Jugend im Mittelpunkt

"Zur Antwort bereit" markiert einen Wendepunkt im Selbstverständnis der Verbände KFG und KJG. Hier treten Kernthemen wie Demokratie und Mitgestaltung auf den Plan.

Im auf dem ersten großen Deutschlandtreffen von KFG und KJG unter dem Motto „Zur Antwort bereit“ beschlossenen Aktionsprogramm wird die Öffnung gegenüber den Problemen und Interessen von Jugendlichen deutlich, die von nun an in den Mittelpunkt rücken. KFG und KJG fordern eine Demokratisierung von Kirche und Gesellschaft, die sie aktiv mitgestalten wollen, indem sie sich sozial engagieren, die Interessen von Jugendlichen vertreten und den Abbau von autoritären Strukturen proklamieren. Damit nehmen die Verbände von ihrer bis dahin kirchenunkritischen Haltung Abschied. (Becher, S. 31)

 

 

Die „moderne“ Form der Veranstaltung und vor allem die Forderungen der Verbände im Bereich Kirche, Sexualität und Gesellschaft sorgen für ein heftiges Echo in der Öffentlichkeit. „Revoluzzer und Protestler“ nannten konservative Journalisten die Delegierten beim Deutschlandtreffen 1968 in Münster. Einige Auszüge aus den „revolutionären“ Forderungen der KFG und KJG sind hier zusammengestellt:

Selbstverständnis:

KFG und KJG wollen das Leben der Gesellschaft, besonders im Bereich der Pfarrgemeinde und der Bürgergemeinde bewusst mitgestalten. Sie suchen den Dialog mit den Christen der anderen Kirchen und allen Menschen.


Pfarrgemeinde und Kirche:

Wir erwarten, dass anstehende Probleme der Kirche in offenen Diskussionen geklärt werden. Wir erwarten den Abbau autoritärer Strukturen.

 

Begegnung der Geschlechter:

Phasengerechte Geschlechtererziehung soll als Hinführung zur gesamtmenschlichen Reife verstanden werden. Sie darf nicht eingeengt sein auf Hilfe zum ehelichen und familiären Leben.

 

Freizeit:

Durch eine größere Demokratisierung der Arbeits- und Lernverhältnisse soll eine Voraussetzung für ein selbst bestimmtes Freizeitverhalten der Jugendlichen geschaffen werden.

 

Gesellschaft:

Junge Menschen sollen über die verschiedenen Formen des Protestes hinaus kritisch an der Gestaltung der Gesellschaft mitarbeiten können.

 

Für diese Veranstaltung wird ein Symbol entworfen, das auf allen Plakaten zu sehen ist und das bis heute für KjG steht und bundesweit auf Tassen, T-Shirts, Handtüchern, Socken etc. zu sehen ist: Der Seelenbohrer. Es wurde von dem im Kölner Raum ansässigen Grafiker Alfred Klever 1967 während eines Siebdruckkurses in Altenberg entworfen. Auf dem Deutschlandtreffen wurde das Logo dann folgendermaßen erklärt: „Der Punkt in der Mitte bedeutet Christus, die Frohe Botschaft, das Leben. Der Balken, der sich um den Punkt bewegt, symbolisiert die Menschen, die ‚aus der Mitte heraus‘ versuchen, sich den Problemen zu stellen und Antwort zu geben, und der Pfeil deutet Dynamik an. Sich auf den Boden der Botschaft Christi zu stellen, heißt zugleich, vorwärts zu gehen, Ziele zu verfolgen.“