Das Rote Songbuch

Ein Songbuch mit teilweise religionskritischen Liedern erhitzte die Gemüter der Bischöfe. Am Ende hieß es: Songbuch verbieten oder KjG-Verbot riskieren?

Die Deutsche Bischofskonferenz übte unter Federführung des damaligen Mainzer Weihbischofs Rolly und des eben erst ins Amt gekommenen Fuldaer Bischofs Dyba massiven Druck auf die KjG aus und erzwang nach wenigen Wochen einen Verkaufsstopp der bereits gedruckten Exemplare des "roten Songbuchs", begleitet von der Drohung, die KjG andernfalls aufzulösen bzw. nicht mehr als katholische Jugendorganisation anzuerkennen. Nach heißen internen Diskussionen wurde daraufhin das rote Songbuch aus dem Verkehr gezogen.


Das im Jahr 1983 herausgegebene "rote Songbuch" enthielt u.a. Lieder, die sexuelle Verfehlungen von Geistlichen thematisierten (z.B. das Lied "Es wollt´ ein Bauer früh aufstehn"), dazu Lieder aus der Arbeiterbewegung ("Brüder zur Sonne, zur Freiheit"), aber auch moderne Lieder, die sich kritisch mit Religion auseinandersetzen ("Wenn et Bedde sich lohne dääd" von BAP) oder die eine befreite Sexualität fordern ("Denn ich will" von André Heller).


Bischof Karl Lehmann hatte während des Streits mehrfach schlichtend oder sogar für die KjG Partei ergreifend sein Wort erhoben und erreichte unter KjG-Mitgliedern dadurch eine große Popularität.


Das rote Songbuch ist trotz des Verkaufsverbots in geringer Stückzahl in Verkehr gebracht worden und konnte sich als Schwarzkopie rasch verbreiten, bevor die entschärfte Version ("braunes Songbuch") als Ersatz erschien.