zu lassen.
  • patriarchale Strukturen aufzubrechen, Frauenhass zu begegnen sowie vielfältige Geschlechter und Lebensentwürfe zu stärken.
  • junge Menschen ernst zu nehmen und sie als wertorientierte, verantwortungsbewusste und tolerante Individuen zu stärken.
  • der Vereinnahmung von Jugendverbänden entgegenzuwirken.
  • die Finanzierung rechtsgesinnter „Bildungsarbeit“ zu unterbinden.
  • Solidargemeinschaften weiterhin zu pflegen und somit die EU & die internationale Zusammenarbeit zu stärken.
  • eine vielfältige Gesellschaft zu gestalten.

Für uns als KjG ist klar: Wir wählen! Jedoch nicht die AfD. Wir rufen alle wahlberechtigten Personen dazu auf, nicht die AfD zu wählen, sondern ihre Wahlentscheidung im Sinne von Kindern und Jugendlichen und einer toleranten und vielfältigen Gesellschaft zu treffen.

Seit 1999 ist der 12. August der internationale Tag der Jugend. Eingerichtet hat ihn die UN. Dieser Tag soll daran erinnern, dass bei der Gestaltung unserer Demokratien die Jugend auch fair und angemessen beteiligt sein muss. Davon sind wir noch weit entfernt. 2018 waren zum Beispiel in demokratischen nationalen Parlamenten nur 2%der Abgeordneten unter 30. Kinderrechte im Grundgesetz? Fehlanzeige! Die KjG nimmt den Tag der Jugend daher als Auftakt einer Kampagne.

Mehr zur Kampagne und deren Hintergrund erfahrt ihr im Interview mit Yu aus der Bundesleitung.

Heute ist der Tag der Jugend. Ein Auftakt bei uns auf der KjG Bundeseben. Inwiefern?
Yu: Insofern Auftakt, als, dass wir den Tag der Jugend als Startschuss für eine Kampagne nutzen, um auf jugendrelevante Themen im Bezug auf die Bundestagswahl aufmerksam zu machen. Es gibt seit 1996 die U18 Wahl, die auch in diesem Jahr vor der Bundestagswahl wieder stattfindet. Ziel ist es, dass mit der U18 Wahl auch Kinder und Jugendliche eine Stimme abgeben dürfen, obwohl sie in unserem politischen System kein Wahlrecht innehaben und somit ihre Stimme nicht offiziell abgeben können. Wir als KjG wollen auf die U18 Wahl aufmerksam machen, weil die zumindest ein gutes Format ist, um Kindern und Jugendlichen als relevanten Akteurinnen der Gesellschaft eine Stimme zu verleihen.

Dieses Jahr ist das nochmal eine besondere Sache, weil Anfang des Jahres wieder die Kinderrechte nicht ins Grundgesetz aufgenommen wurden. Ist die U18 Wahl also eine Chance, das nochmal nach vorne zu bringen?
Yu: Ja, ich sehe das total als Chance und ich fände es fatal, dieses Signal nicht mit der U18 Wahl zu setzen. Die Kinderrechte sind schon wieder nicht verbindlich ins Grundgesetz aufgenommen worden. Wir müssen diesen Kampf also weiter führen und eine Stimme für Kinder und Jugendliche erheben. Das machen wir natürlich gerne. Aber viel besser ist es eben, Kindern und Jugendlichen selbst eine Plattform für ihre eigene Stimme zu geben. Das passiert im Zuge der U18 Wahl. Mit unserer Kampagne dazu verdeutlichen wir die KjG-Positionen im Zusammenhang mit den Wahlprogrammen der Bundesparteien.

Wie genau geschieht das?
Yu: Der Deutsche Bundesjugendring hat zu jugendrelevanten Themen verschiedene Fragestellungen an Politiker*innen herausgegeben. Diese Fragen nehmen wir uns nochmal vor und machen darauf aufmerksam, was die KjG da eigentlich dazu zu sagen hat. Das stellen wir dem Verband und der Öffentlichkeit ganz konkret mit unserer Kampagne zur Verfügung. Da könnte man fragen: Warum ist das so besonders? Warum zeigt es auch nochmal, dass Kinderrechte unbedingt ins Grundgesetz gehören? Die Antwort ist: Weil all unsere Beschlusslage auf Grundlage der Interessen von Kindern und Jugendlichen gefasst worden sind und die da teilweise auch selbst mitgestaltet haben. Sie hatten auch die Chance, unsere Beschlüsse kennenzulernen, weil wir die auch in kindgerechter, verständlicherer Sprache zur Verfügung stellen.

Auf welcher Plattform wird die Kampagne auf der Bundesebene stattfinden?
Yu: Wir werden verschiedene Postings über die Social-Media-Kanäle setzen. Pro Woche ab dem 12. August bis zur Bundestagswahl wöchentlich zwischen 2 und 3 Postings. Die werden eben diese Fragen vom Deutschen Bundesjugendring aufgreifen und unsere Positionierung dazu klarmachen. Wir wünschen uns, dass möglichst viele KjG Untergliederungen diese Kampagnen-Postings aufgreifen und so ein deutliches Signal dafür setzen, dass Kinder und Jugendliche ernst zu nehmen sind und wir als Kinder- und Jugendverband einiges zu sagen haben im Sinne von Kindern und Jugendlichen. Die Aussage: Wir sind alle relevant für politische Entscheidungen.

Wann hättest du das Gefühl: Wir haben das Ziel erreicht?
Yu: Auf der einen Seite wäre ich total glücklich, bei vielen Diözesaneverbänden oder anderen KjG-Ebenen zu sehen, dass die unsere Postings teilen und eigene beitragen. Es geht ja nicht um die Postings, sondern darum, dass die Positionen, Inhalte und die Statements, die damit einhergehen nochmal eine breite Rückendeckung erfahren und eben in die Öffentlichkeit getragen werden. Außerdem würde ich mich total freuen, wenn der Spirit auch bei den Kindern und Jugendlichen selbst ankommt und die motiviert auch tatsächlich an der U 18 teilzunehmen. Naja, und vielen kritischen Erwachsenen zu zeigen, dass das totaler Quatsch ist, was Kindern in Bezug auf Wahlentscheidung unterstellt wird. Häufig ist von dem Erwachsenen zu hören: „Warum sollten denn Kinder wählen dürfen? Die wählen viel extremer als Erwachsene.“ Die Letzten drei oder vier Kampagnen der U18 Wahl haben gezeigt, dass das einfach nicht den Tatsachen entspricht.

Was würdest du den skeptischen Erwachsenen denn entgegenhalten? Warum sollten Kinder das Wahlrecht erhalten?
Yu: Kinder und Jugendliche sind Teil unserer jetzigen Gesellschaft und auch unsere Zukunft. Die haben aber einfach keine Möglichkeit irgendwie mal aufzuzeigen, was sie von der Politik brauchen. Umweltschutz wird für die Zukunft ein wahnsinns großes Thema. Das treibt natürlich auch viele Kinder und Jugendliche in unserem Verband um, dass da zu wenig getan wird. Die etablierten Parteien tun sich jetzt auch nicht wahnsinnig hervor, zu zeigen, dass ihnen die junge Generation ein großes Anliegen ist. Dementsprechend erhoffe ich mir von den Ergebnissen der U18 Wahl, dass die das nochmal deutlich machen und das – ein bisschen utopisch – ein paar erwachsene Menschen, die ihr Wahlrecht wahrnehmen dürfen, das berücksichtigen.

Welche Rolle hat dabei die KjG als Verband?
Yu: Der Groschen muss bei den Erwachsenen der Gesllschaft einfach fallen, dass wir für Kinder und Jugendliche zumindest aktuell Politik mit wählen müssen. Die KjG rüttelt am gesellschaftlichen Bewusstsein, damit das passiert. Mit uns als Verband können wir die Stimmen der Kinder und Jugendlichen bündeln – sichtbar machen, eben auch über unsere Kampagne zur U18 Wahl.

(12.08.2021 das Interview führte Babette Braun Öffentlichkeitsreferentin der KjG)

Simon Schwarzmüller

Simon Schwarzmüller ist vierundzwanzig Jahre alt und der neue Bundesleiter der KjG. Der Weg, der ihn hierhergeführt hat, begann in der Pfalz, in einem kleinen Ort. Hauenstein. Es ist ein Dorf mit rund 4000 Einwohner*innen. Bekannt ist es für seine Schuhe. In Hauenstein steht das Deutsche Schuhmuseum …

…und es gibt eine KjG Pfarrei-Gruppe …
Simon: Genau. Ich bin als Kind schon damals in die KjG gekommen. Eine Großaktion von damals war der Ferienspaß. Gibt’s immer noch. Eine Woche in den Sommerferien: Spiel, Spaß, Spannung, Action mit anderen Kindern im gleichen Alter. Da habe ich erst als Teilnehmer mitgemacht und bin dann später auch als Leiter dazugekommen. 2014 wurde ich Pfarrleitung in Hauenstein und habe das Ganze dann hauptverantwortlich organisiert – bis ich 2017 zur Diözesanleitung gewählt wurde.

Als du als Kind in der KjG warst, was waren denn da so die Nöte und die Interessen von dir und deinen KjG-Kumpel*innen?
Simon: Als Kind ging es vor allem erstmal darum, einen Ort zu finden, an dem ich mit meinen verschiedenen Freund*innen zusammenkommen und dort zusammen gemeinschaftliche Aktionen erleben konnte. Das war in der Gruppenstunde und auch in den Ferienfreizeiten der Fall. Natürlich stand da der Spaß im Vordergrund. Aber die KjG war auch ein Ort, wo es für uns Kinder Raum gab, uns einfach mal auszuprobieren.

Es ist auch ein Raum gewesen, um eine Art von Religion oder Bezogenheit zu Gott auszuleben. Bist du über deine erste heilige Kommunion zur KjG gekommen?
Simon: Ich war vorher schon in der KjG. Ein Freund hat mich in die Gruppenstunde mitgenommen. Durch die Kommunion bin ich dann aber auch noch zu den Messdienern gekommen und die Messdiener und die KjG sind bei uns eng verknüpft.

Ihr wart rein analog unterwegs. Digitalisierung oder so hat, glaube ich, noch keine Rolle gespielt …
Simon: Das auf jeden Fall. Also, es war so: Wir haben uns einmal die Woche getroffen zur Gruppenstunde und natürlich gab es die Sommerfreizeiten. Da gab es noch kein WhatsApp oder E-Mail-Newsletter, das ging alles analog.

Merchandising habt ihr aber gemacht und du hast gesagt, ihr habt was mit Dubbegläsern gemacht. Ich persönlich komme aus dem Rheinland und Dubbe kenne ich gar nicht. Was sind denn Dubbe?
Simon: Wir haben ganz verschiedene Merchandising-Artikel gemacht und eins davon waren z.B. die KjG-Dubbegläser. Das ist ein Produkt aus der Pfalz oder vor allem in der Pfalz bekannt. Es ist eine Art Weinglas, worin kleine runde Einkerbungen sind, um es besser halten zu können. Das haben wir mit dem KjG-Seelenbohrer bedruckt.

Du bist, wie erwähnt, ein Pfälzer. Was bringst du denn aus der Pfalz heraus auf die Bundesebene mit? Was ist pfälzisch?
Simon: Ich würde sagen, im Vergleich mit NRW, wo auch die Bundesstelle in Düsseldorf ist, ist die Pfalz doch sehr ländlich geprägt, also viele kleinere Orte. Es gibt viele KjGs in eher ländlicheren Gebieten. Das ist eine andere Arbeit als in einer größeren Stadt oder auch in einem sehr städtischen Gebiet allgemein.

Was würdest du sagen: Gibt es spezielle Problematiken z.B. für die DV-Ebene? Oder gibt es eine spezielle Problematik für die Pfarrei-Ebene? Oder ist das von der Region abhängig?
Simon: Also ich glaube, gerade aktuell gibt’s schon ein Thema, was uns alle beschäftigt. Und das ist die Corona-Pandemie und wie Jugendarbeit in und nach der Pandemie gut funktionieren kann. Ich merke bei vielen Ortsgruppen, dass da die Fragestellung ist: „Wie kann es weitergehen bei uns, in den Gruppenstunden, in den Freizeiten?“ Ich erlebe jetzt gerade, dass sich viele die Mühe machen und Freizeiten planen, auch mit der eventuellen Unsicherheit, dass diese ausfallen. Sie sagen einfach: „Wir möchten gute Angebote für Kinder und Jugendliche leisten.“ Das motiviert mich! Einfach zu sehen, dass es da so viele Bestrebungen gibt. Ich erlebe, dass es auch ein größeres Thema ist, wie es mit den Schulungen weitergeht, eine Aufgabe, die oft von den Diözesanverbänden übernommen wird. In den letzten anderthalb Jahren waren größtenteils nur digitale Schulungen möglich und es wurde sehr viel innovativ überlegt und konzipiert, wie man diese im digitalen Raum umsetzen kann. Aber ich glaube, was auch hängengeblieben ist, ist, dass so einfach keine Schulung in Präsenz ersetzt werden kann.

Welches Anliegen hast du in Bezug auf Schulungsarbeit?
Simon: Ich würde gerne die Schulungsarbeit im Bundesverband noch ein bisschen stärker in den Blick nehmen. Schulungsarbeit ist ein sehr großes Thema in vielen Diözesanverbänden und ich denke, da kann es für die KjG gewinnbringend sein, wenn wir voneinander profitieren, uns gegenseitig austauschen: Wie läuft Bildungsarbeit in den unterschiedlichen Diözesanverbänden? Und gerade, wenn dann so eine Situation kommt wie jetzt diese Pandemie, kann man auch sehr schnell voneinander lernen. Ich denke, in diesem Bereich können wir uns weiterentwickeln und uns bundesweit vernetzen, weil die Schulungsarbeit ein sehr wichtiges Thema innerhalb der KjG ist, zum Schutz der Gruppenleiter*innen und der Kinder bzw. Jugendlichen.

Ich stelle mir deinen Weg durch die KjG gerade wie so ein umgekehrter Wasserfall vor: Pfarrei-DV-Bundesebene. Was hast du denn von der Pfarrei auf die nächste Ebene mitgenommen? Was bringst du jetzt aus der DV-Ebene mit?
Simon: Also einerseits, was mein Feuer für die KjG richtig entfacht hat, war einfach, diese Gemeinschaft zu erleben. Das hat begonnen in der Pfarreiebene, und das war auch etwas, was ich auf die KjG-Diözesanebene mitgebracht habe: Das Ziel, auch im Diözesanverband diese Rahmenbedingungen, Veranstaltungen und Angebote zu schaffen, wo junge Menschen Gemeinschaft erleben können. Von meiner Zeit als Diözesanleitung bringe ich die bundesweite Perspektive und Vernetzung mit. Die KjG ist ja ein Verband, der deutschlandweit aktiv ist. Es gibt Gruppen, die da sehr aktiv sind in dieser Verbandsstruktur und es gibt andere Gruppen, die sich eher auf ihre Arbeit vor Ort konzentrieren. So kommt es auch vor, dass wir als KjG-Diözesanebene oder Bundesebene nicht alle KjGler*innen, die vor Ort Mitglied sind, erreichen. Das hatte ich damals in meiner KjG-Zeit auch selbst erlebt, bevor ich Pfarrleitung wurde. Es war ein anstrengender Prozess, da die Kontakte zu knüpfen und wiederaufzubauen. Gleichzeitig habe ich auch gemerkt, dass das einen großen Vorteil mit sich bringt. Das war ein Erlebnis, das mich geprägt hat und das ich jetzt mitbringe. Auf Bundesebene bedeutet das, dass wir daran arbeiten müssen, dass auch diese innerverbandliche Vernetzung sehr gut funktioniert.

Die hat zum einen auch mal nicht nur innerverbandlich, sondern sogar auch mit dem BDKJ sehr gut funktioniert: mit der 72-Stunden-Aktion. Da warst du auch dabei. Das war analog – vor Ort. Die Pandemie hat uns ins Digitale gezwungen mit interessanten Nebeneffekten …
Simon: Wir im Diözesanverband Speyer haben zu Beginn der Pandemie relativ schnell unser digitales Format „KjG vs. Corona“ eingeführt. Das waren monatliche Vernetzungs-, Spiele- und Austauschangebote für Menschen aus den Pfarreien. Und da haben wir gemerkt, wir erreichen einfach plötzlich ganz viele andere Menschen, die wir vorher nicht erreicht haben. Überregionale KjG-Arbeit ist ja auch mit räumlicher Distanz und Fahrtzeiten verbunden. Diese Mobilität muss man einerseits zeitlich, aber auch dann generell erst mal mitbringen. Da haben wir gemerkt, dass der digitale Raum auch Möglichkeiten bietet, wenn man sich mal schnell zuschalten kann zu einem Abendtermin. Da haben plötzlich KjGler*innen aus ganz verschiedenen Regionen teilgenommen, die auch außerhalb des Bistums oder sehr weit entfernt in Deutschland gewohnt haben, aber immer noch mit der KjG verbunden sind. Es ist ein Learning aus der Pandemie für uns gewesen, dass wir diese Möglichkeit durchaus auch noch weiterhin nutzen können.

Das Mitmachen in der KjG, was ist das für dich? Eine kulturelle Teilhabe, eine religiöse Teilhabe, eine politische Teilhabe für junge Leute?
Simon: Ich denke, es kommt alles zusammen und ich glaube, die KjG wächst auch mit einem selbst mit. So war es zumindest bei mir. Als ich als Kind in die Pfarrei, die Gruppenstunde, gekommen bin, da ging es vor allem um die Gemeinschaft, um Spiel, Spaß, Freund*innen kennenlernen und natürlich auch die religiöse Komponente. Sei es als Impuls bei Freizeiten oder im Gottesdienst oder in der Gruppenstunde. Aber, je älter ich geworden bin, desto eher habe ich mich dann an der Diözesanebene orientiert und auch am Bundesverband. Da merkt man dann, die KjG ist ja auch ein sehr politischer Verband mit klaren Positionen. Die KjG ist für mich ein Ort, um sich selbst eine Meinung zu bilden und dann eben diese auch zu vertreten zu lernen.

Jetzt hast du die Chance in der Bundesleitung einiges mitzugestalten. Du hast zwei Schwerpunktthemen mitgebracht. Das eine kinder- und jugendpolitische Vertretungsarbeit …
Simon: Das Thema liegt mir schon sehr lange am Herzen. Wir hatten ja gerade schon darüber gesprochen: Was ist KjG? Wie politisch ist die KjG? Das große politische Thema, womit ich mich als erstes in der KjG auseinandergesetzt habe, war das Thema Mitbestimmung für Kinder und Jugendliche und z.B. auch das Thema Wahlrecht. Da haben wir als KjG ja die Forderung Wahlalter ab 0, das heißt also Wahlrecht ab der Entscheidung, dass ich mich dazu reif fühle. Das ist ein Thema, das auch immer wieder in der gesellschaftlichen Diskussion aufkommt. Gerade vor zwei Jahren im Zuge der Fridays for Future Demonstrationen wurde es groß diskutiert, als allen deutlich wurde, dass Kinder und Jugendliche durchaus eine politische Meinung haben. Dass weiterhin Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren aufgrund ihres Alters z.B. systematisch von Wahlen ausgeschlossen sind oder auch in anderen Bereichen einfach nicht entsprechend berücksichtigt werden, hat man jetzt auch während der Corona Pandemie gemerkt. Das ist etwas, was ich gerne ändern möchte und in diesem Bereich eine politische Stimme für Kinder und Jugendlichen sein möchte.

Die andere Sache ist die Digitalisierung.
Simon: Genau, darüber haben wir ja auch schon gesprochen. Das ist natürlich einerseits ein gesamtgesellschaftliches Thema in Deutschland und der ganzen Welt. Es sind auch neue gesellschaftliche Fragestellungen, die dadurch aufgeworfen werden, auch netzpolitische Fragestellungen. Aber Digitalisierung ist nicht nur gesellschaftlich zu betrachten, sondern auch für uns als KjG und als Verband ein Thema. Ich glaube, da sind wir aktuell schon auf einem sehr guten Weg und da auch durchaus vielleicht der Gesamtgesellschaft ein bisschen voraus. Aber wir müssen uns als Verband auch stetig weiterentwickeln und die Möglichkeiten nutzen, die sich dadurch bieten.

Als KjG müssen wir aus der Zukunft denken, auch was unsere Mitglieder angeht. Was bedeutet das für dich? Aus der Zukunft denken?
Simon: Wir kriegen das ja in der KjG vielerorts mit. Wir haben hier eine Veranstaltung, wir haben eine Gruppenstunde und wir erreichen bestimmte Personen und das passt ja. Aber ich glaube, es gibt auch viele Menschen, die sich durch das Format oder durch die Art und Weise, wie die Veranstaltungen gestaltet werden, nicht angesprochen werden. Ich denke, da müssen wir unseren Blick weiten und schauen, wie wir auch Personen ansprechen können, die jetzt nicht zu der standardmäßigen Klientel der KjG gehören. Wir sollten uns als KjG öffnen und ein Ort sein für alle Kinder oder Jugendliche, egal woher sie kommen, egal welchen Geschlechts, mit und ohne Förderbedarf.

(2021 / Das Interview führte die Referentin für Öffentlichkeitsarbeit Babette Braun)
*Anmerkung: Das Interview wurde im Juli vor der Flutkatastrophe 2021 geführt