Dass die Verhandlungen um die Aufnahme der Kinderrechte ins Grundgesetz erneut gescheitert sind enttäuscht uns. Es ist ein herber Schlag ins Gesicht aller Kinder und Jugendlichen. Als KjG machen wir uns seit Jahrzehnten für eine Aufnahme der Kinderrechte ins Grundgesetz, dass wir 2021 schon wieder eine verpasste Chance zu beklagen haben ist skandalös für uns und nicht hinnehmbar.
Dass noch immer keine Einigung über einen Gesetzesentwurf herbeigeführt wird, macht einmal mehr deutlich, dass Kinder und Jugendliche keine politische Lobby haben. Die Pandemie hat deutlich gezeigt, dass Kinder und Jugendliche über ihr Dasein als Schüler*innen und zu betreuende Kinder hinaus, keine Rolle spielen. Wir fordern, dass Kinder und Jugendliche endlich als eigenständige, handlungsfähige Subjekte und relevante Mitglieder unserer Gesellschaft anerkannt werden. Diese Anerkennung kann Kindern und Jugendlichen nur zu Teil werden, wenn Kinderrechte ins Grundgesetz aufgenommen werden. Uns geht auch weiterhin die Puste nicht aus, für eine vernünftige Gesetzeslösung im Sinne von Kindern und Jugendlichen zu kämpfen. Wir fordern alle Parteien im Wahlkampf und in nachfolgenden Koalitionsverhandlungen auf, zu ihrer Zusage zu stehen und Kinderrechte ins Grundgesetz aufzunehmen. Dazu gilt es, auf Fachverbände und Expert*innen zu hören, um eine sinnvolle und nachhaltige Möglichkeit zu schaffen.

26.04.1986 – der Reaktorunfall von Tschernobyl brachtet Verwüstung und Verseuchung. Die Ausmaße dauern bis heute an. Wir fordern als KjG: Schluss mit Atomkraft! Wir wollen Klimaschutz durch eine regenerative Energieversorgung ganz ohne Atomenergie!

Die KjG setzt sich seit den 1980ern für eine energetische Wende ein. Atomkraftwerke bringen den Tod – auch heute! Die Energiewende muss – wie bereits 2010 beschlossen – jetzt drastisch umgesetzt werden. Wir, die KjG, fordern die Bundesregierung auf, die Abkehr von der Atomenergie endlich konsequent zu vollziehen. Es geht um die Bewahrung unserer Welt, deren Teil wir als Bewohner*innen Europas sind. Umweltschutz durch Atomstrom ist ein modernes Märchen! Atomstromgewinnung ist weder sicher noch CO2-neutral und fordert durch anfallenden verstrahlten Müll ebenfalls einen hohen Tribut. Endlagerung ist keine Lösung. Über Generationen hinweg wird strahlender Atommüll eine Bedrohung für die Menschheit bleiben.

Der Weg zur Klimaneutralität führt nicht über Atomreaktoren. Wir als Jugendverband lehnen es ab, der Jugend von morgen, weiterhin strahlenden Atommüll aufzubinden. Unsere Umwelt und auch wir, die Bevölkerung, müssen aktiv geschützt werden; jetzt wie auch in der Zukunft. Die KjG fordert daher ein konsequentes „Nein!“ zur Atomenergie. Wir verlangen die konsequente Förderung erneuerbarer Energien für eine zukunftsweisende Klimapolitik in der EU. Die EU darf Risikoreaktoren wie Tihange und Doel nicht stillschweigend dulden, sie muss auf deren sofortige Abschaltung hinwirken. Wir verurteilen aktuelle Tendenzen, die in europäischen Ländern und Mitgliedsstaaten Atomkraft wieder erstarken lassen. Uns ist bewusst: Atomare Strahlung stoppt nicht vor Landesgrenzen. Ein effektiver Gesundheitsschutz braucht die weltweite Abkehr von Atomstrom. Auch zum gemeinsamen Erreichen der Klimaziele muss international die Energiegewinnung neu gedacht werden – ohne Atomstrom.

Eine Katastrophe wie sie sich vor 35 Jahren in Tschernobyl und vor 10 Jahren in Fukushima ereignet hat, darf sich niemals wiederholen. Deshalb fordern wir: Nachhaltigen Klimaschutz ganz ohne Atomenergie!

Siehe dazu auch:

Stellungnahme der KjG-Bundesleitung zu Konsequenzen aus dem Kölner Missbrauchsgutachten

Kardinal Woelki hat eigene Versäumnisse eingeräumt und gemeinsam mit dem Generalvikar nächste Bearbeitungsschritte angekündigt. Getan hat er das in einer Pressekonferenz am 23.03., fünf Tage nach Veröffentlichungen des Missbrauchsgutachten der Strafrechtler*innen Kerstin Stirner und Björn Gercke. Weitere Bistümer wie Aachen und Berlin haben bereits Gutachten veröffentlicht, andere Bistümer wie München, Münster und Essen haben Gutachten in Auftrag gegeben, andere Bistümer wiederum stehen noch an der Stelle, Präventionsleitlinien flächendeckend zu erarbeiten.

Als KjG-Bundesleitung lässt uns die Bekanntmachung vom 23.03.2021 in Köln unzufrieden zurück. Natürlich ist die Vorstellung des Gutachtens und auch die Ankündigung weiterer Schritte ein Anfang in Bezug auf die Aufarbeitung von Fällen sexualisierter Gewalt. Allerdings bleiben die großen Kritikpunkte bestehen, dass Betroffene nicht angemessen behandelt und einbezogen werden und dass Aufarbeitung nicht durch die rein juristisch eingeschätzten Verfehlungen passieren kann.

Wir kritisieren als KjG diese Grundhaltung der Kirche: Einseitig fachspezifische Einordnungen, wie in diesem Falle die juristische, bringen immer nur Teilaspekte von systemischen Missbrauchsbedingungen zu Tage. Wie die Geschehnisse in Köln zeigen, blendet ein solches einseitiges Vorgehen für uns jeglichen Fokus auf systemische Ursachen für sexualisierte Gewalt sowie deren Vertuschung aus. Dabei darf Aufarbeitung und die Verantwortung von Amts- und Würdenträgern nicht stehen bleiben.

Wir erwarten insgesamt von Menschen in verantwortlichen (kirchlichen) Positionen, sich selbst einer moralischen und ethischen Gewissensprüfung zu unterziehen. Das Zugeben von Verfehlungen erst im Anschluss an veröffentlichte Gutachten, ist für uns unerträglich und zeugt nicht von einem ernsthaften lückenlosen Aufarbeitungswillen. Gerade als Verantwortliche in Kirche, in der Moralvorstellungen einen hohen Wert haben, muss auch das eigene Handeln daran gemessen werden.

Die vom Erzbistum Köln und in weiteren Bistümern angekündigten Maßnahmen sind zwar wünschenswert, aber auch spätestens seit 2010 längst überfällig. Wir erkennen den insgesamten Willen zur Aufarbeitung an. Wir erwarten, dass diesen Worten nun endlich zügig Taten folgen. Insbesondere der angekündigte Bruch mit bestehendem Kirchenrecht gerade in Bezug auf Aktenvernichtung stellt eine Selbstverständlichkeit dar, die die Kirche in Deutschland und weltweit angehen muss. 

Wir stellen fest:Nur eine gemeinsame Bearbeitung systemischer Missstände kann überzeugende Lösungen liefern. Wenn sich einzelne Bistümer auf den Weg machen, sind das wirklich begrüßenswerte Anfänge.

Wir betonen: Erst wenn eine breite innerkirchliche Anerkennung der systemischen Bedingtheit sexualisierter Gewalt in der katholischen Kirche konsequent vorkommt, können systemische Missstände konsequent aufgearbeitet und vermieden werden. Diese Anerkennung fehlt uns in Hinblick auf das Handeln von Geweihten in der Kirche. Zudem müssen alle in der MHG-Studie identifizierten Missstände intensiv bearbeitet und behoben werden. Die Themen, die im synodalen Weg verortet wurden, dürfen nicht nur wohlwollend diskutiert werden. Wir brauchen spürbare Veränderungen. Diese werden das Kirchenrecht, die katholische Lehre, die Sexualmoral der Kirche, das Verständnis von Leitung und Personalführung und das insgesamte Miteinander von Gläubigen und Verantwortungsträger*innen betreffen müssen.

Wir verlangen, dass die Erkenntnisse des synodalen Wegs durch die deutschen Bischöfe in die Weltkirche getragen und vehement diskutiert werden. Missbrauch und missbräuchliche Strukturen stellen kein „deutsches Phänomen“ der katholischen Kirche dar. Um sichere Räume für Kinder und Jugendliche zu schaffen, braucht es weltweit Veränderungen.

Stellungnahme der KjG-Bundesleitung zur verweigerten Segnung homosexueller Paare:

Die Glaubenskongregation des Vatikans hat sich erneut geäußert und der Segnung homosexueller Paare eine Absage erteilt. Dabei bezieht sich die Glaubenskongregation auf Argumente wie Gott könne Sünde nicht segnen, es könne keinen Segen geben für Verbindungen, die ein außereheliches Sexualleben mit sich brächten und es dürfe auf keinen Fall das Risiko entstehen, dass die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare mit dem Sakrament der Ehe verwechselt würde.

Als KjG-Bundesleitung kritisieren wir die Äußerungen der Glaubenskongregation und weisen sie entschieden zurück. Da die sexuelle Orientierung eine von Einzelpersonen tief empfundene und unveränderbare Lebens- und Schöpfungswirklichkeit [1] ist, können die aus ihr resultierenden Wünsche bspw. nach Segnung der Beziehung nicht allein über Moralfragen, das Rezipieren von Lehrmeinung ohne erneuten theologischen Diskurs oder das grundlose Absprechen ihres Wertes geklärt werden.

Wir verurteilen, dass die Glaubenskongregation (und damit der Vatikan) noch immer nicht verstanden haben, dass gleichgeschlechtliche Beziehungen genauso tragende, verantwortungsvolle und bewusst eingegangene Beziehungen sind wie die zwischen Mann und Frau.

Wir widersprechen dem Argument, gleichgeschlechtliche Beziehungen seien Sünde, vehement. Die aufrichtige, gleichberechtigte Liebe zweier Menschen zueinander kann für uns keine Sünde sein – egal ob in gleich- oder gemischtgeschlechtlichen Beziehungen. Wir sind der festen Überzeugung, dass Gottes geschenkte Liebe weiterzugeben nicht sündhaft sein kann.

Die Glaubenskongregation betont, eine Ungleichbehandlung gleichgeschlechtlicher Paare würde keinesfalls die Diskriminierung homosexueller Menschen bedeuten. Wir meinen: Das tut sie sehr wohl! In der Absage von Segnungen für homosexuelle Paare zeigt sich, dass die Institution Kirche nicht willens ist, sich mit ihrer eigenen Jahrhunderte alten Tradition von Diskriminierung, Homophobie und Ausgrenzung von Homosexualität auseinanderzusetzen. Eine solche Haltung ist vor dem Hintergrund des ursprünglichen kulturellen Kontextes, der naturwissenschaftlichen Forschung sowie den daraus resultierenden heutigen theologischen Argumentationen nicht haltbar.

Wir kritisieren eine Ungleichbehandlung gleichgeschlechtlicher Paare unter Bezugnahme auf naturrechtliche Argumentationen. Für die mit dem Naturrecht verbundenen Schwierigkeiten innerhalb der Ehe, bedient sich Kirche flexiblerer Deutungsmöglichkeiten als es im Kontext gleichgeschlechtlicher Paare auch nur ansatzweise denkbar erscheint. Diese Ungleichbehandlung stellt für uns eine bewusste Diskriminierung dar.

Wir wissen um die Heiligkeit der Ehe und wir unterstützen, dass die Ehe eine sinnhafte Institution darstellt. Wir widersprechen der Auffassung, dass andere Beziehungsformen grundsätzlich weniger wertvoll sind. Solchen bewusst und gleichberechtigt eingegangenen Beziehungen einen gewünschten Segen zu verweigern, ist für uns nicht nachvollziehbar. Die aktuelle Segenspraxis der katholischen Kirche liefert für uns keine Argumentation für den Ausschluss gleichgeschlechtlicher Paare. Mündigen Christ*innen die Fähigkeit abzusprechen, eine Unterscheidung der Segnung von der Ehe nicht leisten zu können, halten wir für absolut ungerechtfertigt.

Die Veröffentlichung stellt homosexuelle Menschen ausschließlich als hilfebedürftige Menschen dar, denen Orientierung und Unterstützung in der Kirche anzubieten sei. Unserer Überzeugung nach, sind alle Menschen mit der gleichen Würde ausgestattet und dementsprechend als gleichberechtigte Mitglieder der Kirche anzuerkennen. Dies umschließt auch eine individuelle Segnung, denn dieser Schutz Gottes gilt grundsätzlich für alle Menschen, die um ihn bitten.

Aus unserem tiefen Glauben heraus, dürfen wir auf den Zuspruch vertrauen, dass alle Menschen mit gleicher Würde und gleichen Rechten ausgestattet sind. Diesen Zuspruch müssen in der Kirche alle Menschen gleichermaßen erfahren.

Uns erschließt sich nicht, dass die Konfrontation mit homosexuellen Paaren, die sich den Segen Gottes für ihre innige Beziehung zueinander wünschen, offensichtlich Ängste schürt. Wir plädieren dafür, auch in gleichgeschlechtlichen Beziehungen die Liebe zueinander und die Liebe Gottes zu erkennen.

Wir fordern die Bischöfe, die Mitglieder des synodalen Forums „Leben in gelingenden Beziehungen – Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft“ und die Mitglieder des Synodalen Weges dazu auf, entschieden gegen eine rein naturrechtliche Bewertung von Liebesbeziehungen zwischen Menschen einzustehen und sich zu aktuellen wissenschaftlichen wie theologischen Erkenntnissen zu bekennen und mit aller Kraft in der Weltkirche zu diskutieren. Wir fordern die gleichberechtigte Anerkennung gleichgeschlechtlicher Beziehungen und die Anpassung der Sexualmoral.

Wir treten für eine Kirche ein, in der Diskriminierung beseitigt und Akzeptanz gelebt wird.[2]

[1] Vgl. Stellungnahme zum Umgang mit vielfältigen Lebensentwürfen und Familienmodellen durch die katholische Kirche (2017): https://kjg.de/wp-content/uploads/2021/02/03_Stellungnahme_zum_Umgang_mit_vielfaeltigen_Lebensentwuerfen.pdf

[2] Vgl. Beschluss Sexuelle Vielfalt in der KjG (2014): https://kjg.de/wp-content/uploads/2021/02/2014-10-24-beschluss-vielfalt.pdf

Synodaler Weg, Missbrauchsaufklärung und der Umgang mit der Bewegung Maria 2.0. Im Erzbistum Köln hagelt es Kirchenaustritte. Beunruhigende Zeiten in der katholischen Kirche. In den Medien ist all das Thema, besonders jetzt im Umfeld der Frühjahrstagung der Deutschen Bischofskonferenz „Kirche nein danke – ich trete aus?!“ – diskutierte SWR3 in seiner Morning Show. Warum KjGler*innen bleiben und wofür die KjG kämpft, hat Julia Niedermayer aus der der Bundesleitung klargestellt. Bei SWR3 findet man das unter den Highlighst. Hier der Link dorthin. Hören kann man Julia Niedermayer direkt am Anfang von „Das Beste aus der SWR3-Morningshow vom 23.02.2021“. Außerdem gibt es unter dem Link Hörer*innen Reaktionen, eine KjGlerin ist auch dabei.

Damit Politiker*innen zuhören und Kinder eine Stimme haben!
Fast 30 Jahre nach Anerkennung der UN-Kinderrechtskonvention und jahrelangen Diskussionen haben sich die Regierungsparteien auf einen Kompromiss geeinigt. Die Kinderrechte sollen in Artikel 6 des Grundgesetzes aufgenommen werden.

Nach Medieninformationen lautet der konkrete Vorschlag: „Die verfassungsmäßigen Rechte der Kinder einschließlich ihres Rechts auf Entwicklung zu eigenverantwortlichen Persönlichkeiten sind zu achten und zu schützen. Das Wohl des Kindes ist angemessen zu berücksichtigen. Der verfassungsrechtliche Anspruch von Kindern auf rechtliches Gehör ist zu wahren. Die Erstverantwortung der Eltern bleibt unberührt.“

Mit diesem Vorschlag sind wir als Katholische junge Gemeinde nicht zufrieden! „Der aktuelle Entwurf bleibt mit der Formulierung ‚angemessen zu berücksichtigen‘ leider deutlich hinter den Forderungen der UN-Kinderrechtskonvention zurück!“, erklärt Marc Eickelkamp, Bundesleiter der KjG. Die UN sieht in Artikel 3 der Kinderrechtskonvention eine vorrangige Berücksichtigung des Kindeswohls in allen das Kind betreffenden Belangen vor, sodass Entscheidungen entsprechend abgewogen und begründet werden müssen.

Alle Entscheidungen, die heute in der Politik getroffen werden, wirken in unsere Zukunft und betreffen Kinder und Jugendliche mindestens ebenso wie Erwachsene. Dies wird besonders mit Blick auf Kinderarmut, Bildungspolitik und Klimawandel deutlich. Eine entsprechende Beteiligung von Kindern und Jugendlichen ist derzeit leider nicht vorgesehen, für eine zukunftsfähige Gesellschaft jedoch zwingend notwendig.

„Es braucht eine echte und verbindliche Beteiligung von Kindern und Jugendlichen!“, fordert Julia Niedermayer, Bundesleiterin der KjG. „Dazu gehört nicht nur das rechtliche Gehör, sondern auch eine einfache, kindgerechte Ansprache und Beteiligung in allen Bereichen unserer Gesellschaft!“.

Als Kinder- und Jugendverband setzen wir uns für die Rechte, Themen und Anliegen von Kindern und Jugendlichen ein. Die KjG vertritt die Auffassung, dass Kinder- und Jugendliche stärker beteiligt werden sollten und macht sich für ein Wahlrecht ohne Altersgrenze stark.

 13.01.2021

KjG Pressemitteilung #01.2021



Lückenlose, einheitliche Aufarbeitung von Fällen sexualisierter Gewalt!

KjG fordert die DBK auf: Versprechen einhalten für ein vertrauensvolles gemeinsames Wirken an einer zukunftsfähigen Kirche!

Spätestens seit 2010 erleben wir in unserer Kirche eine große Ungleichzeitigkeit im Umgang mit Fällen sexualisierter Gewalt, die durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige verübt wurden. Gerade die letzten Wochen und Monate bestätigen, dass die katholische Kirche und in ihr vor allen Dingen Bistumsverantwortliche sehr ungleichzeitig dazu gelernt haben. Die Reaktion der Bistümer Aachen und Köln auf eigens in Auftrag gegebene Gutachten zu sexuellem Missbrauch Minderjähriger und erwachsener Schutzbefohlener durch Kleriker im Bereich des jeweiligen Bistums könnte unterschiedlicher nicht sein. Es macht uns wütend und beschämt uns, dass die gemeinsam vereinbarten Leitlinien nicht gleichermaßen eingehalten werden. Ein transparenter Umgang mit Fällen sexualisierter Gewalt ist längst nicht mehr verhandelbar!

Vertrauen erneut zerstört!

Im Rahmen der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz 2019 hat sich die KjG als Kinder- und Jugendverband sichtbar gezeigt. Wir haben uns angeboten Brücken zu bauen und erneut auf die Notwendigkeit hingewiesen, dass sich gerade in Hinblick auf den Umgang mit sexualisierter Gewalt immer noch viel ändern muss. Als KjG-Bundesleitung erwarten wir Bistumsleitungen, die die Ergebnisse der MHG-Studie ernst nehmen, sich zu den gemeinsam vereinbarten Leitlinien bekennen und diese auch umsetzen. Wir sind entsetzt, dass die wichtigen Schritte und Vereinbarungen vereinzelt mit Füßen getreten werden. Wir bedauern es sehr, dass hier wenig bis keine Reaktion aus den Reihen der Bischofskonferenz auf das unsägliche Verfahren im Erzbistum Köln mit dem in Auftrag gegebenen Gutachten der Kanzlei Westphal, Spilker, Wastel (WSW) passiert ist. Wir verurteilen insbesondere die Instrumentalisierung der Mitglieder des Betroffenenrates Köln durch das Ausschließen aus den Entwicklungsprozessen um die Veröffentlichung des Gutachtens aufs Schärfste. Es macht uns fassungslos, dass sich die beiden offiziellen Sprecher des Betroffenenrates zum Rücktritt gezwungen fühlten. Sie quittieren ihr Engagement in einem Bereich, der so unglaublich wichtig für eine zukunftsfähige Kirche ist. Wir können uns nicht einmal annähernd vorstellen, wie viel Kraftanstrengung vermutlich für ein solches Zugehen auf die Kirche nötig war. Durch dieses Verhalten der Bistumsleitung im Erzbistum Köln werden Betroffene erneut schwer und schmerzlich verletzt. Das Vertrauen in redliche Bemühungen um die Aufklärung von sexualisierter Gewalt ist hier massiv zerstört worden.

Um Vertrauen werben!

Gleichzeit ermutigt und bestärkt uns das Bild, dass die Bistumsleitung in Aachen im Umgang mit dem ihrerseits in Auftrag gegebenen Gutachten zeichnet. Wir unterstützen den schonungslosen Aufklärungsprozess im eigenen kirchlichen Verwaltungsbereich. Es ist längst an der Zeit, dass in allen Bistümern offene und transparente Aufarbeitungsprozesse umgesetzt werden. Wir fordern alle Bischöfe dazu auf, sich zu den gemeinsam vereinbarten Leitlinien zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt zu bekennen und Taten folgen zu lassen. Ein transparenter Umgang mit dem Gutachten und den darin beschriebenen systemischen Verfehlungen wie ihn die Bistumsleitung Aachen zeigt, erleben wir als authentisch wahrgenommene Auseinandersetzung. Diese hat die Kraft, Hände zu reichen und Vertrauen zu stiften. Nur mit einer schonungslosen Aufarbeitung kann Kirche sich glaubhaft machen, ernsthaft bei den Menschen sein zu wollen.

Versprechen einhalten!

Es ist uns auch weiterhin ein großes Anliegen, dass Studien- und Gutachten-Erkenntnisse umfassend zur Verfügung gestellt werden. Wir fordern die Annahme der Erkenntnisse und die Bearbeitung der empfohlenen Schritte, um systemische Defizite zu eliminieren und Kirche zu einem sicheren Raum für alle Menschen – insbesondere Kinder, Jugendliche und erwachsene Schutzbefohlene – zu machen.

Wir verurteilen machterhaltendes Handeln, wie jüngst im Erzbistum Köln, welches den Anschein erweckt, Erkenntnisse vertuschen zu wollen und Menschen massiv unter Druck zu setzen. Wir fordern die Bistumsleitung auf, entsprechende Konsequenzen zu ziehen. Wir fordern, die Perspektive der Betroffenen in den Vordergrund zu stellen. Sie müssen ernsthaft beteiligt werden. Dazu ist in erster Linie das ursprünglich in Auftrag gegebene Gutachten zu veröffentlichen.

Wir erwarten klare Bekenntnisse der DBK, die an die gemeinsamen Verabredungen erinnern und Zeichen setzen, dass sich die katholische Kirche in Deutschland überall um ernsthafte Aufarbeitung sexualisierter Gewalt kümmert. Dazu gehört eine lückenlose Aufklärung von Fällen sexualisierter Gewalt. Darüber hinaus sehen wir die deutschen Bischöfe in der Pflicht, auch im weltkirchlichen Bezug auf eine überzeugende Lösung der systemischen Missstände unnachgiebig hinzuwirken.

Wir bauen auf den Synodalen Weg und fordern alle Synodenteilnehmer*innen erneut inständig dazu auf, sich mit den identifizierten Fragestellungen auseinanderzusetzen und mutig um Lösungen zu ringen. Wir bestärken die Teilnehmer*innen darin, wider aller Machterhaltungsdiskurse um eine Kirche zu ringen, die Vertrauen in sich selbst wieder herstellen kann.

16.011.2020

Pressemitteilung #07-2020