Start der Synodalversammlung

Offener Brief der KjG an die Teilnehmer*innen des Synodalen Weges bzw. der Synodalversammlung

"Tradition ist nicht das Halten der Asche, sondern die Weitergabe der Flamme!"

Sehr geehrte Teilnehmer*innen der Synodalversammlung,

mit dem heutigen Tag beginnt der Synodale Weg unserer Kirche in Deutschland nun richtig. Mit der ersten Synodalversammlung werden in den nächsten Tagen die Eckpfeiler einer zukunftsfähigen Kirche in Deutschland festgelegt.

Dass es Veränderungen braucht, ist in den letzten Jahren mehr als deutlich geworden: der geistliche und sexuelle Missbrauch in der katholischen Kirche ist allgegenwärtig. Er ist mehr als die 3.677 bereits aus der MHG-Studie bekannten Fälle. Er macht wütend, betroffen, traurig. Er darf kein Thema unter vielen sein, sondern muss als der Ausgangspunkt der gesetzten Themen des Synodalen Weges in allen Bereichen konsequent beachtet werden.

Es kann kein kategorisches „Nein!“ zu den schon seit Jahren aus anderen Gründen kritisch hinterfragten Themen mehr geben. Junge Menschen und ein Großteil der Gläubigen brauchen Veränderungen, um weiterhin selbstbewusst katholisch sein zu können. Unsere katholische Kirche in Deutschland verliert nicht nur das Vertrauen ihrer Mitglieder, die sich von der Kirche abwenden und diese verlassen, sondern auch ihren gesellschaftlichen und moralischen Stellenwert.

Gemeinsam müssen wir uns den strukturellen Herausforderungen stellen, den Missbrauch konsequent aufarbeiten und präventive Maßnahmen ergreifen und ausbauen, um insbesondere junge Menschen zu schützen.

Als Teilnehmer*in der Synodalversammlung haben Sie die Chance unsere Kirche in Deutschland zu verändern und zukunftsfähig aufzustellen. Als KjGler*innen und damit Teil dieser Kirche wollen wir Sie dazu aufrufen mutig zu sein, Veränderungen anzustoßen und Brücken zu bauen.

Brücken zu bauen für …

Menschen, die durch die Katholische Kirche Leid insbesondere in Form von Missbrauch erlebt haben und ihnen zeigen, dass der Mensch im Mittelpunkt ihres Handelns steht!

Menschen, die im Synodalen Weg Hoffnung für unsere Kirche sehen und ohne Veränderungen ihren Glauben nicht länger in dieser Kirche ausleben können!

Menschen, die sich Tag für Tag für den kath. Glauben und die Zugehörigkeit zur kath. Kirche einsetzen und ggf. aber gegenüber dritten rechtfertigen müssen!

Menschen, die Ihnen in ihrem Amt als Bischöfe, Priester, Ordensleuten und Anderen in besonderer Weise anvertraut sind!

Menschen, die nicht Teil der Synodalversammlung sein können, aber mitreden und ernst genommen werden möchten!

Wir hoffen, dass ihre gemeinsamen Beratungen bei allen Beteiligten und für alle Themen von Kompromiss- und Veränderungsbereitschaft geprägt sind. Wir wünschen Ihnen respektvolle Gespräche auf Augenhöhe, in die sich jede*r einbringen kann. Dazu braucht es eine verständliche Sprache, die allen eine Beteiligung ermöglicht. Dabei müssen vor Allem die Stimmen und Perspektiven der weiblichen und jungen Teilnehmer*innen ernst genommen werden. Wir wünschen Ihnen einen hoffnungsvollen und freien Blick, der über Formalien und Tradition hinausgeht und die Ergebnisse der MHG-Studie sowie moderne (theologische) Forschungserkenntnisse in den Fokus rückt.

Seien Sie mutig im Sinne unsere Patrones und Vorbildes Thomas Morus und wagen Sie Veränderungen, denn „Tradition ist nicht das Halten der Asche, sondern die Weitergabe der Flamme!“.

Für die Katholische junge Gemeinde,

Julia Niedermayer         Rebekka Biesenbach               Marc Eickelkamp
Bundesleiterin              Geistliche Bundesleiterin           Bundesleiter