Die Grundstruktur eines Verbandes kann verschiedene Ausprägungen haben. Verschiedene denkbare Grundmodelle versuchen wir hier kurz darzustellen:
Die Modelle:
Mitgliedsverband
Netzwerkverband
O-Modell-Verband
Die Modelle sind nur prototypisch gedacht. Die Vor- und Nachteile haben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Wenn euch weitere Vor- und Nachteile einfallen oder euch andere Schlussfolgerungen in den Sinn kommen, dann ergänzt doch bitte, indem ihr Kommentare oder mir eine E-Mail schreibt, damit ich sie hier auf die Seite setzen kann.
Der Mitgliedsverband
Ausgangssituation
Der Mitgliederverband orientiert sich am einzelnen Mitglied. Alle Mitglieder sind auf derselben Ebene des Verbandes gemeldet und führen auch an diese ihren Mitgliedsbeitrag zentral ab. Ein Teil des Mitgliedsbeitrags kann an die darunter liegenden Ebenen zurück verteilt werden.
Der gesamte Bereich des Mitgliederwesens ist, dann auf der obersten Ebene angesiedelt. Ähnlich wie es bei der Mida schon möglich ist können Teile der Daten auch den anderen Ebenen zugänglich gemacht werden, damit Mitglieder- und Aktionswerbung, Adress- und Kontoänderungen sowie Ein- und Austritt dezentral aktualisiert werden können.
Weitere zentralisierte und bundesweit vereinheitlichte Dinge, Aktionen und Vorgehen sind durchaus denkbar und realisierbar.
Vorteile:
Der Verband kann eher als „Gesamtverband“ denn als Zusammenschluss vieler Einzelverbände wahrgenommen werden.
Durch das outsourcen des Beitragswesens von den anderen Ebenen auf die höchste Ebene können Ressourcen gespart werden und auf den anderen Ebenen für Inhalte und anderes sinnvoll genutzt werden.
Ein einheitliches und transparentes Beitragssystem trägt auch zu mehr Transparenz nach außen bei.
Gesamtverbandliche Aktionen und Veranstaltungen sowie Meinungsbildung erreichen das Mitglied direkt und müssen nicht über drei bis vier Ebenen nach unten getragen werden.
Das „wir“ wird wichtiger als das „ich“
Auch bei Mitgliedeinbrüchen ist das formale Mitgliederwesen im Verband gesichert.
Keine anonyme Mitgliedermeldung möglich
Gemeinsame Profilierung nach außen leichter möglich
Der Diözesanverband ist für die Mitglieder eine abstrakte Einheit. Ein Bundesverband greifbarer.
Der Bundesverband kommt psychologisch aus der Nehmerrolle heraus in eine Geberrolle.
Je mehr Entscheidung auf der Bundesebene getroffen werden desto weniger Verantwortung liegt in den Diözesanverbänden
Nachteile:
transparente Mitgliedszahlen
bei einheitlichem Beitrag evtl. deutlicher Anstieg des Mitgliedsbeitrages in einigen Diözesanverbänden möglich
Keine anonyme Mitgliedermeldung möglich
Beitragshoheit liegt nicht mehr in den Diözesanverbänden
Ein zentralisiertes Modell von Verband entspricht nicht dem getrennten Ebenendenken
Je mehr Entscheidung auf der Bundesebene getroffen werden desto weniger Verantwortung liegt in den Diözesanverbänden
Fazit
Ein durchaus auch für die KjG bedenkenswertes Modell auf dem Weg zu einem starken Verband für die nächsten 40 Jahre.
Netzwerkverband
Ausgangssituation
Im Netzwerkverband schließen sich die Diözesanverbände zusammen. Ziel der Netzwerkebene ist es nur diese, wie es der Name schon sagt, zu vernetzen. Inhaltliche Ausgestaltung, Themensetzung, Beratung, Organisation und intensive Betreuung ist in diesem Konstrukt von der höchsten Ebene nicht vorgesehen.
Die großen Diözesanverbände mit starken Mitgliedszahlen und vielen hauptamtlichen Stellen müssen hier deutlich mehr für den Gesamtverband leisten als sie es bisher tun.
Aufgabe der Netzwerkebene kann die Vorbereitung von Netzwerktreffen sein und die Geschäftsführung des Bundesverbandes.
Vorteile:
Straffe Organisation der Bundesebene möglich.
Weniger oder gar kein Hauptamt auf Bundesebene ( Weniger Kosten.
Mehr Kooperationen der Diözesanverbände bedeuten unter Umständen effektiveres gesamtverbandliches Arbeiten (Konzeptplanung und Weitergabe)
Eher gesellschaftsanaloges Modell
Nachteile:
Weniger Gewährleistungen für die Diözesanverbände
Weniger Begleitung und Betreuung als bisher.
Mehr Verantwortung und Aufgaben für die Diözesanebene.
Vertretung in nationalen und übernationalen Verbänden und Organisationen schwieriger möglich, da Nutzen bei Vertretungsaufgaben für Diözesanverband alleine nicht immer von direktem Nutzen.
Evtl. weniger Gelder und Zuschüsse für Bundesweite Aktionen.
Starker Mitgliederrückgang und Schrumpfung der Diözesanebene sowie Wechsel in der Diözesanleitung können schnell zu einem sinkenden Interesse an Kooperationen und Solidarität führen.
Der letzte Rest an „Verbandsgedächnis“ stirbt aus.
Fazit
Ein Modell was viele neue Aufgaben und Schwierigkeiten mit sich bringt. Folgen einer solchen drastischen Umstrukturierung sind schwer abzusehen. Eher momentan ein schwieriger Weg für die gesamte KjG oder anders gesprochen kann dies ein Überleben nur noch selbstständig überlebensfähiger Diözesanverbände mit sich bringen. Ohne eine sehr gute Betreuung der Diözesanverbände ist eine gute Vernutzung nicht möglich.
Das Nullmodell
Ausgangssituation
Das Nullmodell besticht durch sein Unverändertheit zu dem jetzigen Modell von KjG als Verband. In den letzten 40 Jahren hat sich die KjG stetig weiter bewegt und ist zu dem geworden was sie heute ist. Weiterentwicklung würde bei diesem Modell nicht unbedingt eine Stagnation bedeuten. Bestandssicherung und eine klarere Aufgaben- und Zuständigkeitsverteilung der einzelnen Ebenen der KjG wären hier die Arbeitsaufgaben für das kommende Jahr
Vorteile:
Wir kennen die langsam gewachsenen Strukturen und können gut mit dieser und nah an dieser arbeiten.
Wenn alles bleibt wie es bleibt, bleibt die Hoffnung dass alles bleibt wie es ist.
Wenig Gefahren mit einer neuen Struktur zu viel zu riskieren
Aufgabenverteilung und Kompetenzen sind wieder eindeutiger
Die Bundesebene funktioniert an und für sich, sie ist nur deutlich unterfinanziert.
Nachteile
Bestehendes Verbandsmodell spricht nur eine „aussterbende“ Mitgliederschicht an ( keine Zielgruppenerweiterung
Fazit
Auch dies ist eine Möglichkeit die Zukunft der KjG zu sehen oder zu gestalten.
Kommentar von Valentin
3 4. März 2010, 06:32 Uhr |
Zwei Fragen:
- “Der Diözesanverband ist für die Mitglieder eine abstrakte Einheit. Ein Bundesverband greifbarer.” (Vorteile Mitgliederverband).
Warum denn das?
Warum sollte eine Instanz, die noch weiter entfernt als der DV ist, greifbarer sein? Dass das nicht klappt, ist wohl aktuell sehr gut zu erkennen: Viele Mitglieder haben nicht wirklich eine Ahnung, was die BE ist bzw. macht. Wenn also das als Vorteil gelten soll, muss sich einiges ändern.
- “Wenn alles bleibt wie es bleibt, bleibt die Hoffnung dass alles bleibt wie es ist.” (Vorteile Nullmodell)
Hier vermisse ich ein kleines bisschen besagten Vorteil. Ich denke, wir veranstalten das hier alles, weil wir das ein oder andere Problem haben und aktuell um unsere (gesellschaftliche) Legitimation kämpfen (siehe so ziemlich alle anderen Beträge). Oder liege ich da falsch?
Kommentar von AlexMS
2 23. Februar 2010, 15:59 Uhr |
Weiterer Nachteil beim Mitgliedsverband:
- wenn das Mitgliedswesen komplett an die Bundesebene gegeben wird, wird dort auch mehr Arbeitskapazität benötigt
Weiterer Nachteil beim Netzwerkverband:
- zahlreiche Diözesanleitungen sind momentan nicht voll besetzt. Da scheint es mir sehr unrealistisch zu sein, viel Zeit in ein Engagement auf Bundesebene stecken
Kommentar von Volker
1 5. Februar 2010, 13:45 Uhr |
Die Modelle sind mir etwas zu sehr von Bundesebene (und dem Zusammenspiel der Diözesanverbände) aus gedacht. Die KJG hat sich aber bisher in erster Linie in der Gemeinde organisiert. Alle Ebene darüber sind freiwillige Zusammenschlüsse, um die eigenen Interessen besser vertreten zu können. Mitglied wird man daher auch in der Gemeinde und nicht etwa im Diözesanverband. Das unterscheidet uns von anderen großen Verbänden, die Ortsgruppen eher als Untergliederung zur besseren Organisation ihrer Arbeit sehen.
Verfolgt man jetzt den Ansatz eines “Mitgliedsverbandes” (was hier ja offensichtlich am meisten favorisiert wird), käme das schon einer erheblichen Neugestaltung der KJG gleich. Das kann man natürlich gut oder schlecht finden. Ich wäre nur skeptisch, da es noch nicht die flachen Hierarchien und neuen Beteiligungsformen bringt, die doch eigentlich notwendig sind.