Die Bundestagswahl steht kurz bevor und die Möglichkeiten, sich mit den Wahlprogrammen der Parteien auseinanderzusetzen stehen vielfältig zur Verfügung. Am 26. September entscheiden Wahlberechtigte, ob die AfD mit ihren rechtsextremen Äußerungen und ihrer rechtspopulistischen Art erneut in den Bundestag einzieht.

Als Katholische junge Gemeinde stehen wir für Werte und Grundlagen, die bestimmte Wahlentscheidungen ausschließen. Allen voran schließen unser Selbstverständnis, unser christliches Menschenbild und unsere Grundlagen und Ziele aus, Parteien mit rechtsradikalen oder rechtspopulistischen Tendenzen zu wählen.

Insbesondere die rechtspopulistische Art der AfD, Politik zu machen, ist für uns als KjG unvereinbar mit unseren Werten. Sie steht für eine Haltung und Weltanschauung, die wir als KjGler*innen ablehnen und der wir uns entschieden entgegenstellen. Als katholischer Kinder- und Jugendverband setzen wir uns für eine vielfältige Gesellschaft ein. Wir stehen für einen Umgang mit Menschen ein, der ihre Würde und Rechte wahrt; unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Religion oder sozialer Stellung. Jede Form der Diskriminierung widerspricht allem, wofür wir als KjG stehen. Aus unserem Selbstverständnis heraus ist eine passive Haltung der AfD gegenüber nicht tragbar. Wir verstehen den Einsatz für eine vielfältige Gesellschaft als unsere katholische und demokratische Pflicht.

Wir machen daher deutlich: Für uns als KjGler*innen ist die AfD keine wählbare Alternative! Die Strategie, Menschenrechte zu missachten und bestimmte Menschengruppen herabzuwürdigen, verurteilen wir. Insbesondere für junge Menschen trägt dies dazu bei, dass sie weder als Individuen noch als Entscheidungsträger*innen ernst genommen werden.

Als KjG rufen wir dazu auf, die AfD bei der Bundestagswahl am 26.09. nicht zu wählen, um

  • einer menschenverachtenden Haltung keine politische Relevanz beizumessen.
  • populistischer und rechtsextremer Hetze eine klare Absage zu erteilen.
  • antisemitische und den Holocaust verharmlosende Äußerungen nicht gesellschaftsfähig erscheinen zu lassen.
  • patriarchale Strukturen aufzubrechen, Frauenhass zu begegnen sowie vielfältige Geschlechter und Lebensentwürfe zu stärken.
  • junge Menschen ernst zu nehmen und sie als wertorientierte, verantwortungsbewusste und tolerante Individuen zu stärken.
  • der Vereinnahmung von Jugendverbänden entgegenzuwirken.
  • die Finanzierung rechtsgesinnter „Bildungsarbeit“ zu unterbinden.
  • Solidargemeinschaften weiterhin zu pflegen und somit die EU & die internationale Zusammenarbeit zu stärken.
  • eine vielfältige Gesellschaft zu gestalten.

Für uns als KjG ist klar: Wir wählen! Jedoch nicht die AfD. Wir rufen alle wahlberechtigten Personen dazu auf, nicht die AfD zu wählen, sondern ihre Wahlentscheidung im Sinne von Kindern und Jugendlichen und einer toleranten und vielfältigen Gesellschaft zu treffen.

Seit 1999 ist der 12. August der internationale Tag der Jugend. Eingerichtet hat ihn die UN. Dieser Tag soll daran erinnern, dass bei der Gestaltung unserer Demokratien die Jugend auch fair und angemessen beteiligt sein muss. Davon sind wir noch weit entfernt. 2018 waren zum Beispiel in demokratischen nationalen Parlamenten nur 2%der Abgeordneten unter 30. Kinderrechte im Grundgesetz? Fehlanzeige! Die KjG nimmt den Tag der Jugend daher als Auftakt einer Kampagne.

Mehr zur Kampagne und deren Hintergrund erfahrt ihr im Interview mit Yu aus der Bundesleitung.

Heute ist der Tag der Jugend. Ein Auftakt bei uns auf der KjG Bundeseben. Inwiefern?
Yu: Insofern Auftakt, als, dass wir den Tag der Jugend als Startschuss für eine Kampagne nutzen, um auf jugendrelevante Themen im Bezug auf die Bundestagswahl aufmerksam zu machen. Es gibt seit 1996 die U18 Wahl, die auch in diesem Jahr vor der Bundestagswahl wieder stattfindet. Ziel ist es, dass mit der U18 Wahl auch Kinder und Jugendliche eine Stimme abgeben dürfen, obwohl sie in unserem politischen System kein Wahlrecht innehaben und somit ihre Stimme nicht offiziell abgeben können. Wir als KjG wollen auf die U18 Wahl aufmerksam machen, weil die zumindest ein gutes Format ist, um Kindern und Jugendlichen als relevanten Akteurinnen der Gesellschaft eine Stimme zu verleihen.

Dieses Jahr ist das nochmal eine besondere Sache, weil Anfang des Jahres wieder die Kinderrechte nicht ins Grundgesetz aufgenommen wurden. Ist die U18 Wahl also eine Chance, das nochmal nach vorne zu bringen?
Yu: Ja, ich sehe das total als Chance und ich fände es fatal, dieses Signal nicht mit der U18 Wahl zu setzen. Die Kinderrechte sind schon wieder nicht verbindlich ins Grundgesetz aufgenommen worden. Wir müssen diesen Kampf also weiter führen und eine Stimme für Kinder und Jugendliche erheben. Das machen wir natürlich gerne. Aber viel besser ist es eben, Kindern und Jugendlichen selbst eine Plattform für ihre eigene Stimme zu geben. Das passiert im Zuge der U18 Wahl. Mit unserer Kampagne dazu verdeutlichen wir die KjG-Positionen im Zusammenhang mit den Wahlprogrammen der Bundesparteien.

Wie genau geschieht das?
Yu: Der Deutsche Bundesjugendring hat zu jugendrelevanten Themen verschiedene Fragestellungen an Politiker*innen herausgegeben. Diese Fragen nehmen wir uns nochmal vor und machen darauf aufmerksam, was die KjG da eigentlich dazu zu sagen hat. Das stellen wir dem Verband und der Öffentlichkeit ganz konkret mit unserer Kampagne zur Verfügung. Da könnte man fragen: Warum ist das so besonders? Warum zeigt es auch nochmal, dass Kinderrechte unbedingt ins Grundgesetz gehören? Die Antwort ist: Weil all unsere Beschlusslage auf Grundlage der Interessen von Kindern und Jugendlichen gefasst worden sind und die da teilweise auch selbst mitgestaltet haben. Sie hatten auch die Chance, unsere Beschlüsse kennenzulernen, weil wir die auch in kindgerechter, verständlicherer Sprache zur Verfügung stellen.

Auf welcher Plattform wird die Kampagne auf der Bundesebene stattfinden?
Yu: Wir werden verschiedene Postings über die Social-Media-Kanäle setzen. Pro Woche ab dem 12. August bis zur Bundestagswahl wöchentlich zwischen 2 und 3 Postings. Die werden eben diese Fragen vom Deutschen Bundesjugendring aufgreifen und unsere Positionierung dazu klarmachen. Wir wünschen uns, dass möglichst viele KjG Untergliederungen diese Kampagnen-Postings aufgreifen und so ein deutliches Signal dafür setzen, dass Kinder und Jugendliche ernst zu nehmen sind und wir als Kinder- und Jugendverband einiges zu sagen haben im Sinne von Kindern und Jugendlichen. Die Aussage: Wir sind alle relevant für politische Entscheidungen.

Wann hättest du das Gefühl: Wir haben das Ziel erreicht?
Yu: Auf der einen Seite wäre ich total glücklich, bei vielen Diözesaneverbänden oder anderen KjG-Ebenen zu sehen, dass die unsere Postings teilen und eigene beitragen. Es geht ja nicht um die Postings, sondern darum, dass die Positionen, Inhalte und die Statements, die damit einhergehen nochmal eine breite Rückendeckung erfahren und eben in die Öffentlichkeit getragen werden. Außerdem würde ich mich total freuen, wenn der Spirit auch bei den Kindern und Jugendlichen selbst ankommt und die motiviert auch tatsächlich an der U 18 teilzunehmen. Naja, und vielen kritischen Erwachsenen zu zeigen, dass das totaler Quatsch ist, was Kindern in Bezug auf Wahlentscheidung unterstellt wird. Häufig ist von dem Erwachsenen zu hören: „Warum sollten denn Kinder wählen dürfen? Die wählen viel extremer als Erwachsene.“ Die Letzten drei oder vier Kampagnen der U18 Wahl haben gezeigt, dass das einfach nicht den Tatsachen entspricht.

Was würdest du den skeptischen Erwachsenen denn entgegenhalten? Warum sollten Kinder das Wahlrecht erhalten?
Yu: Kinder und Jugendliche sind Teil unserer jetzigen Gesellschaft und auch unsere Zukunft. Die haben aber einfach keine Möglichkeit irgendwie mal aufzuzeigen, was sie von der Politik brauchen. Umweltschutz wird für die Zukunft ein wahnsinns großes Thema. Das treibt natürlich auch viele Kinder und Jugendliche in unserem Verband um, dass da zu wenig getan wird. Die etablierten Parteien tun sich jetzt auch nicht wahnsinnig hervor, zu zeigen, dass ihnen die junge Generation ein großes Anliegen ist. Dementsprechend erhoffe ich mir von den Ergebnissen der U18 Wahl, dass die das nochmal deutlich machen und das – ein bisschen utopisch – ein paar erwachsene Menschen, die ihr Wahlrecht wahrnehmen dürfen, das berücksichtigen.

Welche Rolle hat dabei die KjG als Verband?
Yu: Der Groschen muss bei den Erwachsenen der Gesllschaft einfach fallen, dass wir für Kinder und Jugendliche zumindest aktuell Politik mit wählen müssen. Die KjG rüttelt am gesellschaftlichen Bewusstsein, damit das passiert. Mit uns als Verband können wir die Stimmen der Kinder und Jugendlichen bündeln – sichtbar machen, eben auch über unsere Kampagne zur U18 Wahl.

(12.08.2021 das Interview führte Babette Braun Öffentlichkeitsreferentin der KjG)

Simon Schwarzmüller

Simon Schwarzmüller ist vierundzwanzig Jahre alt und der neue Bundesleiter der KjG. Der Weg, der ihn hierhergeführt hat, begann in der Pfalz, in einem kleinen Ort. Hauenstein. Es ist ein Dorf mit rund 4000 Einwohner*innen. Bekannt ist es für seine Schuhe. In Hauenstein steht das Deutsche Schuhmuseum …

…und es gibt eine KjG Pfarrei-Gruppe …
Simon: Genau. Ich bin als Kind schon damals in die KjG gekommen. Eine Großaktion von damals war der Ferienspaß. Gibt’s immer noch. Eine Woche in den Sommerferien: Spiel, Spaß, Spannung, Action mit anderen Kindern im gleichen Alter. Da habe ich erst als Teilnehmer mitgemacht und bin dann später auch als Leiter dazugekommen. 2014 wurde ich Pfarrleitung in Hauenstein und habe das Ganze dann hauptverantwortlich organisiert – bis ich 2017 zur Diözesanleitung gewählt wurde.

Als du als Kind in der KjG warst, was waren denn da so die Nöte und die Interessen von dir und deinen KjG-Kumpel*innen?
Simon: Als Kind ging es vor allem erstmal darum, einen Ort zu finden, an dem ich mit meinen verschiedenen Freund*innen zusammenkommen und dort zusammen gemeinschaftliche Aktionen erleben konnte. Das war in der Gruppenstunde und auch in den Ferienfreizeiten der Fall. Natürlich stand da der Spaß im Vordergrund. Aber die KjG war auch ein Ort, wo es für uns Kinder Raum gab, uns einfach mal auszuprobieren.

Es ist auch ein Raum gewesen, um eine Art von Religion oder Bezogenheit zu Gott auszuleben. Bist du über deine erste heilige Kommunion zur KjG gekommen?
Simon: Ich war vorher schon in der KjG. Ein Freund hat mich in die Gruppenstunde mitgenommen. Durch die Kommunion bin ich dann aber auch noch zu den Messdienern gekommen und die Messdiener und die KjG sind bei uns eng verknüpft.

Ihr wart rein analog unterwegs. Digitalisierung oder so hat, glaube ich, noch keine Rolle gespielt …
Simon: Das auf jeden Fall. Also, es war so: Wir haben uns einmal die Woche getroffen zur Gruppenstunde und natürlich gab es die Sommerfreizeiten. Da gab es noch kein WhatsApp oder E-Mail-Newsletter, das ging alles analog.

Merchandising habt ihr aber gemacht und du hast gesagt, ihr habt was mit Dubbegläsern gemacht. Ich persönlich komme aus dem Rheinland und Dubbe kenne ich gar nicht. Was sind denn Dubbe?
Simon: Wir haben ganz verschiedene Merchandising-Artikel gemacht und eins davon waren z.B. die KjG-Dubbegläser. Das ist ein Produkt aus der Pfalz oder vor allem in der Pfalz bekannt. Es ist eine Art Weinglas, worin kleine runde Einkerbungen sind, um es besser halten zu können. Das haben wir mit dem KjG-Seelenbohrer bedruckt.

Du bist, wie erwähnt, ein Pfälzer. Was bringst du denn aus der Pfalz heraus auf die Bundesebene mit? Was ist pfälzisch?
Simon: Ich würde sagen, im Vergleich mit NRW, wo auch die Bundesstelle in Düsseldorf ist, ist die Pfalz doch sehr ländlich geprägt, also viele kleinere Orte. Es gibt viele KjGs in eher ländlicheren Gebieten. Das ist eine andere Arbeit als in einer größeren Stadt oder auch in einem sehr städtischen Gebiet allgemein.

Was würdest du sagen: Gibt es spezielle Problematiken z.B. für die DV-Ebene? Oder gibt es eine spezielle Problematik für die Pfarrei-Ebene? Oder ist das von der Region abhängig?
Simon: Also ich glaube, gerade aktuell gibt’s schon ein Thema, was uns alle beschäftigt. Und das ist die Corona-Pandemie und wie Jugendarbeit in und nach der Pandemie gut funktionieren kann. Ich merke bei vielen Ortsgruppen, dass da die Fragestellung ist: „Wie kann es weitergehen bei uns, in den Gruppenstunden, in den Freizeiten?“ Ich erlebe jetzt gerade, dass sich viele die Mühe machen und Freizeiten planen, auch mit der eventuellen Unsicherheit, dass diese ausfallen. Sie sagen einfach: „Wir möchten gute Angebote für Kinder und Jugendliche leisten.“ Das motiviert mich! Einfach zu sehen, dass es da so viele Bestrebungen gibt. Ich erlebe, dass es auch ein größeres Thema ist, wie es mit den Schulungen weitergeht, eine Aufgabe, die oft von den Diözesanverbänden übernommen wird. In den letzten anderthalb Jahren waren größtenteils nur digitale Schulungen möglich und es wurde sehr viel innovativ überlegt und konzipiert, wie man diese im digitalen Raum umsetzen kann. Aber ich glaube, was auch hängengeblieben ist, ist, dass so einfach keine Schulung in Präsenz ersetzt werden kann.

Welches Anliegen hast du in Bezug auf Schulungsarbeit?
Simon: Ich würde gerne die Schulungsarbeit im Bundesverband noch ein bisschen stärker in den Blick nehmen. Schulungsarbeit ist ein sehr großes Thema in vielen Diözesanverbänden und ich denke, da kann es für die KjG gewinnbringend sein, wenn wir voneinander profitieren, uns gegenseitig austauschen: Wie läuft Bildungsarbeit in den unterschiedlichen Diözesanverbänden? Und gerade, wenn dann so eine Situation kommt wie jetzt diese Pandemie, kann man auch sehr schnell voneinander lernen. Ich denke, in diesem Bereich können wir uns weiterentwickeln und uns bundesweit vernetzen, weil die Schulungsarbeit ein sehr wichtiges Thema innerhalb der KjG ist, zum Schutz der Gruppenleiter*innen und der Kinder bzw. Jugendlichen.

Ich stelle mir deinen Weg durch die KjG gerade wie so ein umgekehrter Wasserfall vor: Pfarrei-DV-Bundesebene. Was hast du denn von der Pfarrei auf die nächste Ebene mitgenommen? Was bringst du jetzt aus der DV-Ebene mit?
Simon: Also einerseits, was mein Feuer für die KjG richtig entfacht hat, war einfach, diese Gemeinschaft zu erleben. Das hat begonnen in der Pfarreiebene, und das war auch etwas, was ich auf die KjG-Diözesanebene mitgebracht habe: Das Ziel, auch im Diözesanverband diese Rahmenbedingungen, Veranstaltungen und Angebote zu schaffen, wo junge Menschen Gemeinschaft erleben können. Von meiner Zeit als Diözesanleitung bringe ich die bundesweite Perspektive und Vernetzung mit. Die KjG ist ja ein Verband, der deutschlandweit aktiv ist. Es gibt Gruppen, die da sehr aktiv sind in dieser Verbandsstruktur und es gibt andere Gruppen, die sich eher auf ihre Arbeit vor Ort konzentrieren. So kommt es auch vor, dass wir als KjG-Diözesanebene oder Bundesebene nicht alle KjGler*innen, die vor Ort Mitglied sind, erreichen. Das hatte ich damals in meiner KjG-Zeit auch selbst erlebt, bevor ich Pfarrleitung wurde. Es war ein anstrengender Prozess, da die Kontakte zu knüpfen und wiederaufzubauen. Gleichzeitig habe ich auch gemerkt, dass das einen großen Vorteil mit sich bringt. Das war ein Erlebnis, das mich geprägt hat und das ich jetzt mitbringe. Auf Bundesebene bedeutet das, dass wir daran arbeiten müssen, dass auch diese innerverbandliche Vernetzung sehr gut funktioniert.

Die hat zum einen auch mal nicht nur innerverbandlich, sondern sogar auch mit dem BDKJ sehr gut funktioniert: mit der 72-Stunden-Aktion. Da warst du auch dabei. Das war analog – vor Ort. Die Pandemie hat uns ins Digitale gezwungen mit interessanten Nebeneffekten …
Simon: Wir im Diözesanverband Speyer haben zu Beginn der Pandemie relativ schnell unser digitales Format „KjG vs. Corona“ eingeführt. Das waren monatliche Vernetzungs-, Spiele- und Austauschangebote für Menschen aus den Pfarreien. Und da haben wir gemerkt, wir erreichen einfach plötzlich ganz viele andere Menschen, die wir vorher nicht erreicht haben. Überregionale KjG-Arbeit ist ja auch mit räumlicher Distanz und Fahrtzeiten verbunden. Diese Mobilität muss man einerseits zeitlich, aber auch dann generell erst mal mitbringen. Da haben wir gemerkt, dass der digitale Raum auch Möglichkeiten bietet, wenn man sich mal schnell zuschalten kann zu einem Abendtermin. Da haben plötzlich KjGler*innen aus ganz verschiedenen Regionen teilgenommen, die auch außerhalb des Bistums oder sehr weit entfernt in Deutschland gewohnt haben, aber immer noch mit der KjG verbunden sind. Es ist ein Learning aus der Pandemie für uns gewesen, dass wir diese Möglichkeit durchaus auch noch weiterhin nutzen können.

Das Mitmachen in der KjG, was ist das für dich? Eine kulturelle Teilhabe, eine religiöse Teilhabe, eine politische Teilhabe für junge Leute?
Simon: Ich denke, es kommt alles zusammen und ich glaube, die KjG wächst auch mit einem selbst mit. So war es zumindest bei mir. Als ich als Kind in die Pfarrei, die Gruppenstunde, gekommen bin, da ging es vor allem um die Gemeinschaft, um Spiel, Spaß, Freund*innen kennenlernen und natürlich auch die religiöse Komponente. Sei es als Impuls bei Freizeiten oder im Gottesdienst oder in der Gruppenstunde. Aber, je älter ich geworden bin, desto eher habe ich mich dann an der Diözesanebene orientiert und auch am Bundesverband. Da merkt man dann, die KjG ist ja auch ein sehr politischer Verband mit klaren Positionen. Die KjG ist für mich ein Ort, um sich selbst eine Meinung zu bilden und dann eben diese auch zu vertreten zu lernen.

Jetzt hast du die Chance in der Bundesleitung einiges mitzugestalten. Du hast zwei Schwerpunktthemen mitgebracht. Das eine kinder- und jugendpolitische Vertretungsarbeit …
Simon: Das Thema liegt mir schon sehr lange am Herzen. Wir hatten ja gerade schon darüber gesprochen: Was ist KjG? Wie politisch ist die KjG? Das große politische Thema, womit ich mich als erstes in der KjG auseinandergesetzt habe, war das Thema Mitbestimmung für Kinder und Jugendliche und z.B. auch das Thema Wahlrecht. Da haben wir als KjG ja die Forderung Wahlalter ab 0, das heißt also Wahlrecht ab der Entscheidung, dass ich mich dazu reif fühle. Das ist ein Thema, das auch immer wieder in der gesellschaftlichen Diskussion aufkommt. Gerade vor zwei Jahren im Zuge der Fridays for Future Demonstrationen wurde es groß diskutiert, als allen deutlich wurde, dass Kinder und Jugendliche durchaus eine politische Meinung haben. Dass weiterhin Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren aufgrund ihres Alters z.B. systematisch von Wahlen ausgeschlossen sind oder auch in anderen Bereichen einfach nicht entsprechend berücksichtigt werden, hat man jetzt auch während der Corona Pandemie gemerkt. Das ist etwas, was ich gerne ändern möchte und in diesem Bereich eine politische Stimme für Kinder und Jugendlichen sein möchte.

Die andere Sache ist die Digitalisierung.
Simon: Genau, darüber haben wir ja auch schon gesprochen. Das ist natürlich einerseits ein gesamtgesellschaftliches Thema in Deutschland und der ganzen Welt. Es sind auch neue gesellschaftliche Fragestellungen, die dadurch aufgeworfen werden, auch netzpolitische Fragestellungen. Aber Digitalisierung ist nicht nur gesellschaftlich zu betrachten, sondern auch für uns als KjG und als Verband ein Thema. Ich glaube, da sind wir aktuell schon auf einem sehr guten Weg und da auch durchaus vielleicht der Gesamtgesellschaft ein bisschen voraus. Aber wir müssen uns als Verband auch stetig weiterentwickeln und die Möglichkeiten nutzen, die sich dadurch bieten.

Als KjG müssen wir aus der Zukunft denken, auch was unsere Mitglieder angeht. Was bedeutet das für dich? Aus der Zukunft denken?
Simon: Wir kriegen das ja in der KjG vielerorts mit. Wir haben hier eine Veranstaltung, wir haben eine Gruppenstunde und wir erreichen bestimmte Personen und das passt ja. Aber ich glaube, es gibt auch viele Menschen, die sich durch das Format oder durch die Art und Weise, wie die Veranstaltungen gestaltet werden, nicht angesprochen werden. Ich denke, da müssen wir unseren Blick weiten und schauen, wie wir auch Personen ansprechen können, die jetzt nicht zu der standardmäßigen Klientel der KjG gehören. Wir sollten uns als KjG öffnen und ein Ort sein für alle Kinder oder Jugendliche, egal woher sie kommen, egal welchen Geschlechts, mit und ohne Förderbedarf.

(2021 / Das Interview führte die Referentin für Öffentlichkeitsarbeit Babette Braun)
*Anmerkung: Das Interview wurde im Juli vor der Flutkatastrophe 2021 geführt

Als Ruhrpott-Steppke wird Marc Eickelkamp Teil der KjG. Ferienfreizeiten, Segelturns und Mitgestaltung gewinnen ihn für die KjG. Auf Bezirkskonferenzen schnuppert er dann Politikluft und bemerkt, dass er Satzungstexte ganz spannend findet. 2008 wird er Bezirksleiter für Herne – dem sogenannten Fahrradbezirk, der so heißt, weil man den mit dem Fahrrad mal eben abfahren kann. Dann geht es in den Diözesanausschuss Paderborn und 2015-2021 ist er Teil des Bundesleitungs-Teams. Nun 2021 endet seine Amtszeit, Zeit für einen Rückblick.

Was war dir als Kind in der KjG wichtig?
Eine Sache, an die ich mich erinnere, war, dass wir relativ viel mitbestimmen durften. Also was machen wir an Inhalten? Was ist das Programm vom Ferienlager? Welche Spiele werden gespielt? Das fand ich interessant und daran habe ich mich später auch als Gruppenleitung orientiert. Ich habe versucht, die Kids da aus meiner Gruppenstunde partizipativ einzubeziehen.

Welche Fähigkeit hast du in der KjG als Kind an dir entdeckt?
Ich glaube, ich war ein relativ nerviges Kind, naja, jedenfalls habe ich immer viel hinterfragt oder mal gesagt: “Ja okay, kann man das nicht auch so machen?” Ob das jetzt direkt eine Fähigkeit ist… man würde vielleicht sagen, dass ich entdeckt habe, dass ich ein wenig begabt bin, auch mal hinter etwas zu schauen und zu entdecken, welche Prozesse laufen und die Frage zu stellen, ob man etwas nicht auch anders machen kann.

In einer Rede hast du einmal gesagt: “Ich habe in der KjG die Wurzeln meines Glaubens.” Was meintest du damit?
Also das ist ja immer etwas, das nicht so richtig greifbar ist mit diesem Glauben. Ich hab an verschiedenen Stellen in meiner Jugend Glaubenserfahrungen gemacht. Das waren natürlich auf der einen Seite die Erfahrungen, die man in der Pfarrei gemacht hat: Thomas Pochel, unser Pfarrer, war selbst in seiner Jugend KjG Diözesanleiter in Paderborn. Ich war auch Messdiener, das hat mich natürlich mitgeprägt. Gottesdienste in der KjG oder spirituelle Impulse sind ja häufig auch verknüpft mit irgendwelchen aktuellen Themen. Das hat angeregt, zusammenzudenken, dass Politik und Glaube und Umwelt irgendwie zusammengehören und wir nach dem Vorbild von Jesus Christus dann entsprechend eben auch in der Gesellschaft handeln, Aufgaben wahrnehmen und Dinge tun. Spirituelle Momente habe ich dann mit der KjG bei größeren Veranstalungen erlebt: dem Weltjugendtag oder auch als wir in Brasilien für einen Monat in einem Projekt waren. Dort sind wir mit den Leuten ins Gespräch gekommen und haben deren Glauben kennengelernt – Gemeinsamkeiten Unterschiede entdeckt. Das waren so Momente, in denen die KjG meinen Glauben nochmal vertieft hat. Daran denke ich gerne zurück.

Dein Interesse am Spirituellen hast du sozusagen in dein Amt in der Bundesleitung mitgenommen. Du hast den Bereich Glaube und Spiritualität betreut. Was hast du dir darunter vorgestellt und war das dann auch so?
Mir ist ehrlicherweise der Punkt des Glaubens in der KjG etwas zu kurz gekommen. Nochmal drauf zu schauen, wie sind wir eigentlich unterwegs und wie kann man in konkreten Worten dieses KjG-Glaubens-Feeling eigentlich beschreiben, was uns alle zusammenschweißt? Ja, da hätte ich gerne noch ein bisschen mehr gemacht. Aber, da knüpft man sicherlich noch an. Ich glaube, in vielen Bereichen sind wir da an aktuellen Themen dran und verknüpfen die auch politisch. Aber natürlich kann man in der Politik mehr bewegen als in der Kirche. Kirche ist nicht demokratisch. In der Kirche entscheiden einzelne Personen, also die Bischöfe, über das, was in ihrem jeweiligen Bistum passiert.

Und dieser Spirit, den du als Kind und Jugendlicher erfahren hast, konntest du den dann wiederfinden?
Ich glaube, der Spirit, wie du ihn beschreibst, ist an vielen Stellen ausschlaggebend für das, wie wir auftreten und handeln. An Ort und Stelle, aus unserem Glauben, unsereren Überzeugungen heraus Dinge zu tun. Das hab ich in meiner Arbeit überall mit hingenommen. Dieses “andere Menschen daran teilhaben lassen” ist natürlich in einem Impuls oder so mal mitgeschwungen, aber sonst ist es eher über die inhaltliche Ebene und weniger über dieses Konkrete “Wir machen gemeinsame Gottesdienste” passiert.

Welches Ereignis würdest im Zusammenhang mit Spiritualität und Glauben hervorheben wollen?
Das Spannendste in der KjG in Bezug auf Spiritualität und Glaube ist glaube ich tatsächlich gar nicht in meiner Zeit als Bundesleiter passiert, sondern davor. Da gab’s den “Ich bin da” Gottesdienst. Dabei konnten wir alle in der KjG gemeinsam, aber dezentral, jeder in seiner Pfarrei an einem bestimmten Wochenende Gottesdienst feiern. Es gab Materialien von der Bundesebene und dann war bei der Umsetzung klar, dass ist der Ich-bin-da-Gottesdienst und man konnte schauen, wie bin ich denn da? Motiviert, müde, traurig, wütend… Als KjGler mit anderen Leuten zusammen, jung und alt. Das war ein schönes Gefühl, dass man bundesweit zusammengekommen ist, aber trotzdem an verschiedenen Orten war.

Du bist auf dem Gebiet Glaube aber auch Trollen begegnet. Du hattest ein kleines Battle mit Bischof Oster. Um was ging es da?
Ja, das bringt leider die Arbeit als Bundesleiter an verschiedenen Stellen mit sich. Ich differenziere jetzt mal zwischen Trollen und dem Bischof an der Stelle!
Ich hatte mich in eine Debatte, die in den digitalin Medien zwischen Maria Flachsbart als Vorsitzende des Deutschen Frauenbundes und Bischof Oster geführt worden war, eingemischt. Thema: Selbstbestimmung der Frau – also schlichtweg auch Selbstbestimmung in puncto Sexualität und auch über den eigenen Körper. Bischof Oster hatte in einem Beitrag von sich formuliert, dass Maria Flachsbart aus seiner Sicht dann nicht katholisch unterwegs sei, weil sie eben auch in puncto Empfängnisverhütung und Abtreibung Positionen vertritt, die eben nicht katholisch seien. Das kann ja erstmal so sein, also Meinungsverschiedenheiten sind ok. Er hat dann aber aus meiner Sicht in einer unangebrachten Art und Weise ihr den Mund verboten und ihr die Glaubwürdigkeit abgesprochen. Das ist dann irgendwie schwierig, wenn dann die Kirche, die ja eigentlich die moralische Vorbildfunktion haben sollte, so etwas tut. Ich bin da dann aktiv eingeschritten. Viele BDKJ Mitglieder haben das Geliked, was dann zu einer Grundsatzansage von Bischof Oster geführt hat in seinem Blog-Beitrag. Und ja, das zieht dann eben auch so Shitstorm-Geschichten nach sich, wo man Nachrichten bekommt, die man eigentlich nicht braucht.

Ist man als Bundesleiter öfter einem Shit-Storm ausgesetzt?
Als KjG Bundesleitung haben wir in der Vergangenheit auch immer wieder zu kritischen Themen Stellung bezogen, gerade, wenn es um Gleichberechtigung, Sexualität, Frauenrechte und ähnliche Themen geht. Man ist ja an vielen Stellen einfach Hass im Netz ausgesetzt oder auch Beleidigungen. Das, was wir als Trolle bezeichnen, ist tatsächlich ja schwierig zu fassen. Der Begriff bewegt sich zwischen Menschen, die tatsächlich trollen, also irgendwie uns auf falsche Fährten locken wollen, so ein bisschen neckisch unterwegs sind und solchen, die versuchen, die KjG in Misskredit zu bringen. Wenn man sich dann zu Themen äußert und positioniert und man kriegt dann Hassnachrichten also “du sollst in der Hölle schmoren” oder Ähnliches (da gibts noch mehr Sachen, die deutlich drastischer sind, aber das lassen wir jetzt mal hier an der Stelle außen vor) das ist natürlich schon etwas anderes und absolut grenzwertig. Ich würde mir da auch einen anderen Umgang in unserem Bereich wünschen. Menschen, die in unserer Kirche und unserem Glauben leben sollten meiner Meinung nach sowas eigentlich nicht unterstützen.

Du hast ja ganz klar Bischof Oster von den Trollen abgegerenzt, was aber war denn seine Rolle in dem Zusammenhang?
Bischof Oster ist als Jugendbischof in einer Position, in der er sich eigentlich schützend vor die Jugend stellen müsste. Er hat natürlich an verschiedenen Stellen auch konservativere Positionen als die KjG, was erstmal nicht schlimm ist. Man muss aber gesprächsbereit und offen sein und auch andere Positionen zulassen, die nachvollziehen und auch nochmal zuhören, warum diese so sind. Da hätte ich mir in den letzten Jahren mehr Engagement gewünscht, die Verbände nochmal mehr kennenzulernen oder vielleicht auch noch ein bisschen mehr Wertschätzung für diese zu empfinden und diese auch zum Ausdruck zu bringen. Das heißt nicht, dass das nicht der Fall war, sondern dass man an vielen Stellen, gerade wenn es um Debatten im Internet ging, eher das Gefühl hatte, da wird gerade diesen Trollen oder Menschen Tor und Tür geöffnet. Die durften sich dann austoben, auch auf den Instanzen von Bischof Oster in Facebook oder Ähnlichem und da war eben keine schützende Hand über der Jugendverbandesarbeit an der Stelle.

Das passt zu dem anderen Thema, mit dem du dich sehr stark beschäftigt hast, Demokratie. Wie würdest du denn das Verhältnis von KjG und Demokratie in zwei Sätze beschreiben?
Zum einen, die KjG ist grunddemokratisch. Zum anderen, die KjG verteidigt die Demokratie.

Was ist für dich faire Demokratie?
Hm, das ist schwierig, weil Demokratie natürlich grundsätzlich erst einmal eine Haltung ist, in der wir in unserer Gesellschaft unterwegs sind und in der wir quasi uns dann auch gegenüber anderem Verhalten äußern. Ich würde zum Beispiel sagen, wenn wir uns jetzt mit Politik beschäftigen, ist ein fairer Umgang der Demokratie an sich, alle Positionen zu tolerieren – akzeptieren ist vielleicht schon zu weit gegriffen, aber zu tolerieren wäre auf jeden Fall drin. Gleichzeitig aber auch klar zu haben, was sind denn demokratiezuträgliche und was sind demokratiefeindliche Punkte? Wir haben uns ja zuletzt nochmal deutlich gegen die AfD ausgesprochen und betont, dass wir als KjG deren Grundsätze nicht als vereinbar sehen, mit der Grundhaltung der KjG. Von daher würde ich sagen, wir als KjG sind für eine positive Demokratie, wollen einen fairen Umgang haben, wollen keine demokratiefeindlichen und faschistischen Menschen und Positionen dulden – wie es die AFD tut. Da müssen wir uns klar abgrenzen.

Lernt man in der KjG so etwas wie Demokratie aushalten?
Tja, das ist natürlich immer schwierig. Wir haben relativ hohe Maßstäbe an das, was wir als Demokratie in der Gesellschaft und in unserem Verband verstehen. Und es gibt ja bei uns immer wieder Irritationen, warum jetzt diese oder jene Entscheidung, die demokratisch gefällt worden ist, vielleicht nicht so optimal ist. Da gibt es in der KjG Geschichte Beispiele, dass Beschlüsse mal knapp gefasst worden sind oder Wahlen nicht so ausgehen, wie man es sich gewünscht hat. Aber grundsätzlich haben wir natürlich mit unserer Demokratie eine hohe Verantwortung. Das heißt, die Leute müssen sich bewusst sein, wenn sie ihre Stimme für dies oder jenes abgeben, hat das immer auch Konsequenzen. Wenn wir uns jetzt im September zum Beispiel für Partei X oder Y entscheiden, dann hat das Konsequenzen für die nächsten vier oder fünf Jahre.

Du hast an anderer Stelle mal darüber gesprochen, dass es eine Chance sei, Verantwortung zu übernehmen
Ja, das resultiert aus meiner Überzeugung, dass wer Kritik übt, auch bereit sein muss, Verantwortung wahrzunehmen. Und natürlich kann ich nur, wenn ich Verantwortung auch wahr- und ernstnehme Dinge verändern. Und das ist, glaube ich, die Chance dahinter. Dinge kann man dann verändern, wenn man selbst in Verantwortung kommt und diese auch ernsthaft wahrnimmt.

Die KjG ist ziemlich lebendig, wächst vor sich hin und erneuert sich ständig. An welcher Stelle hat die KjG gerade Wachstumsschmerzen?
Tja, natürlich setzt uns da ganz offensichtlich die Corona Pandemie zu, weil der Kern des Geschäfts natürlich die Ferienfreizeiten sind. Ich glaube, in vielen, vielen Ortsgruppen ist das das zentrale Event im Jahr, alle arbeiten daraufhin, im Herbst oder Sommer wegzufahren oder das Pfingstlager zu gestalten. Das ging jetzt zwei Jahre lang nicht und das ist, glaube ich, für die Leute schmerzhaft, die das vorbereiten und natürlich auch für die, die dann eben nicht daran teilnehmen können. Da verlieren sie vielleicht den Kontakt, sind nicht mehr so im Bilde und das ist, glaube ich, ein großes Problem. Das andere ist: Wir müssen jetzt aufpassen, dass wir die Kinder und Jugendlichen wieder gut in den Verband integriert bekommen. Die ganzen Studien zeigen ja, dass gerade die Kinder und Jugendlichen sehr unter der aktuellen Situation gelitten haben und wir wollen natürlich schon ein Ort sein, an dem sich Kinder und Jugendliche auch sicher, geborgen und auch frei im weitesten Sinne fühlen können, das zu tun, was sie gerne möchten.

Das bringt mich zu der nächsten Frage. Was ist denn dein Gefühl für die KjGler*innen?
Die KjG ist ein sehr gefühlvoller Verband. Da geht es auch mal lebhaft her und ich glaube, man muss, wenn man in der KjG ist, mit Herzblut dabei sein, aber auch etwas abkönnen. Ich finde es bringt viel Freude mit sich, wenn man in der KjG unterwegs ist, fremde Menschen und auch andere Themen kennenlernen darf. Ich glaube schon, das wäre vor allem Freude, was ich als Gefühl beschreiben würde.

Die Menschen hier in der Bundesstelle verbinden dich mit gutem Kaffee, dem Kaffeedude, und Versorgen mit leckeren Sachen, die du mitbringst. Außerdem gibt es Wörter von dir, die speziell sind. Eins hab ich mitgebracht und das ist “Nupsi”. Was bitte ist ein Nupsi?
Nupsi kann Verschiedenstes sein. Also, stellt euch mal vor, ihr habt eine Abdeckung von irgendetwas also so Steckdosen – Abdecker oder so, die macht ihr weg. Dann sagt doch niemand Abdeckkappe sondern “Gib mir mal das Nupsi”, weil man nicht genau weiß, was das für eine Funktion hat bzw. wie der fachkorrekte Ausdruck dafür wäre. Damit kann man das einfach so beschreiben, “hier das Nupsi”, das ist das, was man gerade so braucht.

Jetzt hast du einen Flug frei: In welchen KjG Moment würdest du dich gerne mal zurückbeamen, wenn du das könntest?
Wir haben auf unserer Sommerklausur, wo wir die Übergaben gemanagt haben, in der Bundesleitung über die neue Großveranstaltung gesprochen. Da ist man schon ein bisschen wehmütig geworden, doch nochmal bei DenkMal! vorbeizuschauen. Von daher, wenn ich jetzt den Moment genau abpassen würde, würde ich sagen DenkMal!, Mittagspause, Hängematte. Einfach mal gucken, was die Leute so treiben. Ich hab mich dann einfach in die Hängematte gelegt, mitten im Gewusel. Das war sehr cool. Da würde ich jetzt gern mal eine halbe Stunde abhängen.

Nun gehen wir in die andere Richtung – Zack – in die Zukunft. Was sollte die KjG in die nächste Generation transportieren?
Wir diskutieren ja gerade an vielen Stelle: “Sind unsere Themen verständlich für Kinder und Jugendliche, wie kriegen wir das nochmal besser organisiert?” Ich glaube, wir müssen uns weniger die Frage stellen “Ist das alles schon so?” sondern “Wie kriegen wir das zusammen hin, dass das so ist?” Wir haben in unserem Verband richtig viel Know how, also schon alleine auf der Bundeskonferenz hocken 120 kluge Leute zusammen, die haben alle ihre Fähigkeiten, Talente und Charismen. Und wir müssen schauen, dass wir da gemeinsam einen klugen Weg finden und eben die Talente und Fähigkeiten nutzen, die wir von Gott geschenkt bekommen haben und dann das Ganze so einsetzen, dass wir die KjG voranbringen.

Du verlässt die KjG nun als Teil der Bundesleitung. Wahrscheinlich bleibst du ihr immer verbunden, als ein Stück Heimat. Es ist ein bisschen wie bei Bilbo Beutlin, der wollte eigentlich eine Pfeife rauchen, dann hatte er dieses Zeichen an der Tür und er geht los auf Reisen. Das wird dann ja das Abenteuer “Der kleine Hobbit”. Ganz viele Sachen passieren ihm. Du gehst jetzt auch weiter, in ein nächstes Abenteuer, was würde dich reizen?
Ich habe immer mal wieder überlegt, was man so nach der KjG machen könnte. Eigentlich hatte ich gedacht, ich gehe mal in ein anderes Land. Das ist jetzt mit dieser aktuellen Pandemie eher schwierig, von daher ist dieser Gedanke erst einmal auf Eis gelegt. Weil ich aber tatsächlich gerade eher frustriert bin von dem Umgang unserer Kirche mit unseren Jugendlichen und gerade in puncto Missbrauch mit den Menschen, die da quasi der Kirche und den Tätern zum Opfer gefallen sind, bin ich, glaube ich, erst einmal aus dem kirchlichen Bereich raus. Also, ich würde mich in anderen Bereichen nochmal umschauen, vielleicht in der Politik, vielleicht im Hilfebereich…. mal schauen, was da so Spannendes auf mich zukommt. Vielleicht treibt man mich ja nochmal zurück in die Kirche, aber da muss schon noch einiges passieren. Ich hoffe, der synodale Weg hilft da nochmal. Von daher allen Menschen viel Kraft, die sich da gerade engagieren.

Was wünschst du der KjG?
Ich wünsche mir, dass die KjG weiterhin als Expertin wahrgenommen wird und wir Vorreiterin sind. Ich wünsche allen Menschen in der KjG, dass sie weiterhin mutig, engagiert und offen bleiben für alles, was da an Themen auf sie zukommt, für alle Veränderungen, für alle Prozesse, für alle Ideen. Und ja, in diesem Sinne – Gottes Segen.

(Das Interview führte Öffentlichkeitsreferentin Babette Braun zum 31.07.2021)

„Der Herr lasse mich nicht nur für etwas beten, er lasse mich auch dafür arbeiten.“

Einer der inspirierenden Gedanken unseres Patrons Thomas Morus.

Thomas Morus – auch heute noch topaktuell
Nicht nur die Inhalte, für die Thomas Morus steht, sind für die KjG immer noch von Bedeutung. Vor allem auch seine Art und Weise und die Haltung, mit der er für seine Überzeugungen eingestanden ist und – im wahrsten Sinne des Wortes – den Kopf hingehalten hat, können für uns und unser Engagement vorbildlich sein:

       – kritisch mitdenken

       – verantwortlich handeln

       – auf das Gewissen hören

       – den Visionen trauen

       – den Humor nicht verlieren

Thomas Morus macht deutlich, dass „nur Mitlaufen“ und „langes Diskutieren“ – ohne die Bereitschaft zur Entscheidung und zum Handeln – keine Aussicht auf Erfolg haben. In vielfacher Hinsicht sind wir als junge Christ*innen aufgerufen Entscheidungen zu treffen. Beispielsweise müssen wir entscheiden, wie wir unseren Glauben und unser Leben zeitgemäß gestalten. Das Leben des Christen Thomas Morus kann uns dabei eine Orientierung sein.

Unsere Anregung zum heutigen Gedenktag von Thomas Morus: Mach dir doch noch mal bewusst wofür/woran du arbeitest – in unserer Gesellschaft und unserer Kirche. Welche Themen treiben dich an? Weil wir wissen, dass das nicht immer leicht ist, hier noch ein Segensspruch unseres Patrons:

„Der Herr gebe euch
ein witzig Gemüt,
damit die Menschen sich selbst
nicht so wichtig nehmen
und von Herzen lachen“



Dass die Verhandlungen um die Aufnahme der Kinderrechte ins Grundgesetz erneut gescheitert sind enttäuscht uns. Es ist ein herber Schlag ins Gesicht aller Kinder und Jugendlichen. Als KjG machen wir uns seit Jahrzehnten für eine Aufnahme der Kinderrechte ins Grundgesetz, dass wir 2021 schon wieder eine verpasste Chance zu beklagen haben ist skandalös für uns und nicht hinnehmbar.
Dass noch immer keine Einigung über einen Gesetzesentwurf herbeigeführt wird, macht einmal mehr deutlich, dass Kinder und Jugendliche keine politische Lobby haben. Die Pandemie hat deutlich gezeigt, dass Kinder und Jugendliche über ihr Dasein als Schüler*innen und zu betreuende Kinder hinaus, keine Rolle spielen. Wir fordern, dass Kinder und Jugendliche endlich als eigenständige, handlungsfähige Subjekte und relevante Mitglieder unserer Gesellschaft anerkannt werden. Diese Anerkennung kann Kindern und Jugendlichen nur zu Teil werden, wenn Kinderrechte ins Grundgesetz aufgenommen werden. Uns geht auch weiterhin die Puste nicht aus, für eine vernünftige Gesetzeslösung im Sinne von Kindern und Jugendlichen zu kämpfen. Wir fordern alle Parteien im Wahlkampf und in nachfolgenden Koalitionsverhandlungen auf, zu ihrer Zusage zu stehen und Kinderrechte ins Grundgesetz aufzunehmen. Dazu gilt es, auf Fachverbände und Expert*innen zu hören, um eine sinnvolle und nachhaltige Möglichkeit zu schaffen.

Yu

Julia Niedermayer stellte sich nach ihrer ersten Amtszeit (2018 – 2021) als Bundesleiterin erneut zur Wahl. Sie erhielt 89 von 90 Stimmen und wird nun für abermals drei Jahre das Amt bekleiden. Besonders einsetzen möchte sich die wiedergewählte Bundesleiterin in der kommenden Amtsperiode unter anderem für Inklusion: „Meine Vision ist eine gleichberechtigte Teilhabe an Gesellschaft für alle Menschen. Egal wie alt sie sind, ob sie eine Behinderung haben oder nicht. Egal welches Geschlecht oder sexuelle Orientierung sie haben. Egal woher sie kommen. Denn: Alle Menschen kommt die gleiche Würde zu und das Recht auf Teilhabe.“

Simon Schwarzmüller

Einen Wechsel gab es im Amt des männlichen Bundesleiters. Neu auf die Stelle des Bundesleiters gewählt wurde Simon Schwarzmüller mit 53 von 90 Stimmen. Er war zuvor vier Jahre Diözesanleiter im KjG Diözesanverband Speyer Er war bisher auf der Bundesebene in der Arbeitsgemeinschaft Mitgliedergewinnung und dem Verwaltungsrat aktiv. Er möchte sich besonders für die Stärkung der verbandlichen Arbeit, die Partizipation von Kindern und Jugendlichen sowie Digitalisierung einsetzen. „Kinder haben konkrete Vorstellungen von der Zukunft und wollen mitbestimmen. Das ist auch gut so! In einer Demokratie sollte jede Meinung gleich viel zählen, auch die von Kindern und Jugendlichen.“

Simon Schwarzmüller ist der Nachfolger von Marc Eickelkamp, der seit 2015 im Amt war. Ihm gilt ein besonderer Dank für sechs Jahre außergewöhnliches Engagement, er hat maßgeblich jugendpolitische Themen für den Verband gestaltet und die Anliegen der KjG im BDKJ vertreten.

Pressemitteilung Düsseldorf /Altenberg 25.05.2021

Bundesleitung der Katholischen jungen Gemeinde (KjG):

Bundeskonferenz der Katholischen jungen Gemeinde tagt und feiert Jubiläum mit Onlineshow nach

Digital erprobt, dynamisch und basisdemokratisch findet vom 26.05. – 30.05 die KjG Bundeskonferenz 2021 statt. Die KjG setzt sich für eine bunte, diverse Gesellschaft ein. Deutlich spiegeln dies auch die Themen, über welche die KjG Bundeskonferenz beraten wird. Auf dem Tisch liegen u.a. Anträge zu: „Segen schenken, Sexualmoral überdenken!“, „Wir wählen! NICHT die AfD.“ und „KjG für alle – Maßnahmen zur Inklusion“.

„Segen schenken, Sexualmoral überdenken!“, der Antrag steht für den Anspruch der KjG, Kirche mitzugestalten und ihre Empörung über die Absage der Glaubenskongregation zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare. Die KjG will sich solidarisch zeigen mit allen, denen Gottes Segen verwehrt bleiben soll. Die KjG rückt mit dem Antrag die zentrale Fragestellung des gottgegebenen Naturrechts in den Fokus und stellt es als Grundlage der kirchlichen Ablehnung vieler Arten von Beziehungen in Frage.

„Wir wählen! NICHT die AfD“. Die KjG steht für demokratische Teilhabe junger Menschen und setzt sich zu Wehr gegen die antidemokratische Haltung der AFD. In den letzten Jahren hat sich die Situation um rechte Tendenzen in Deutschland besorgniserregend verschärft. So nehmen rechtspopulistische und rechtsextremistische Positionen zu und werden immer mehr zur gesellschaftlichen Normalität. Die AfD vertritt diese als parlamentarischer Arm des Rechtsextremismus und erlangt dabei zunehmend politisches Gewicht. In dem Antrag geht es darum, dass die KjG sich eindeutig gegen antidemokratische Tendenzen positioniert, besonders im Wahljahr 2021.

„KjG für alle – Maßnahmen zur Inklusion“ In der Arbeit der KjG steht der Mensch im Mittelpunkt, mit all seinen Fähigkeiten und Bedürfnissen. Anliegen der KjG ist es, dass Kinder und junge Menschen ihre Persönlichkeit entfalten können, in Kirche und Gesellschaft. Das muss unabhängig davon sein, ob sie Förderbedarf haben, welchem Geschlecht sie angehören oder welche sexuelle Orientierung die ihre ist. Darum verhandelt die Bundeskonferenz über einen Antrag auf Maßnahmen zur Förderung von Inklusion auf KjG-Bundesebene. Außerdem beschäftigt sich die Bundeskonferenz mit einem Antrag zu inklusiven Zugängen zu geschlechtergerechter Sprache.

Jubiläum mit Gästen und Onlineshow am 29.05. Wegen der Corona-Pandemie musste das große Fest zu „50 Jahre KjG“ 2020 abgesagt werden. Nun wird die Feier im Rahmen einer Onlineshow mit Livegästen nachgeholt. Es wird eine kreative Zeitreise mit interaktiven Einlagen, passend zum Stil der KjG, geben.

Für Interviewanfragen steht die Bundesleitung gerne zur Verfügung.

Hinweise :
Die Bundeskonferenz ist das höchste beschlussfassende Gremium der Katholischen jungen Gemeinde (KjG) und tagt einmal im Jahr. Ca. 90 Delegierte aus den 24 Diözesanverbänden der KjG vertreten dort die Mitglieder des katholischen Jugendverbandes. Die Bundeskonferenz berät und entscheidet über die Grundlinien politischer Interessensvertretung und über die bundesweiten Aktionen und Projekte der KjG. Die KjG bietet Kindern und Jugendlichen ein engagiertes Forum, in dem sie ihre Interessen in Kirche, Politik und Gesellschaft einbringen und vertreten können. Die Bundeskonferenz der Katholischen jungen Gemeinde (KjG) wird gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Feindliche Grenzen, blutige Kriege, Zerstörung ganzer Landstriche – das alles ist für uns als KjGler*innen und EU-Bürger*innen meist nur Wissen aus familiären Erzählungen oder dem Geschichtsunterricht. Geboren aus der Idee eines friedlichen Europas und gegenseitiger wirtschaftlicher Absicherung, ist die EU für uns Heimat. Eine Heimat, die „die Vielfalt der Kulturen, Religionen und Sprachen“ achtet. Daran erinnert der Europatag am 09.Mai. Die KjG feiert den europäischen Gedanken. Und so steht es im Artikel 22 der EU-Grundrechte-Charta festgeschrieben. Diese zu achten und dafür zu sorgen, dass sie nicht ausgehöhlt werden, ist die Aufgabe ihrer Hüter*innen (also Politiker*innen/Verantwortliche/…) und Inhaber*innen.

Wir als KjG beobachten mit Sorge, dass in diesen aufreibenden und teils unplanbaren Zeiten der Corona-Pandemie inner-europäische Grenzen abgeschottet werden, Menschen auf der Flucht aus dem Blick der öffentlichen Wahrnehmung geraten, Hilfen für sie ganz eingestellt werden und Menschen und Gruppen voneinander isoliert werden.

Europa braucht wachsame Bürger*innen

Wir sind und bleiben wachsam und fordern ein, dass keine*r zurückgelassen wird. Europäische Solidarität verlangt unserer Überzeugung nach zum einen, dass wir gemeinsam als Gesellschaft Verantwortung füreinander übernehmen und solidarisch die Einhaltung temporärer Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie mittragen. Europäische Solidarität fordert aber zum anderen auch, dass unsere Rechte so bald als möglich wieder vollumfänglich hergestellt werden. „Die Unionsbürgerinnen und Unionsbürger haben das Recht, sich im Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten frei zu bewegen und aufzuhalten“, so steht es in der EU-Charta und das muss nach der Pandemie ohne Einschränkungen auch wieder gelten. Bereits im aktuellen Geschehen muss dafür Sorge getragen werden, dass die Idee Europa nicht verloren geht. Es braucht solidarische Bekenntnisse zur gemeinsamen Krisenabwehr. Die Aushöhlung demokratischer Strukturen unter dem Deckmantel von Notstandsgesetzen – wie sie zum Beispiel in Polen und der Ukraine zu beobachten sind – darf von den Verantwortungsträger*innen nicht toleriert werden. Verbrechen gegen die Menschlichkeit müssen konsequent verhindert werden.

„Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie ist zu achten und zu schützen“, lautet der erste Artikel der EU -rundrechte-Charta – das gilt selbstverständlich auch für Menschen auf der Flucht. Für uns ist die gottgeschenkte Würde jedes Menschen maßgebend.

Europa bleibt gesund durch Veränderung

Auch die Veränderung des Klimas muss für uns als globale Krise behandelt und gemeinschaftlich bewältigt werden. Europäische Leichtfertigkeit in Bezug auf die Umwelt verursacht zunehmend Fluchtgründe. Dem können und müssen wir gemeinsam entgegensteuern.

Wir fordern die Stärkung parlamentarischer Strukturen, die Orientierung an Kinder-, Menschen- und Arbeitsrechten sowie eine Kontrolle der globalisierten Wirtschaft. Dazu gehören auch Veränderungen in der Struktur der Entscheidungswege innerhalb der Europäischen Union, das EU-Parlament muss weitreichendere Entscheidungskompetenzen erhalten. Europa- und Weltpolitik müssen dazu beitragen, dass mehr Freiheiten und Sicherheiten für alle Menschen entstehen.

Die EU erneuert sich stetig durch die Jugend

Europa wächst aus der Jugend heraus durch wahrhaftige Kontakte, gemeinsames Erleben, Lernen und Arbeiten. Internationale und europäische Arbeit sowie Freiwilligendienste und Austauschformate sind für uns elementare Bestandteile demokratischer Bildung. Bereits jetzt, aber besonders im Nachgang der Pandemie, müssen Institutionen, die internationalen Bildungsaustausch ermöglichen, gestärkt und mit den notwendigen Ressourcen ausgestattet bleiben.

Europa muss die aktuell vorhandenen Verwerfungen überwinden. Dies kann nur gelingen, wenn sowohl soziale wie wirtschaftliche Zusammenarbeit für alle gewinnbringend gestaltet wird. Dafür darf nicht nur der europäische Binnenmarkt relevante Nenngröße sein; dieser muss so ausgelegt sein, dass das Wohl aller Menschen ebenfalls dabei konsequent verfolgt wird. Darin liegt auch für Europa die Chance, unser gemeinsames Wirtschaftssystem zu überdenken.

Als junge Christ*innen verstehen wir uns als Europäer*innen, die die friedliche und freiheitliche Idee Europas leben. Wir wollen diese Idee gesichert und langfristig geschützt wissen. Deshalb fordern wir mehr Investition in grundlegend menschenrechtsorientierte Rahmenbedingungen innerhalb der EU.

Siehe dazu auch:
„Die Welt in Kinderhände!“ – Das kinder- und jugendpolitische Grundlagenpapier der KjG (2019)

„Keine Krise der Humanität“ – Stellungnahme der KjG-Bundesleitung zu gesellschaftlichen Herausforderungen in Zeiten der Corona-Pandemie (04.04.2020)

9. Mai Europatag – Die KjG feiert den europäischen Gedanken Pressemitteilung (06.05.2021)

26.04.1986 – der Reaktorunfall von Tschernobyl brachtet Verwüstung und Verseuchung. Die Ausmaße dauern bis heute an. Wir fordern als KjG: Schluss mit Atomkraft! Wir wollen Klimaschutz durch eine regenerative Energieversorgung ganz ohne Atomenergie!

Die KjG setzt sich seit den 1980ern für eine energetische Wende ein. Atomkraftwerke bringen den Tod – auch heute! Die Energiewende muss – wie bereits 2010 beschlossen – jetzt drastisch umgesetzt werden. Wir, die KjG, fordern die Bundesregierung auf, die Abkehr von der Atomenergie endlich konsequent zu vollziehen. Es geht um die Bewahrung unserer Welt, deren Teil wir als Bewohner*innen Europas sind. Umweltschutz durch Atomstrom ist ein modernes Märchen! Atomstromgewinnung ist weder sicher noch CO2-neutral und fordert durch anfallenden verstrahlten Müll ebenfalls einen hohen Tribut. Endlagerung ist keine Lösung. Über Generationen hinweg wird strahlender Atommüll eine Bedrohung für die Menschheit bleiben.

Der Weg zur Klimaneutralität führt nicht über Atomreaktoren. Wir als Jugendverband lehnen es ab, der Jugend von morgen, weiterhin strahlenden Atommüll aufzubinden. Unsere Umwelt und auch wir, die Bevölkerung, müssen aktiv geschützt werden; jetzt wie auch in der Zukunft. Die KjG fordert daher ein konsequentes „Nein!“ zur Atomenergie. Wir verlangen die konsequente Förderung erneuerbarer Energien für eine zukunftsweisende Klimapolitik in der EU. Die EU darf Risikoreaktoren wie Tihange und Doel nicht stillschweigend dulden, sie muss auf deren sofortige Abschaltung hinwirken. Wir verurteilen aktuelle Tendenzen, die in europäischen Ländern und Mitgliedsstaaten Atomkraft wieder erstarken lassen. Uns ist bewusst: Atomare Strahlung stoppt nicht vor Landesgrenzen. Ein effektiver Gesundheitsschutz braucht die weltweite Abkehr von Atomstrom. Auch zum gemeinsamen Erreichen der Klimaziele muss international die Energiegewinnung neu gedacht werden – ohne Atomstrom.

Eine Katastrophe wie sie sich vor 35 Jahren in Tschernobyl und vor 10 Jahren in Fukushima ereignet hat, darf sich niemals wiederholen. Deshalb fordern wir: Nachhaltigen Klimaschutz ganz ohne Atomenergie!

Siehe dazu auch: