Vom 22.10. – 24.10.2021 trafen sich über 40 Delegierte aus ganz Deutschland in Mannheim zum Herbstbundesrat der KjG. Als Kinder- und Jugendverband, der für Geschlechtergerechtigkeit und eine vielfältige Gesellschaft einsteht, diskutierte der Bundesrat „Gott*“. Beschlossen wurden Maßnahmen zu Inklusion im Bundesverband und Spenden an UNICEF sowie die Non-Profit Organisation UVIKANJO. Fahrt aufgenommen hat die Vorbereitung zur Großveranstaltung „MachMal!“ 2022.

Diskutiert: „Gott*“ Engagiert und mit Sorgfalt ist die KjG auf der Suche nach Gottesbezeichnungen, die mehr umfassen als die männlich weiße Vorstellung von Gott. Hierbei bezieht sie alle Ebenen des Verbandes ein. Die KjG vertritt den Standpunkt, dass die Möglichkeiten der Gottesbilder vielfältig sind. Wie wir von Gott sprechen, prägt auch unser Menschenbild. Diese Erkenntnisse sind nicht neu. Neu ist aber, dass immer mehr Gläubige von der Vorstellung eines männlich patriarchalen, weißen Gottesbildes befremdet sind und das auch laut sagen. Die männlich weiße Vorstellung von Gott greift theologisch zu kurz und erschwert vielen jungen Menschen den Zugang zu Gott. Andererseits ist für viele Katholik*innen mit der Verwendung des Gottesbegriffs im tradierten Sinne religiöse Heimat verbunden. Die Einführung von „Gott*“ wird daher innerhalb des Verbandes sensibel vorbereitet.

Beschlossen: „KjG für alle – Maßnahmen zur Inklusion“ Anliegen der KjG ist es, dass Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in Kirche und Gesellschaft ihre Persönlichkeit entfalten können. Förderbedarf, sexuelle Orientierung, sozialer Hintergrund dürfen dabei keine Rolle spielen. Der Mensch steht bei der KjG im Mittelpunkt, mit all seinen Fähigkeiten und Bedürfnissen. Darum hat der Bundesrat Maßnahmen zur Förderung von Inklusion auf KjG-Bundesebene beschlossen. Diese Maßnahmen tragen dem innerverbandlichen Inklusionskonzept Rechnung. Inhalt der Maßnahmen ist auch die Vernetzung in Sachen Inklusion mit anderen Verbänden.

Geteilt: Die KjG teilt mit UNICEF und der Non-Profit Organisation UVIKANJO aus dem Klimaschutz. Die KjG spendet einen Betrag in Höhe von 0,7% ihrer staatlichen Zuschüsse an UNICEF, für Impfungen gegen COVID weltweit. Die KjG fördert dadurch Maßnahmen im Bereich Entwicklungspolitik. Außerdem fließt ein Betrag in Höhe von 0,3% ihrer im Jahr 2020 erhaltenen staatlichen Zuschüsse an das Klimaschutzprojekt Baumpflanzaktionen (Kieferplantagen) der UVIKANJO, einer Partnerorganisation der KjG im Bistum Würzburg, im Bistum Njombe (Tansania). Bereits 1975 hatte sich Deutschland gemeinsam mit den Ländern der Vereinten Nationen dazu verpflichtet, staatliche Mittel in Höhe von 0,7% des Bruttonationaleinkommens (die sogenannte ODA-Quote, Official Development Assistance) für die Entwicklungszusammenarbeit und die humanitäre Hilfe bereitzustellen. In den letzten 41 Jahren hat die deutsche Bundesregierung es erst einmal umgesetzt, mit ihrem vollen Beitrag von 0,7% des Bruttonationaleinkommens zur offiziellen Entwicklungszusammenarbeit beizutragen.
Die KjG möchte als politischer Kinder- und Jugendverband mit ihrer Spende für die Entwicklungszusammenarbeit ein Zeichen setzen und die Politiker*innen wiederholt daran erinnern, ihre Vereinbarungen auch weiterhin einzuhalten.

Fahrt aufgenommen: „MachMal!“ KjG-Großveranstaltung. Endlich wieder zusammen sein! 2022 werden KjGler*innen sich in Horb auf den Neckarwiesen treffen, um zu diskutieren, zu feiern und gemeinsam zu beten. „MachMal!“ setzt den Fokus auf die Schwerpunktthemen Nachhaltigkeit und Ökologie sowie Engagement für Demokratie und Menschenwürde.

2021 KjG Herbstbundesrat Abschluss
KjG-Herbstbundesrat-Delegation 2021

01) Kernmedien

Simon Schwarzmüller

Simon Schwarzmüller ist vierundzwanzig Jahre alt und der neue Bundesleiter der KjG. Der Weg, der ihn hierhergeführt hat, begann in der Pfalz, in einem kleinen Ort. Hauenstein. Es ist ein Dorf mit rund 4000 Einwohner*innen. Bekannt ist es für seine Schuhe. In Hauenstein steht das Deutsche Schuhmuseum …

…und es gibt eine KjG Pfarrei-Gruppe …
Simon: Genau. Ich bin als Kind schon damals in die KjG gekommen. Eine Großaktion von damals war der Ferienspaß. Gibt’s immer noch. Eine Woche in den Sommerferien: Spiel, Spaß, Spannung, Action mit anderen Kindern im gleichen Alter. Da habe ich erst als Teilnehmer mitgemacht und bin dann später auch als Leiter dazugekommen. 2014 wurde ich Pfarrleitung in Hauenstein und habe das Ganze dann hauptverantwortlich organisiert – bis ich 2017 zur Diözesanleitung gewählt wurde.

Als du als Kind in der KjG warst, was waren denn da so die Nöte und die Interessen von dir und deinen KjG-Kumpel*innen?
Simon: Als Kind ging es vor allem erstmal darum, einen Ort zu finden, an dem ich mit meinen verschiedenen Freund*innen zusammenkommen und dort zusammen gemeinschaftliche Aktionen erleben konnte. Das war in der Gruppenstunde und auch in den Ferienfreizeiten der Fall. Natürlich stand da der Spaß im Vordergrund. Aber die KjG war auch ein Ort, wo es für uns Kinder Raum gab, uns einfach mal auszuprobieren.

Es ist auch ein Raum gewesen, um eine Art von Religion oder Bezogenheit zu Gott auszuleben. Bist du über deine erste heilige Kommunion zur KjG gekommen?
Simon: Ich war vorher schon in der KjG. Ein Freund hat mich in die Gruppenstunde mitgenommen. Durch die Kommunion bin ich dann aber auch noch zu den Messdienern gekommen und die Messdiener und die KjG sind bei uns eng verknüpft.

Ihr wart rein analog unterwegs. Digitalisierung oder so hat, glaube ich, noch keine Rolle gespielt …
Simon: Das auf jeden Fall. Also, es war so: Wir haben uns einmal die Woche getroffen zur Gruppenstunde und natürlich gab es die Sommerfreizeiten. Da gab es noch kein WhatsApp oder E-Mail-Newsletter, das ging alles analog.

Merchandising habt ihr aber gemacht und du hast gesagt, ihr habt was mit Dubbegläsern gemacht. Ich persönlich komme aus dem Rheinland und Dubbe kenne ich gar nicht. Was sind denn Dubbe?
Simon: Wir haben ganz verschiedene Merchandising-Artikel gemacht und eins davon waren z.B. die KjG-Dubbegläser. Das ist ein Produkt aus der Pfalz oder vor allem in der Pfalz bekannt. Es ist eine Art Weinglas, worin kleine runde Einkerbungen sind, um es besser halten zu können. Das haben wir mit dem KjG-Seelenbohrer bedruckt.

Du bist, wie erwähnt, ein Pfälzer. Was bringst du denn aus der Pfalz heraus auf die Bundesebene mit? Was ist pfälzisch?
Simon: Ich würde sagen, im Vergleich mit NRW, wo auch die Bundesstelle in Düsseldorf ist, ist die Pfalz doch sehr ländlich geprägt, also viele kleinere Orte. Es gibt viele KjGs in eher ländlicheren Gebieten. Das ist eine andere Arbeit als in einer größeren Stadt oder auch in einem sehr städtischen Gebiet allgemein.

Was würdest du sagen: Gibt es spezielle Problematiken z.B. für die DV-Ebene? Oder gibt es eine spezielle Problematik für die Pfarrei-Ebene? Oder ist das von der Region abhängig?
Simon: Also ich glaube, gerade aktuell gibt’s schon ein Thema, was uns alle beschäftigt. Und das ist die Corona-Pandemie und wie Jugendarbeit in und nach der Pandemie gut funktionieren kann. Ich merke bei vielen Ortsgruppen, dass da die Fragestellung ist: „Wie kann es weitergehen bei uns, in den Gruppenstunden, in den Freizeiten?“ Ich erlebe jetzt gerade, dass sich viele die Mühe machen und Freizeiten planen, auch mit der eventuellen Unsicherheit, dass diese ausfallen. Sie sagen einfach: „Wir möchten gute Angebote für Kinder und Jugendliche leisten.“ Das motiviert mich! Einfach zu sehen, dass es da so viele Bestrebungen gibt. Ich erlebe, dass es auch ein größeres Thema ist, wie es mit den Schulungen weitergeht, eine Aufgabe, die oft von den Diözesanverbänden übernommen wird. In den letzten anderthalb Jahren waren größtenteils nur digitale Schulungen möglich und es wurde sehr viel innovativ überlegt und konzipiert, wie man diese im digitalen Raum umsetzen kann. Aber ich glaube, was auch hängengeblieben ist, ist, dass so einfach keine Schulung in Präsenz ersetzt werden kann.

Welches Anliegen hast du in Bezug auf Schulungsarbeit?
Simon: Ich würde gerne die Schulungsarbeit im Bundesverband noch ein bisschen stärker in den Blick nehmen. Schulungsarbeit ist ein sehr großes Thema in vielen Diözesanverbänden und ich denke, da kann es für die KjG gewinnbringend sein, wenn wir voneinander profitieren, uns gegenseitig austauschen: Wie läuft Bildungsarbeit in den unterschiedlichen Diözesanverbänden? Und gerade, wenn dann so eine Situation kommt wie jetzt diese Pandemie, kann man auch sehr schnell voneinander lernen. Ich denke, in diesem Bereich können wir uns weiterentwickeln und uns bundesweit vernetzen, weil die Schulungsarbeit ein sehr wichtiges Thema innerhalb der KjG ist, zum Schutz der Gruppenleiter*innen und der Kinder bzw. Jugendlichen.

Ich stelle mir deinen Weg durch die KjG gerade wie so ein umgekehrter Wasserfall vor: Pfarrei-DV-Bundesebene. Was hast du denn von der Pfarrei auf die nächste Ebene mitgenommen? Was bringst du jetzt aus der DV-Ebene mit?
Simon: Also einerseits, was mein Feuer für die KjG richtig entfacht hat, war einfach, diese Gemeinschaft zu erleben. Das hat begonnen in der Pfarreiebene, und das war auch etwas, was ich auf die KjG-Diözesanebene mitgebracht habe: Das Ziel, auch im Diözesanverband diese Rahmenbedingungen, Veranstaltungen und Angebote zu schaffen, wo junge Menschen Gemeinschaft erleben können. Von meiner Zeit als Diözesanleitung bringe ich die bundesweite Perspektive und Vernetzung mit. Die KjG ist ja ein Verband, der deutschlandweit aktiv ist. Es gibt Gruppen, die da sehr aktiv sind in dieser Verbandsstruktur und es gibt andere Gruppen, die sich eher auf ihre Arbeit vor Ort konzentrieren. So kommt es auch vor, dass wir als KjG-Diözesanebene oder Bundesebene nicht alle KjGler*innen, die vor Ort Mitglied sind, erreichen. Das hatte ich damals in meiner KjG-Zeit auch selbst erlebt, bevor ich Pfarrleitung wurde. Es war ein anstrengender Prozess, da die Kontakte zu knüpfen und wiederaufzubauen. Gleichzeitig habe ich auch gemerkt, dass das einen großen Vorteil mit sich bringt. Das war ein Erlebnis, das mich geprägt hat und das ich jetzt mitbringe. Auf Bundesebene bedeutet das, dass wir daran arbeiten müssen, dass auch diese innerverbandliche Vernetzung sehr gut funktioniert.

Die hat zum einen auch mal nicht nur innerverbandlich, sondern sogar auch mit dem BDKJ sehr gut funktioniert: mit der 72-Stunden-Aktion. Da warst du auch dabei. Das war analog – vor Ort. Die Pandemie hat uns ins Digitale gezwungen mit interessanten Nebeneffekten …
Simon: Wir im Diözesanverband Speyer haben zu Beginn der Pandemie relativ schnell unser digitales Format „KjG vs. Corona“ eingeführt. Das waren monatliche Vernetzungs-, Spiele- und Austauschangebote für Menschen aus den Pfarreien. Und da haben wir gemerkt, wir erreichen einfach plötzlich ganz viele andere Menschen, die wir vorher nicht erreicht haben. Überregionale KjG-Arbeit ist ja auch mit räumlicher Distanz und Fahrtzeiten verbunden. Diese Mobilität muss man einerseits zeitlich, aber auch dann generell erst mal mitbringen. Da haben wir gemerkt, dass der digitale Raum auch Möglichkeiten bietet, wenn man sich mal schnell zuschalten kann zu einem Abendtermin. Da haben plötzlich KjGler*innen aus ganz verschiedenen Regionen teilgenommen, die auch außerhalb des Bistums oder sehr weit entfernt in Deutschland gewohnt haben, aber immer noch mit der KjG verbunden sind. Es ist ein Learning aus der Pandemie für uns gewesen, dass wir diese Möglichkeit durchaus auch noch weiterhin nutzen können.

Das Mitmachen in der KjG, was ist das für dich? Eine kulturelle Teilhabe, eine religiöse Teilhabe, eine politische Teilhabe für junge Leute?
Simon: Ich denke, es kommt alles zusammen und ich glaube, die KjG wächst auch mit einem selbst mit. So war es zumindest bei mir. Als ich als Kind in die Pfarrei, die Gruppenstunde, gekommen bin, da ging es vor allem um die Gemeinschaft, um Spiel, Spaß, Freund*innen kennenlernen und natürlich auch die religiöse Komponente. Sei es als Impuls bei Freizeiten oder im Gottesdienst oder in der Gruppenstunde. Aber, je älter ich geworden bin, desto eher habe ich mich dann an der Diözesanebene orientiert und auch am Bundesverband. Da merkt man dann, die KjG ist ja auch ein sehr politischer Verband mit klaren Positionen. Die KjG ist für mich ein Ort, um sich selbst eine Meinung zu bilden und dann eben diese auch zu vertreten zu lernen.

Jetzt hast du die Chance in der Bundesleitung einiges mitzugestalten. Du hast zwei Schwerpunktthemen mitgebracht. Das eine kinder- und jugendpolitische Vertretungsarbeit …
Simon: Das Thema liegt mir schon sehr lange am Herzen. Wir hatten ja gerade schon darüber gesprochen: Was ist KjG? Wie politisch ist die KjG? Das große politische Thema, womit ich mich als erstes in der KjG auseinandergesetzt habe, war das Thema Mitbestimmung für Kinder und Jugendliche und z.B. auch das Thema Wahlrecht. Da haben wir als KjG ja die Forderung Wahlalter ab 0, das heißt also Wahlrecht ab der Entscheidung, dass ich mich dazu reif fühle. Das ist ein Thema, das auch immer wieder in der gesellschaftlichen Diskussion aufkommt. Gerade vor zwei Jahren im Zuge der Fridays for Future Demonstrationen wurde es groß diskutiert, als allen deutlich wurde, dass Kinder und Jugendliche durchaus eine politische Meinung haben. Dass weiterhin Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren aufgrund ihres Alters z.B. systematisch von Wahlen ausgeschlossen sind oder auch in anderen Bereichen einfach nicht entsprechend berücksichtigt werden, hat man jetzt auch während der Corona Pandemie gemerkt. Das ist etwas, was ich gerne ändern möchte und in diesem Bereich eine politische Stimme für Kinder und Jugendlichen sein möchte.

Die andere Sache ist die Digitalisierung.
Simon: Genau, darüber haben wir ja auch schon gesprochen. Das ist natürlich einerseits ein gesamtgesellschaftliches Thema in Deutschland und der ganzen Welt. Es sind auch neue gesellschaftliche Fragestellungen, die dadurch aufgeworfen werden, auch netzpolitische Fragestellungen. Aber Digitalisierung ist nicht nur gesellschaftlich zu betrachten, sondern auch für uns als KjG und als Verband ein Thema. Ich glaube, da sind wir aktuell schon auf einem sehr guten Weg und da auch durchaus vielleicht der Gesamtgesellschaft ein bisschen voraus. Aber wir müssen uns als Verband auch stetig weiterentwickeln und die Möglichkeiten nutzen, die sich dadurch bieten.

Als KjG müssen wir aus der Zukunft denken, auch was unsere Mitglieder angeht. Was bedeutet das für dich? Aus der Zukunft denken?
Simon: Wir kriegen das ja in der KjG vielerorts mit. Wir haben hier eine Veranstaltung, wir haben eine Gruppenstunde und wir erreichen bestimmte Personen und das passt ja. Aber ich glaube, es gibt auch viele Menschen, die sich durch das Format oder durch die Art und Weise, wie die Veranstaltungen gestaltet werden, nicht angesprochen werden. Ich denke, da müssen wir unseren Blick weiten und schauen, wie wir auch Personen ansprechen können, die jetzt nicht zu der standardmäßigen Klientel der KjG gehören. Wir sollten uns als KjG öffnen und ein Ort sein für alle Kinder oder Jugendliche, egal woher sie kommen, egal welchen Geschlechts, mit und ohne Förderbedarf.

(2021 / Das Interview führte die Referentin für Öffentlichkeitsarbeit Babette Braun)
*Anmerkung: Das Interview wurde im Juli vor der Flutkatastrophe 2021 geführt

Als Ruhrpott-Steppke wird Marc Eickelkamp Teil der KjG. Ferienfreizeiten, Segelturns und Mitgestaltung gewinnen ihn für die KjG. Auf Bezirkskonferenzen schnuppert er dann Politikluft und bemerkt, dass er Satzungstexte ganz spannend findet. 2008 wird er Bezirksleiter für Herne – dem sogenannten Fahrradbezirk, der so heißt, weil man den mit dem Fahrrad mal eben abfahren kann. Dann geht es in den Diözesanausschuss Paderborn und 2015-2021 ist er Teil des Bundesleitungs-Teams. Nun 2021 endet seine Amtszeit, Zeit für einen Rückblick.

Was war dir als Kind in der KjG wichtig?
Eine Sache, an die ich mich erinnere, war, dass wir relativ viel mitbestimmen durften. Also was machen wir an Inhalten? Was ist das Programm vom Ferienlager? Welche Spiele werden gespielt? Das fand ich interessant und daran habe ich mich später auch als Gruppenleitung orientiert. Ich habe versucht, die Kids da aus meiner Gruppenstunde partizipativ einzubeziehen.

Welche Fähigkeit hast du in der KjG als Kind an dir entdeckt?
Ich glaube, ich war ein relativ nerviges Kind, naja, jedenfalls habe ich immer viel hinterfragt oder mal gesagt: “Ja okay, kann man das nicht auch so machen?” Ob das jetzt direkt eine Fähigkeit ist… man würde vielleicht sagen, dass ich entdeckt habe, dass ich ein wenig begabt bin, auch mal hinter etwas zu schauen und zu entdecken, welche Prozesse laufen und die Frage zu stellen, ob man etwas nicht auch anders machen kann.

In einer Rede hast du einmal gesagt: “Ich habe in der KjG die Wurzeln meines Glaubens.” Was meintest du damit?
Also das ist ja immer etwas, das nicht so richtig greifbar ist mit diesem Glauben. Ich hab an verschiedenen Stellen in meiner Jugend Glaubenserfahrungen gemacht. Das waren natürlich auf der einen Seite die Erfahrungen, die man in der Pfarrei gemacht hat: Thomas Pochel, unser Pfarrer, war selbst in seiner Jugend KjG Diözesanleiter in Paderborn. Ich war auch Messdiener, das hat mich natürlich mitgeprägt. Gottesdienste in der KjG oder spirituelle Impulse sind ja häufig auch verknüpft mit irgendwelchen aktuellen Themen. Das hat angeregt, zusammenzudenken, dass Politik und Glaube und Umwelt irgendwie zusammengehören und wir nach dem Vorbild von Jesus Christus dann entsprechend eben auch in der Gesellschaft handeln, Aufgaben wahrnehmen und Dinge tun. Spirituelle Momente habe ich dann mit der KjG bei größeren Veranstalungen erlebt: dem Weltjugendtag oder auch als wir in Brasilien für einen Monat in einem Projekt waren. Dort sind wir mit den Leuten ins Gespräch gekommen und haben deren Glauben kennengelernt – Gemeinsamkeiten Unterschiede entdeckt. Das waren so Momente, in denen die KjG meinen Glauben nochmal vertieft hat. Daran denke ich gerne zurück.

Dein Interesse am Spirituellen hast du sozusagen in dein Amt in der Bundesleitung mitgenommen. Du hast den Bereich Glaube und Spiritualität betreut. Was hast du dir darunter vorgestellt und war das dann auch so?
Mir ist ehrlicherweise der Punkt des Glaubens in der KjG etwas zu kurz gekommen. Nochmal drauf zu schauen, wie sind wir eigentlich unterwegs und wie kann man in konkreten Worten dieses KjG-Glaubens-Feeling eigentlich beschreiben, was uns alle zusammenschweißt? Ja, da hätte ich gerne noch ein bisschen mehr gemacht. Aber, da knüpft man sicherlich noch an. Ich glaube, in vielen Bereichen sind wir da an aktuellen Themen dran und verknüpfen die auch politisch. Aber natürlich kann man in der Politik mehr bewegen als in der Kirche. Kirche ist nicht demokratisch. In der Kirche entscheiden einzelne Personen, also die Bischöfe, über das, was in ihrem jeweiligen Bistum passiert.

Und dieser Spirit, den du als Kind und Jugendlicher erfahren hast, konntest du den dann wiederfinden?
Ich glaube, der Spirit, wie du ihn beschreibst, ist an vielen Stellen ausschlaggebend für das, wie wir auftreten und handeln. An Ort und Stelle, aus unserem Glauben, unsereren Überzeugungen heraus Dinge zu tun. Das hab ich in meiner Arbeit überall mit hingenommen. Dieses “andere Menschen daran teilhaben lassen” ist natürlich in einem Impuls oder so mal mitgeschwungen, aber sonst ist es eher über die inhaltliche Ebene und weniger über dieses Konkrete “Wir machen gemeinsame Gottesdienste” passiert.

Welches Ereignis würdest im Zusammenhang mit Spiritualität und Glauben hervorheben wollen?
Das Spannendste in der KjG in Bezug auf Spiritualität und Glaube ist glaube ich tatsächlich gar nicht in meiner Zeit als Bundesleiter passiert, sondern davor. Da gab’s den “Ich bin da” Gottesdienst. Dabei konnten wir alle in der KjG gemeinsam, aber dezentral, jeder in seiner Pfarrei an einem bestimmten Wochenende Gottesdienst feiern. Es gab Materialien von der Bundesebene und dann war bei der Umsetzung klar, dass ist der Ich-bin-da-Gottesdienst und man konnte schauen, wie bin ich denn da? Motiviert, müde, traurig, wütend… Als KjGler mit anderen Leuten zusammen, jung und alt. Das war ein schönes Gefühl, dass man bundesweit zusammengekommen ist, aber trotzdem an verschiedenen Orten war.

Du bist auf dem Gebiet Glaube aber auch Trollen begegnet. Du hattest ein kleines Battle mit Bischof Oster. Um was ging es da?
Ja, das bringt leider die Arbeit als Bundesleiter an verschiedenen Stellen mit sich. Ich differenziere jetzt mal zwischen Trollen und dem Bischof an der Stelle!
Ich hatte mich in eine Debatte, die in den digitalin Medien zwischen Maria Flachsbart als Vorsitzende des Deutschen Frauenbundes und Bischof Oster geführt worden war, eingemischt. Thema: Selbstbestimmung der Frau – also schlichtweg auch Selbstbestimmung in puncto Sexualität und auch über den eigenen Körper. Bischof Oster hatte in einem Beitrag von sich formuliert, dass Maria Flachsbart aus seiner Sicht dann nicht katholisch unterwegs sei, weil sie eben auch in puncto Empfängnisverhütung und Abtreibung Positionen vertritt, die eben nicht katholisch seien. Das kann ja erstmal so sein, also Meinungsverschiedenheiten sind ok. Er hat dann aber aus meiner Sicht in einer unangebrachten Art und Weise ihr den Mund verboten und ihr die Glaubwürdigkeit abgesprochen. Das ist dann irgendwie schwierig, wenn dann die Kirche, die ja eigentlich die moralische Vorbildfunktion haben sollte, so etwas tut. Ich bin da dann aktiv eingeschritten. Viele BDKJ Mitglieder haben das Geliked, was dann zu einer Grundsatzansage von Bischof Oster geführt hat in seinem Blog-Beitrag. Und ja, das zieht dann eben auch so Shitstorm-Geschichten nach sich, wo man Nachrichten bekommt, die man eigentlich nicht braucht.

Ist man als Bundesleiter öfter einem Shit-Storm ausgesetzt?
Als KjG Bundesleitung haben wir in der Vergangenheit auch immer wieder zu kritischen Themen Stellung bezogen, gerade, wenn es um Gleichberechtigung, Sexualität, Frauenrechte und ähnliche Themen geht. Man ist ja an vielen Stellen einfach Hass im Netz ausgesetzt oder auch Beleidigungen. Das, was wir als Trolle bezeichnen, ist tatsächlich ja schwierig zu fassen. Der Begriff bewegt sich zwischen Menschen, die tatsächlich trollen, also irgendwie uns auf falsche Fährten locken wollen, so ein bisschen neckisch unterwegs sind und solchen, die versuchen, die KjG in Misskredit zu bringen. Wenn man sich dann zu Themen äußert und positioniert und man kriegt dann Hassnachrichten also “du sollst in der Hölle schmoren” oder Ähnliches (da gibts noch mehr Sachen, die deutlich drastischer sind, aber das lassen wir jetzt mal hier an der Stelle außen vor) das ist natürlich schon etwas anderes und absolut grenzwertig. Ich würde mir da auch einen anderen Umgang in unserem Bereich wünschen. Menschen, die in unserer Kirche und unserem Glauben leben sollten meiner Meinung nach sowas eigentlich nicht unterstützen.

Du hast ja ganz klar Bischof Oster von den Trollen abgegerenzt, was aber war denn seine Rolle in dem Zusammenhang?
Bischof Oster ist als Jugendbischof in einer Position, in der er sich eigentlich schützend vor die Jugend stellen müsste. Er hat natürlich an verschiedenen Stellen auch konservativere Positionen als die KjG, was erstmal nicht schlimm ist. Man muss aber gesprächsbereit und offen sein und auch andere Positionen zulassen, die nachvollziehen und auch nochmal zuhören, warum diese so sind. Da hätte ich mir in den letzten Jahren mehr Engagement gewünscht, die Verbände nochmal mehr kennenzulernen oder vielleicht auch noch ein bisschen mehr Wertschätzung für diese zu empfinden und diese auch zum Ausdruck zu bringen. Das heißt nicht, dass das nicht der Fall war, sondern dass man an vielen Stellen, gerade wenn es um Debatten im Internet ging, eher das Gefühl hatte, da wird gerade diesen Trollen oder Menschen Tor und Tür geöffnet. Die durften sich dann austoben, auch auf den Instanzen von Bischof Oster in Facebook oder Ähnlichem und da war eben keine schützende Hand über der Jugendverbandesarbeit an der Stelle.

Das passt zu dem anderen Thema, mit dem du dich sehr stark beschäftigt hast, Demokratie. Wie würdest du denn das Verhältnis von KjG und Demokratie in zwei Sätze beschreiben?
Zum einen, die KjG ist grunddemokratisch. Zum anderen, die KjG verteidigt die Demokratie.

Was ist für dich faire Demokratie?
Hm, das ist schwierig, weil Demokratie natürlich grundsätzlich erst einmal eine Haltung ist, in der wir in unserer Gesellschaft unterwegs sind und in der wir quasi uns dann auch gegenüber anderem Verhalten äußern. Ich würde zum Beispiel sagen, wenn wir uns jetzt mit Politik beschäftigen, ist ein fairer Umgang der Demokratie an sich, alle Positionen zu tolerieren – akzeptieren ist vielleicht schon zu weit gegriffen, aber zu tolerieren wäre auf jeden Fall drin. Gleichzeitig aber auch klar zu haben, was sind denn demokratiezuträgliche und was sind demokratiefeindliche Punkte? Wir haben uns ja zuletzt nochmal deutlich gegen die AfD ausgesprochen und betont, dass wir als KjG deren Grundsätze nicht als vereinbar sehen, mit der Grundhaltung der KjG. Von daher würde ich sagen, wir als KjG sind für eine positive Demokratie, wollen einen fairen Umgang haben, wollen keine demokratiefeindlichen und faschistischen Menschen und Positionen dulden – wie es die AFD tut. Da müssen wir uns klar abgrenzen.

Lernt man in der KjG so etwas wie Demokratie aushalten?
Tja, das ist natürlich immer schwierig. Wir haben relativ hohe Maßstäbe an das, was wir als Demokratie in der Gesellschaft und in unserem Verband verstehen. Und es gibt ja bei uns immer wieder Irritationen, warum jetzt diese oder jene Entscheidung, die demokratisch gefällt worden ist, vielleicht nicht so optimal ist. Da gibt es in der KjG Geschichte Beispiele, dass Beschlüsse mal knapp gefasst worden sind oder Wahlen nicht so ausgehen, wie man es sich gewünscht hat. Aber grundsätzlich haben wir natürlich mit unserer Demokratie eine hohe Verantwortung. Das heißt, die Leute müssen sich bewusst sein, wenn sie ihre Stimme für dies oder jenes abgeben, hat das immer auch Konsequenzen. Wenn wir uns jetzt im September zum Beispiel für Partei X oder Y entscheiden, dann hat das Konsequenzen für die nächsten vier oder fünf Jahre.

Du hast an anderer Stelle mal darüber gesprochen, dass es eine Chance sei, Verantwortung zu übernehmen
Ja, das resultiert aus meiner Überzeugung, dass wer Kritik übt, auch bereit sein muss, Verantwortung wahrzunehmen. Und natürlich kann ich nur, wenn ich Verantwortung auch wahr- und ernstnehme Dinge verändern. Und das ist, glaube ich, die Chance dahinter. Dinge kann man dann verändern, wenn man selbst in Verantwortung kommt und diese auch ernsthaft wahrnimmt.

Die KjG ist ziemlich lebendig, wächst vor sich hin und erneuert sich ständig. An welcher Stelle hat die KjG gerade Wachstumsschmerzen?
Tja, natürlich setzt uns da ganz offensichtlich die Corona Pandemie zu, weil der Kern des Geschäfts natürlich die Ferienfreizeiten sind. Ich glaube, in vielen, vielen Ortsgruppen ist das das zentrale Event im Jahr, alle arbeiten daraufhin, im Herbst oder Sommer wegzufahren oder das Pfingstlager zu gestalten. Das ging jetzt zwei Jahre lang nicht und das ist, glaube ich, für die Leute schmerzhaft, die das vorbereiten und natürlich auch für die, die dann eben nicht daran teilnehmen können. Da verlieren sie vielleicht den Kontakt, sind nicht mehr so im Bilde und das ist, glaube ich, ein großes Problem. Das andere ist: Wir müssen jetzt aufpassen, dass wir die Kinder und Jugendlichen wieder gut in den Verband integriert bekommen. Die ganzen Studien zeigen ja, dass gerade die Kinder und Jugendlichen sehr unter der aktuellen Situation gelitten haben und wir wollen natürlich schon ein Ort sein, an dem sich Kinder und Jugendliche auch sicher, geborgen und auch frei im weitesten Sinne fühlen können, das zu tun, was sie gerne möchten.

Das bringt mich zu der nächsten Frage. Was ist denn dein Gefühl für die KjGler*innen?
Die KjG ist ein sehr gefühlvoller Verband. Da geht es auch mal lebhaft her und ich glaube, man muss, wenn man in der KjG ist, mit Herzblut dabei sein, aber auch etwas abkönnen. Ich finde es bringt viel Freude mit sich, wenn man in der KjG unterwegs ist, fremde Menschen und auch andere Themen kennenlernen darf. Ich glaube schon, das wäre vor allem Freude, was ich als Gefühl beschreiben würde.

Die Menschen hier in der Bundesstelle verbinden dich mit gutem Kaffee, dem Kaffeedude, und Versorgen mit leckeren Sachen, die du mitbringst. Außerdem gibt es Wörter von dir, die speziell sind. Eins hab ich mitgebracht und das ist “Nupsi”. Was bitte ist ein Nupsi?
Nupsi kann Verschiedenstes sein. Also, stellt euch mal vor, ihr habt eine Abdeckung von irgendetwas also so Steckdosen – Abdecker oder so, die macht ihr weg. Dann sagt doch niemand Abdeckkappe sondern “Gib mir mal das Nupsi”, weil man nicht genau weiß, was das für eine Funktion hat bzw. wie der fachkorrekte Ausdruck dafür wäre. Damit kann man das einfach so beschreiben, “hier das Nupsi”, das ist das, was man gerade so braucht.

Jetzt hast du einen Flug frei: In welchen KjG Moment würdest du dich gerne mal zurückbeamen, wenn du das könntest?
Wir haben auf unserer Sommerklausur, wo wir die Übergaben gemanagt haben, in der Bundesleitung über die neue Großveranstaltung gesprochen. Da ist man schon ein bisschen wehmütig geworden, doch nochmal bei DenkMal! vorbeizuschauen. Von daher, wenn ich jetzt den Moment genau abpassen würde, würde ich sagen DenkMal!, Mittagspause, Hängematte. Einfach mal gucken, was die Leute so treiben. Ich hab mich dann einfach in die Hängematte gelegt, mitten im Gewusel. Das war sehr cool. Da würde ich jetzt gern mal eine halbe Stunde abhängen.

Nun gehen wir in die andere Richtung – Zack – in die Zukunft. Was sollte die KjG in die nächste Generation transportieren?
Wir diskutieren ja gerade an vielen Stelle: “Sind unsere Themen verständlich für Kinder und Jugendliche, wie kriegen wir das nochmal besser organisiert?” Ich glaube, wir müssen uns weniger die Frage stellen “Ist das alles schon so?” sondern “Wie kriegen wir das zusammen hin, dass das so ist?” Wir haben in unserem Verband richtig viel Know how, also schon alleine auf der Bundeskonferenz hocken 120 kluge Leute zusammen, die haben alle ihre Fähigkeiten, Talente und Charismen. Und wir müssen schauen, dass wir da gemeinsam einen klugen Weg finden und eben die Talente und Fähigkeiten nutzen, die wir von Gott geschenkt bekommen haben und dann das Ganze so einsetzen, dass wir die KjG voranbringen.

Du verlässt die KjG nun als Teil der Bundesleitung. Wahrscheinlich bleibst du ihr immer verbunden, als ein Stück Heimat. Es ist ein bisschen wie bei Bilbo Beutlin, der wollte eigentlich eine Pfeife rauchen, dann hatte er dieses Zeichen an der Tür und er geht los auf Reisen. Das wird dann ja das Abenteuer “Der kleine Hobbit”. Ganz viele Sachen passieren ihm. Du gehst jetzt auch weiter, in ein nächstes Abenteuer, was würde dich reizen?
Ich habe immer mal wieder überlegt, was man so nach der KjG machen könnte. Eigentlich hatte ich gedacht, ich gehe mal in ein anderes Land. Das ist jetzt mit dieser aktuellen Pandemie eher schwierig, von daher ist dieser Gedanke erst einmal auf Eis gelegt. Weil ich aber tatsächlich gerade eher frustriert bin von dem Umgang unserer Kirche mit unseren Jugendlichen und gerade in puncto Missbrauch mit den Menschen, die da quasi der Kirche und den Tätern zum Opfer gefallen sind, bin ich, glaube ich, erst einmal aus dem kirchlichen Bereich raus. Also, ich würde mich in anderen Bereichen nochmal umschauen, vielleicht in der Politik, vielleicht im Hilfebereich…. mal schauen, was da so Spannendes auf mich zukommt. Vielleicht treibt man mich ja nochmal zurück in die Kirche, aber da muss schon noch einiges passieren. Ich hoffe, der synodale Weg hilft da nochmal. Von daher allen Menschen viel Kraft, die sich da gerade engagieren.

Was wünschst du der KjG?
Ich wünsche mir, dass die KjG weiterhin als Expertin wahrgenommen wird und wir Vorreiterin sind. Ich wünsche allen Menschen in der KjG, dass sie weiterhin mutig, engagiert und offen bleiben für alles, was da an Themen auf sie zukommt, für alle Veränderungen, für alle Prozesse, für alle Ideen. Und ja, in diesem Sinne – Gottes Segen.

(Das Interview führte Öffentlichkeitsreferentin Babette Braun zum 31.07.2021)

Hier die Show zum Jubiläum in voller Länge. Zwei der Highlights: Ein Kunstwerk, das vor laufender Kamera entsteht und ein Biss…

Hier könnt ihr das Material zur U18 Wahl bestellen.

„Der Herr lasse mich nicht nur für etwas beten, er lasse mich auch dafür arbeiten.“

Einer der inspirierenden Gedanken unseres Patrons Thomas Morus.

Thomas Morus – auch heute noch topaktuell
Nicht nur die Inhalte, für die Thomas Morus steht, sind für die KjG immer noch von Bedeutung. Vor allem auch seine Art und Weise und die Haltung, mit der er für seine Überzeugungen eingestanden ist und – im wahrsten Sinne des Wortes – den Kopf hingehalten hat, können für uns und unser Engagement vorbildlich sein:

       – kritisch mitdenken

       – verantwortlich handeln

       – auf das Gewissen hören

       – den Visionen trauen

       – den Humor nicht verlieren

Thomas Morus macht deutlich, dass „nur Mitlaufen“ und „langes Diskutieren“ – ohne die Bereitschaft zur Entscheidung und zum Handeln – keine Aussicht auf Erfolg haben. In vielfacher Hinsicht sind wir als junge Christ*innen aufgerufen Entscheidungen zu treffen. Beispielsweise müssen wir entscheiden, wie wir unseren Glauben und unser Leben zeitgemäß gestalten. Das Leben des Christen Thomas Morus kann uns dabei eine Orientierung sein.

Unsere Anregung zum heutigen Gedenktag von Thomas Morus: Mach dir doch noch mal bewusst wofür/woran du arbeitest – in unserer Gesellschaft und unserer Kirche. Welche Themen treiben dich an? Weil wir wissen, dass das nicht immer leicht ist, hier noch ein Segensspruch unseres Patrons:

„Der Herr gebe euch
ein witzig Gemüt,
damit die Menschen sich selbst
nicht so wichtig nehmen
und von Herzen lachen“



50 Jahre KjG – haben wir gefeiert – digital per Zoom. Hier ein paar Bilder von der Jubiläumsshow picke packe voll mit Gästen, Filmen, Quiz und Action. Uuuund unserem Moderationsteam Isi + Felix.

Bevor die Show beginnt, wuseln hinter den Kulissen KjGler*innen hin und her, dann ist es soweit:

Unser erster Gast ist Alfred Klever. Er hat 1967 den Seelenbohrer entworfen, da hieß der aber noch „Das Symbol für Münster“ – denn 1968 war das erste Treffen von KFG und KJG in Münster, dafür wurde ein gemeinsames Symbol durch einen Wettbewerb gesucht – Alfred Klever hat es gefunden ;-). Und er zeichnet uns zum Jubiläum währen der Sendung einfach mal so aus der Hand einen Seelenbohrer zum Glückwunsch – Mega!

Der nächste Gast zu den 1980ern wird digital zu geschaltet: Arno Stuppy, er war als Referent für das Projekt „Arche Noah – Umweltaktion von Kindern“ (1986-1988) zuständig. Mit der ging es natürlich raus „Uns war klar, dass es nichts nutzt, sich in Pfarrheimen zu verschanzen“, sagt er. Da stellt sich die Frage: Was genau war denn die Arche Noah?

Arno Stuppy schaltet sich aus Süddeutschland dazu

Die Antwort sieht so aus:

In der Gästelounge warten schon die nächsten Interviewpartner*innen, Anette Rausch und Georg Meurer, sie bringen die 1990er ins Studio …

Mit ihnen geht es in die Themen Geschlechtergerechtigkeit, Frauen- und Männerarbeit

Die beiden bekommen von von Felix und Isi eine Schüssel mit Satzanfängen auf Papier und ergänzen die dann und danach gibt es auch noch einen Einspieler zum roten Song-Buch, über den sich alle amüsieren.

Amüsierter Rückblick

Weiter geht die Reise durch die KjG-Zeiten mit Lippenlesen. Isi performt – und fragt: „Was singe ich grade?“ Zack! Kommt blitzschnell die Antwort über den Chat: zu diesem Song: HeiHei! HohHoh! U UTopia ! Der Song schwappt uns ins Jahr 2008.

Zu dem Song gehört neben Utopia-Maskottchen, Utopia-Feeling auch Martin Diem, der trägt sogar unseren Gäste-Partyhut an seinem Strohhut.

Martin Diem erinnert sich: „Ich hatte das Gefühl, dass es in Deutschland allen eigentlich recht gut ging. Es fühlte sich ein bisschen so an, als passierte nichts. Es geht nichts nach vorne, es wird nichts gemacht für die Jugend – es geht nur um das Bewahren. Das hat auch ein bisschen die Stimmung pro Utopia ausgemacht, da war schon zu spüren, dass es irgendwie einen Aufbruch braucht, eine Bewegung und wir aktiv werden wollen, vor allem in den Themen, für die die KjG schon lange steht: faire Welt, faire Bezahlung, weniger Krieg, Geschlechtergerechtigkeit.“ Er freut sich, dass die KjG so präsent ist: „Es ist immer Aufgabe der Jugend, Sachen nicht hinzunehmen, sie zu hinterfragen und auch weiterzuschauen.“

Die Gäste Wechseln, der Mut zum Party-Hut bleibt :-). Da freut sich das Gastegeber*innen-Herz. Als nächstes geht es um ein Sternchen – den Gender*Gap, das leitet uns in die 2010er. Lena Bloemacher bringt es mit.

Lenas eigenen Anfänge mit der Geschlechtergerechten Sprache hat sie noch sehr präsent: „Ich erinnere mich sehr genau daran, als zum ersten Mal jemand vor mir einen Gendergap gesprochen hat, und ich habe es überhaupt nicht verstanden.“

„Ich habe dann gedacht: ‚Warum macht der jetzt immer eine Pause?‘ Dann habe ich den Kollegen in einem Seminar darauf angesprochen. Er hat gesagt, er hat das aus der Uni und hat mir das dann erklärt. Und ich habe gesagt: ‚Ja, verrückt. Ich habe das als Frau irgendwie so unangenehm empfunden.‘ Ich habe halt gedacht, der sagte immer Teilnehmer…Innen und macht so eine affektierte Pause dazwischen, um uns zu sagen, wie doof er das findet, dass er „Innen“ sagen muss. Ich hatte diesen Gap zuerst überhaupt nicht als das verstanden, was er ist. Dann hab‘ ich es verstanden und gedacht: ‚Ach, wie cool, das ist etwas, das wir machen müssen!’“

Jetzt ist der Gender*Gap für die Vielfalt ganz gut auf dem Weg – ist Lenas Erfahrung: „Zumindest innerhalb unserer Jugendverbände. Außerhalb erlebe ich keine riesige Akzeptanz. Ich bin privat noch in einem anderen Verein tätig, und da habe ich so das Gefühl, die lassen mich mit meinem Spleen so sein. Aber, wenn ich da gegendert spreche, dann bewerten die anderen das eher so: ‚Ja, die Lena macht das, und das ist auch ok, dass irgendwer das macht. Aber ich selber werd‘ es nie machen.'“

Auf geht’s an den Rand der 2010er und hinüber in die 2020er mit Rebekka und Yu aus der aktuellen Bundesleitung. Mit ihnen kommen die Themen „Nestlé Boykott“, „Aktion gegen Umgang der Bischofskonferenz mit der MHG-Studie“ und „Solidarisierung mit People of Colour“ vor die Kamera.
Und die Zukunft? „Die muss in der KjG und generell inklusiver werden! Die Vision ist eine gleichberechtigte Teilhabe an Gesellschaft für alle Menschen. Egal wie alt sie sind, ob sie eine Behinderung haben oder nicht. Egal welches Geschlecht oder sexuelle Orientierung sie haben. Egal woher sie kommen. Denn: „Allen Menschen kommt die gleiche Würde zu und das Recht auf Teilhabe,“ betonen Yu und Rebekka.

…. ach ja und Moderator Felix hat die Stange Biskin als Gastgeschenk zum Fressen gern ;-)))

DANKE ALLEN KJGLER*INNEN UND GÄSTEN FÜR DIESE TOLLE SHOW !!! 🙂

Yu

Julia Niedermayer stellte sich nach ihrer ersten Amtszeit (2018 – 2021) als Bundesleiterin erneut zur Wahl. Sie erhielt 89 von 90 Stimmen und wird nun für abermals drei Jahre das Amt bekleiden. Besonders einsetzen möchte sich die wiedergewählte Bundesleiterin in der kommenden Amtsperiode unter anderem für Inklusion: „Meine Vision ist eine gleichberechtigte Teilhabe an Gesellschaft für alle Menschen. Egal wie alt sie sind, ob sie eine Behinderung haben oder nicht. Egal welches Geschlecht oder sexuelle Orientierung sie haben. Egal woher sie kommen. Denn: Alle Menschen kommt die gleiche Würde zu und das Recht auf Teilhabe.“

Simon Schwarzmüller

Einen Wechsel gab es im Amt des männlichen Bundesleiters. Neu auf die Stelle des Bundesleiters gewählt wurde Simon Schwarzmüller mit 53 von 90 Stimmen. Er war zuvor vier Jahre Diözesanleiter im KjG Diözesanverband Speyer Er war bisher auf der Bundesebene in der Arbeitsgemeinschaft Mitgliedergewinnung und dem Verwaltungsrat aktiv. Er möchte sich besonders für die Stärkung der verbandlichen Arbeit, die Partizipation von Kindern und Jugendlichen sowie Digitalisierung einsetzen. „Kinder haben konkrete Vorstellungen von der Zukunft und wollen mitbestimmen. Das ist auch gut so! In einer Demokratie sollte jede Meinung gleich viel zählen, auch die von Kindern und Jugendlichen.“

Simon Schwarzmüller ist der Nachfolger von Marc Eickelkamp, der seit 2015 im Amt war. Ihm gilt ein besonderer Dank für sechs Jahre außergewöhnliches Engagement, er hat maßgeblich jugendpolitische Themen für den Verband gestaltet und die Anliegen der KjG im BDKJ vertreten.

Pressemitteilung Düsseldorf /Altenberg 25.05.2021

Bundesleitung der Katholischen jungen Gemeinde (KjG):

Bundeskonferenz der Katholischen jungen Gemeinde tagt und feiert Jubiläum mit Onlineshow nach

Digital erprobt, dynamisch und basisdemokratisch findet vom 26.05. – 30.05 die KjG Bundeskonferenz 2021 statt. Die KjG setzt sich für eine bunte, diverse Gesellschaft ein. Deutlich spiegeln dies auch die Themen, über welche die KjG Bundeskonferenz beraten wird. Auf dem Tisch liegen u.a. Anträge zu: „Segen schenken, Sexualmoral überdenken!“, „Wir wählen! NICHT die AfD.“ und „KjG für alle – Maßnahmen zur Inklusion“.

„Segen schenken, Sexualmoral überdenken!“, der Antrag steht für den Anspruch der KjG, Kirche mitzugestalten und ihre Empörung über die Absage der Glaubenskongregation zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare. Die KjG will sich solidarisch zeigen mit allen, denen Gottes Segen verwehrt bleiben soll. Die KjG rückt mit dem Antrag die zentrale Fragestellung des gottgegebenen Naturrechts in den Fokus und stellt es als Grundlage der kirchlichen Ablehnung vieler Arten von Beziehungen in Frage.

„Wir wählen! NICHT die AfD“. Die KjG steht für demokratische Teilhabe junger Menschen und setzt sich zu Wehr gegen die antidemokratische Haltung der AFD. In den letzten Jahren hat sich die Situation um rechte Tendenzen in Deutschland besorgniserregend verschärft. So nehmen rechtspopulistische und rechtsextremistische Positionen zu und werden immer mehr zur gesellschaftlichen Normalität. Die AfD vertritt diese als parlamentarischer Arm des Rechtsextremismus und erlangt dabei zunehmend politisches Gewicht. In dem Antrag geht es darum, dass die KjG sich eindeutig gegen antidemokratische Tendenzen positioniert, besonders im Wahljahr 2021.

„KjG für alle – Maßnahmen zur Inklusion“ In der Arbeit der KjG steht der Mensch im Mittelpunkt, mit all seinen Fähigkeiten und Bedürfnissen. Anliegen der KjG ist es, dass Kinder und junge Menschen ihre Persönlichkeit entfalten können, in Kirche und Gesellschaft. Das muss unabhängig davon sein, ob sie Förderbedarf haben, welchem Geschlecht sie angehören oder welche sexuelle Orientierung die ihre ist. Darum verhandelt die Bundeskonferenz über einen Antrag auf Maßnahmen zur Förderung von Inklusion auf KjG-Bundesebene. Außerdem beschäftigt sich die Bundeskonferenz mit einem Antrag zu inklusiven Zugängen zu geschlechtergerechter Sprache.

Jubiläum mit Gästen und Onlineshow am 29.05. Wegen der Corona-Pandemie musste das große Fest zu „50 Jahre KjG“ 2020 abgesagt werden. Nun wird die Feier im Rahmen einer Onlineshow mit Livegästen nachgeholt. Es wird eine kreative Zeitreise mit interaktiven Einlagen, passend zum Stil der KjG, geben.

Für Interviewanfragen steht die Bundesleitung gerne zur Verfügung.

Hinweise :
Die Bundeskonferenz ist das höchste beschlussfassende Gremium der Katholischen jungen Gemeinde (KjG) und tagt einmal im Jahr. Ca. 90 Delegierte aus den 24 Diözesanverbänden der KjG vertreten dort die Mitglieder des katholischen Jugendverbandes. Die Bundeskonferenz berät und entscheidet über die Grundlinien politischer Interessensvertretung und über die bundesweiten Aktionen und Projekte der KjG. Die KjG bietet Kindern und Jugendlichen ein engagiertes Forum, in dem sie ihre Interessen in Kirche, Politik und Gesellschaft einbringen und vertreten können. Die Bundeskonferenz der Katholischen jungen Gemeinde (KjG) wird gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.